Der Mann weiß, wie der Hase läuft. "Wer von euch beiden ist der Fotograf?", will er wissen, sagt dann: "Da hinten ist der Kapitänssitz, schnell knipsen, wird gleich abgeholt."
Wegen des Mobiliars aus der Oligarchenjacht "Dilbar" sind wir eigentlich gar nicht hier, aber wo wir gerade dabei sind, müssen wir auch darüber reden: Der Protzkahn (550 Millionen Euro teuer!) misst 156 Meter, hat einen 25-Meter-Pool und einen Hubschrauberhangar. Und eine Lederausstattung im Kapitänsabteil.

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Die stand also seit Februar in der Halle von Sattlermeister Kai Bruhn in Hamburg und sollte mit braunem Leder bezogen werden. Aber dann kam der Krieg, Bruhn machte sich schlau, für wen er da eigentlich arbeiten sollte. Und beschloss: "Da geh ich nicht ran, allein aus moralischen Gründen." So ließ er den 20.000-Euro-Auftrag einfach wieder abholen.
Der Kapitänssitz stammt aus einer Oligarchenjacht, ging wie gebracht zurück – aus moralischen Gründen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD

Wenn man so will, sind Bruhns Mitarbeiter Künstler, ihre Instrumente sind Nähmaschine, Drucklufttacker, Schere, Cuttermesser. Meister Bruhn ist ihr Dirigent und zeigt uns heute seinen Betrieb. Seit einem Jahr arbeiten sie in einem ehemaligen Langnese-Lager, die dritte Werkstatt in 50 Jahren.

Vom Koch zum Sattler

Der Chef ist seit 1987 dabei, hieß damals Lüdemann mit Nachnamen und war ausgebildeter Koch. Dann lernte er seine große Liebe kennen, sie war Sattlerin, arbeitete in der Firma ihres Vaters.
1987 tauschte er den Kochlöffel gegen die Nähmaschine ein, Lehre beim Schwiegervater, 1990 die Hochzeit. Fünf Monate später verunglückte seine Frau tödlich, Bruhn blieb im Betrieb, machte seinen Meister, übernahm als Chef.
Der Meisterbrief: 1995 legte Kai Bruhn die Prüfung in Hannover ab.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD

Jetzt steht er vor einem riesigen Stoffregal, alle Rollen beschriftet. Wie viele das sind, kann er nicht sagen, etliche aus der Anfangszeit in den 1960er-Jahren: "Letztens haben wir mit einem blau-silbrigen Stoff die Sitze eines DKW bezogen", erzählt Bruhn, "keine Ahnung, ob das mal original war, aber es passt zum Charakter des Autos."

Auftragsbücher gut gefüllt

Den Jaguar, der fertig lackiert, aber noch im Rohbau in der Halle steht, stattet er komplett aus: Vinyldach, Innenhimmel, Teppiche inklusive Dämmung, Cockpit, die Sitze mit cremefarbenem Leder haben sie schon fertig. "Wenn der raus ist, stehen drei andere Kundenfahrzeuge auf der Warteliste." (So pflegen Sie das Leder im Auto richtig)
Bruhn hat gut zu tun, und das liegt auch an Menschen wie dem Mercedes-Fahrer, der jetzt mit seiner Mercedes C-Klasse vom Typ W 204 vorfährt: Das Kunstleder der Sitzbacke ist durchs viele Ein- und Aussteigen eingerissen. "Das machen wir täglich", sagt der Meister, so was koste 150 bis 250 Euro plus Steuer.
Seit 1961 gesammelte Stoffe: Sattlermeister Kai Bruhn und AUTO BILD-Mann Andreas May.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD

Als der Kunde weg ist, verrät er: "Die modernen Autos haben zu wenig Weichmacher im Kunstleder, ein Riss ist unausweichlich." Deshalb werde diese Arbeit nie ausgehen. Und es geht fix: Bezug abnehmen, gerissenes Teil raustrennen, neues Teil vernähen, Bezug wieder drüber. Dauert zwei bis drei Stunden, eine Stunde kostet 65 Euro plus Steuer.

Bruhn: "Wir machen das, was der Markt von uns verlangt"

Ein anderer Kandidat für typische Sattlerarbeit parkt direkt neben der Werkstatt, beim rechts gelenkten Jaguar XJ8 kommt der Dachhimmel runter. Bruhn: "Die Schaumstoffschicht zersetzt sich, der Stoff des Himmels hat keinen Halt mehr. Das Problem haben alle Hersteller." Resultat: viel Fummelei, 20 Stunden Arbeit, etwa 2000 Euro Kosten.
Der Jaguar bekommt Teppiche, Dachhaut, Himmel, Ledersitze. Es gibt eine Warteliste.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD

Der Meister macht alles, was Autofahrer beglückt, bezieht Sitze mit Nappaleder (3000 Euro aufwärts), baut neue Cabrioverdecke ein (VW Käfer: 1500 bis 3000 Euro), hat schon Gardinen für Autos von Scheichs genäht und fertigt grade für den Fahrer eines VW Eos einen Fußraumschutz aus Leder an.

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"Wir machen das, was der Markt von uns verlangt", sagt Bruhn. Na ja, vielleicht mit einer Ausnahme. Dass der Oligarchensitz vorhin unbearbeitet abgeholt wurde, ist ein Sieg der Moral.

Zur Person: Kai Bruhn

Doppelt gelernt hält besser: Kai Bruhn hat zuerst eine Ausbildung zum Koch gemacht und anschließend zum Sattler umgesattelt, inklusive Meisterbrief. In seinem Hamburger Betrieb beschäftigt er sechs Sattler, drei Frauen, drei Männer.