Rolls-Royce Phantom Centenary: Sondermodell
Ein Rolls-Royce wie ein Erlebnispark

Rolls-Royce hat 25 Phantom extrem aufwendig dekoriert – einer davon schaffte es nach Deutschland. Ist das Kunst, oder kann das fahren?
Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
Es sieht aus wie ein Auto. Es riecht wie ein Auto. Es klingt wie ein Auto. Es fährt sogar wie ein Auto, versichert uns der Besitzer.
Aber der Rolls-Royce Phantom Centenary ist eigentlich ein Sammlerstück. Reichhaltig verziert mit Motiven aus der Historie des Rolls-Royce Phantom, von der Kühlerfigur über den Motorraum bis zum Kofferraumdeckel, vom Dachhimmel über die Innenseite des Handschuhfachs bis in den Fußraum.
Nur ein einziges Exemplar wurde nach Deutschland verkauft. AUTO BILD ist durchgekrabbelt und stellt es vor.
Was ist der Rolls-Royce Phantom Centenary?
- Sondermodell: Rolls-Royce Phantom Centenary Private Collection
- Anlass: 100 Jahre Rolls-Royce Phantom
- Stückzahl: nur 25
- Besonderheiten: Spirit of Ecstasy aus Gold, außen und innen sehr detailverliebt geschmückt mit Motiven aus der Historie
- Motor: 6,75-Liter-V12, zwei Turbolader, 571 PS, 900 Nm
- deutscher Besitzer: Jörg Woltmann, Berlin
- Preis: nicht offiziell genannt

Die Rücksitze und der Dachhimmel sind höchst aufwendig bestickt – da hat AUTO BILD-Reporter Frank B. Meyer viel zu entdecken.
Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
So etwas wird nicht hergestellt, um Kilometer zu schrubben. Sondern für Sammler, die sich so etwas als Stehrümchen für die private Sammlung zulegen.
Der einzige deutsche Besitzer – ein Porzellanfabrikant – sieht das aber gelassen, er will seinen Rolls-Royce Phantom Centenary nicht wie Omas Sammeltässchen wegstellen, sondern ihn auch als Auto benutzen. Dazu später mehr.
Was bedeutet Centenary?
Sehen wir uns erst mal das Samm... das Auto an. Anlass für das Sondermodell war 2025 der 100. Geburtstag des Rolls-Royce Phantom. Daher der Name: Centenary (der Brite spricht es "ßen-TIE-ne-ri" aus) heißt hundertjähriges Jubiläum.

Der Käufer aus Berlin hat das bestmögliche Wunschkennzeichen zum 100-Jahr-Rolls-Royce ergattert. Ein Plastik-Nummernschildhalter mit Autohauswerbung kam natürlich nicht infrage.
Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
Warum ist der Centenary außen nicht so schlicht, wie er scheint?
Von außen sieht der Phantom Centenary auf den ersten Blick fast reduziert aus: schwarz-weiß, glatte Räder, fertig. Fast wie ein Auto aus der glamourösen Stummfilmzeit.

Die Scheinwerfer funkeln, als würde sich der Sternenhimmel darin spiegeln. Oder, was ja auch passen würde, die Lichter der Großstadt.
Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
Aber die Außenhaut ist voller subtiler Details: Die Grenze zwischen Schwarz und Weiß bei der Zweifarblackierung zum Beispiel verläuft anders als normalerweise beim Phantom, wirkt eher wie bei einem 1930er-Jahre-Auto. Die Lacke sind nicht schlicht schwarz und weiß, sondern tragen einen Klarlack mit glänzenden Glassplittern.

Der Lack trägt Glitzer. Offizieller Name: "Super Champagne Crystal".
Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
Ist "Emily" wirklich aus Gold?
Die Kühlerfigur "Spirit of Ecstasy" ist laut Rolls-Royce aus massivem 18-karätigem Gold (also einer Legierung mit 75 Prozent Gold), zusätzlich vergoldet mit 24-karätigem, also fast reinem Feingold. Keine Sorge: Beim Parken zieht die "SoE" sich automatisch unter eine Klappe zurück, das Diebstahlrisiko ist also verringert.

Die goldene Kühlerfigur, 9,5 Zentimeter hoch, ist der ersten "Spirit of Ecstasy" nachempfunden, die einst auf einem Phantom stand. Der Fuß mit "Phantom Centenary"-Schriftzug ist aus Glas-Emaille, auch das Logo ist vergoldet.
Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
Ebenfalls in 24 Karat Gold glänzen die Rolls-Royce-Logos vorn, an den Seiten und hinten, ja sogar die Plakette und das V12-Logo im Motorraum.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Jedes Rad trägt 25 feine Ringe auf schwarzem Grund – ein Symbol einerseits für die 25 Stück, die es vom Sondermodell Centenary gibt, andererseits summieren sich die Ringe bei vier Rädern auf 100, was für 100 Jahre Phantom steht.

Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
Warum wirkt der Rolls-Royce Centenary innen so unruhig?
Dennoch ist die Außenansicht des Phantom Centenary ziemlich ruhig. Wer nun die Türen öffnet, wird überrascht: Die Sitzpolster, nein, der ganze Innenraum ist kleinteilig dekoriert. Auf den ersten Blick wirkt das ein bisschen wie Kunsthandwerk aus den 90er-Jahren, fast wirr. Wer genau hinsieht, entdeckt jede Menge Referenzen und Hinweise auf die Rolls-Royce-Geschichte.

Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
Warum hat der Phantom Centenary hinten Stoffsitze?
Wie bei einem Chauffeurwagen der 1920er-Jahre sind die Vordersitze mit Leder bezogen, die Rücksitze mit Stoff. (Der Fahrer saß in vielen Autos unter freiem Himmel, die Sitze mussten also wasserfest sein; die Herrschaft durfte sich in warme, weiche Stoffe kuscheln.) Im Rolls-Royce Phantom Centenary sind vorn in das weiße Leder Zeichnungen von Autos, Gebäuden und Konstruktionen mit Laser eingearbeitet.

Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce

Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
Was bedeuten die Lamellen überm Handschuhfach?
Der Deckel des oberen Handschuhfachs trägt außen eine Zeichnung der Fabrik in Goodwood und innen eine Erklärung für das, was oberhalb eingebaut ist: "Diese einzigartige Skulptur besteht aus 50 individuell gefertigten Aluminiumlamellen. Wie die Seiten eines Buches repräsentieren die beiden Flächen jeder Lamelle 100 Seiten der Historie des Phantom. Jede 'Seite' trägt einen abstrahierten Text aus Schriften der Jahre 1925 bis 2025, der die Tiefe des bemerkenswerten Vermächtnisses des Phantom einfängt."

Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
Was stellen die Rücksitze des Phantom Centenary dar?
Am auffälligsten sind sicherlich die Rücksitze. 1926 hatte Clarence Warren Gasque, Finanzdirektor der britischen Woolworth-Gruppe, für seine Frau Maude eine Phantom-Sonderanfertigung bestellt, die er "Phantom of Love" – von diesem Wagen sei das Centenary-Design inspiriert, berichtet Rolls-Royce.
Auch dafür haben erst Historiker und Designer gemeinsam Details aus der Geschichte von Rolls-Royce ausgewählt, ein Designer hat sie künstlerisch umgesetzt, und die Rücksitze wurden bedruckt und mit 160.000 Stichen bestickt.

Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce

Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
Warum hat der Dachhimmel in diesem Rolls-Royce Blätter?
Dass der Dachhimmel mit Hunderten kleiner Lichtchen einen Sternenhimmel simuliert, ist für Phantom-Kenner nichts Neues. Neu ist hier, dass wir scheinbar unter einem Maulbeerbaum sitzen – wie einst Henry Royce, der mit seinen Ingenieuren im heimischen Garten in West Wittering neue Entwicklungen besprach.

Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
Wofür stehen die goldenen Linien in den Türen?
"Hmm", scheinen die Macher dieses Sondermodells überlegt zu haben, "wo wäre jetzt noch Platz, weitere Geschichten zu erzählen?" Ja, klar: in den Türverkleidungen. Beim flüchtigen Hinsehen nimmt man nur krakelige goldene Linien (24 Karat, klar) auf dunklem Grund wahr. Die Linien stellen sich als Routen heraus, auf denen einst Phantom-Modelle fuhren.

Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce

Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
Die längste dieser Strecken ist in der Tür vorn links dargestellt: 2003 durchquerte der erste Phantom VII den australischen Kontinent auf mehr als 7000 Kilometern. Deshalb ist nicht nur das Auto dreidimensional in dem schwarzen Holzfurnier abgebildet, sondern auch australische Eukalyptusbäume. So wie rund um Canadel-sur-Mer auch Zypressen und Palmen die Türverkleidung zieren.
Allein die Türverkleidungen in Handarbeit herzustellen, hat laut Rolls-Royce etwa vier Wochen gedauert.
Wie viel Arbeit hat Rolls-Royce in die 25 Autos investiert?
Insgesamt zieren 77 Grafiken und Kunstwerke aus dem Projekt "Phantom Centenary Private Collection" den Wagen. Rolls-Royce erzählt, dass in die Entwicklung des Centenary drei Jahre und rund 40.000 Personenstunden geflossen sind.

Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
Wie teuer ist der Rolls-Royce Phantom Centenary?
Wie viel der Phantom Centenary gekostet hat, mag Rolls-Royce nicht verraten. Der Basis-Phantom kostet um die 500.000 Euro; ein Insider wollte uns gegenüber nur bestätigen, dass der Centenary unter zwei Millionen liegt.
Wer ist der deutsche Besitzer?
Jörg Woltmann aus Berlin ist laut Rolls-Royce der einzige Kunde in Deutschland, der einen Phantom Centenary gekauft hat. "Ich hatte das Glück, dass ein Käufer – aus welchen Gründen auch immer – seine Bestellung zurückgezogen hat. Und dass ich bei einem Gespräch mit Rolls-Royce davon erfahren habe und dann sofort zugeschlagen habe", erzählt er bei einem Termin im Autohaus Rolls-Royce Motorcars Berlin von Riller & Schnauck.

Bild: Nicolai Semrau / Rolls-Royce
Woltmann freut sich über den Centenary: "Ich bin wie ein kleines Kind", sagt der Mann Jahrgang 1947 und strahlt. "Ich liebe die englischen Autos. Als Student bin ich mit einem Jaguar E-Type zur Demo gefahren mit der roten Fahne im Kofferraum." Ein Student im Jaguar? "Ich hatte schon einen Autohandel aufgebaut, auch um mein Studium zu finanzieren."
Kurz danach, 1975 als Partner einer Unternehmensberatung, kaufte er nach eigenen Angaben seinen ersten fabrikneuen Rolls-Royce, einen Silver Shadow.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
1979, mit 32 Jahren, gründete er die Privatbank Allgemeine Beamten Kasse und wurde Bankier. 2006 rettete er die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) vor der Pleite, "aus Patriotismus zu Berlin", seitdem ist er ihr Eigentümer. Auch mit Bugatti hat die KPM schon zusammengearbeitet, beim Bugatti Veyron Grand Sport "L'Or Blanc" mit Porzellanteilen.
Was hat der Besitzer mit dem Phantom Centenary vor?
Einfach nur wegstellen wie ein Sammeltässchen? Nein, das hat der Porzellanfabrikant nicht vor. Er möchte nutzen und genießen, was er hat. "Wissen Sie, wir essen auch jeden Tag von KPM-Tellern. In der Stadt fahren wir meistens Elektro-Smart. Aber sonst fahre ich auch täglich mit dem Rolls Royce Spectre. Das ist schon was anderes. In meinem Spectre fühle so schön von der Außenwelt abgeschirmt."
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