Schalten im Elektroauto? Porsche bringt mit E-Shift Verbrenner-Gefühle zurück
Porsche macht E-Autos emotional: Dieser Trick sorgt für Gänsehaut

Stark und schnell sind sie ja alle, die elektrischen Porsche. Aber eben auch ein bisschen unterkühlt. Das wollen die Schwaben jetzt mit einem Trick ändern. Zuerst im Taycan und später auch in den SUV.
Bild: Porsche
Ein Drehzahlmesser im Elektroauto? Wer im neuen Modelljahr des Porsche Taycan auf den richtigen Knopf drückt, traut beim Blick ins digitale Cockpit seinen Augen kaum: Als würde unter der Haube wieder ein Verbrenner orgeln, flammt hinter dem Lenkrad plötzlich ein Drehzahlmesser auf, und die Nadel zittert ganz fein im vermeintlichen Standgas.
Beim Beschleunigen geht die Sinnestäuschung weiter: Kaum senkt sich der rechte Fuß, schnellt die Nadel nach oben, und kleine, aber feine Rucke lassen dich glauben, hier sei tatsächlich ein Doppelkupplungsgetriebe eingebaut.
Dank E-Shift wird im Porsche Taycan wieder geschaltet
Erst recht, wenn du dann auch noch die Paddel hinter dem Lenkrad entdeckst. Dort, wo andere E-Autos allenfalls die Rekuperation regeln, dirigierst du jetzt plötzlich den Triebstrang und kannst wieder schalten und walten wie in der guten alten Zeit – links runter, rechts rauf. Beim Launch-Control-Start geht im besten Fall achtmal ein kleiner Ruck durch den Wagen, bis du im Turbo GT jenseits von 300 km/h dein Limit erreichst.

Schaltpaddel im Elektroauto: Im Taycan GT wird wieder aktiv geschaltet – ganz wie früher.
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Dazu gibt es je nach Fahrprogramm einen mehr oder minder präsenten, aufputschenden Sound, der dir auch ohne Blick auf den Tacho ein Gefühl fürs Tempo gibt. Selbst das Motorschleppmoment haben sie simuliert, genau wie die gelben Leuchtbalken, die dich zum nächsten Gangwechsel mahnen, oder das peinliche Stottern, wenn du jenseits von 7500 Touren in den roten Bereich ratterst und der Begrenzer dich kurz darauf zum Dilettanten stempelt.
Dass die E-Maschinen dabei zum Teil schon über 16.000 Touren drehen und eigentlich gar nichts wissen wollen von Zugkraftunterbrechung oder Drehzahllimit – oder dass der Sound nur aus den Lautsprechern kommt statt aus den Endrohren? Geschenkt!
Porsche will endlich Emotionen ins E-Auto bringen
Hier geht es nicht ums Sein, sondern um den schönen Schein: Mit dem E-Shift genannten Gimmick will Porsche endlich das in seine Elektroautos bringen, was ihnen bislang am meisten gefehlt hat: Emotionen.

Plötzlich wirkt der Elektro-Porsche wie ein klassischer Verbrenner.
Bild: Porsche
Denn dass die Stromer aus Stuttgart stark und schnell sind, daran zweifelt längst keiner mehr. Nicht umsonst ist der Taycan GT mit einer Zeit von 6:55,533 Minuten der elektrische Rekordhalter auf der Nordschleife.
Nachdem die Schwaben bislang je nach Geschmack mehr oder minder treffsicher nur den Sound simuliert haben, gaukeln sie den Ewiggestrigen jetzt noch mehr Verbrenner-Feeling vor. Zu den noch immer ziemlich konkurrenzlosen, aber für den Fahrer kaum spürbaren realen Gängen gibt es deshalb nun acht virtuelle, die Petrolheads den Flirt mit der Elektromobilität erleichtern sollen.
Zu erkennen ist das am neuen GT-Lenkrad, das neben den Schaltpaddeln auch noch einen zweiten Drehknopf neben dem Schalter für den Fahrmodus besitzt. Wer dort das blaue Knöpfchen drückt, aktiviert das System. Noch einmal nach rechts gedreht – und du wechselst vollends in den manuellen Modus mit Schaltblitzen im Display und dem Begrenzer als mahnendem Zeigefinger.
Vom Operationssaal zum Fitnessstudio
Während sich ein Taycan bislang selbst bei forcierter Fahrt so steril und unterkühlt angefühlt hat wie ein Operationssaal, geht es damit plötzlich heiß her im elektrischen Sportwagen. Du fühlst dich fast ein bisschen wie im Fitnessstudio: Die Temperatur steigt, das Adrenalin fließt, und irgendwie steigt dir sogar der Schweiß auf die Stirn, wenn der Blick zwischen Scheitelpunkt, Drehzahlmesser, Ganganzeige und den Schaltblitzen im Cockpit hin und her rast.

E‑Shift im Porsche Taycan: Acht simulierte Gänge bringen ein neues Fahrgefühl ins E‑Auto.
Bild: Porsche
Bevor ein künstliches Stottern den Drehzahlbegrenzer simuliert und dich auszubremsen droht, hilft nur eins: schalten. Und wenn dich ein anderes Auto ausbremst, ziehst du einfach an beiden Paddles gleichzeitig und aktivierst so den Overboost, der dir für zehn Sekunden die maximale Leistung freischaltet und das Überholen zum Kinderspiel macht.
Spätestens wenn es um diesen unvermittelten Kick geht, sind dann auch überzeugte Verbrenner-Fans plötzlich begeistert bei der Sache. Denn kein Turbo der Welt baut so schnell so viel Druck auf. Und jetzt, wo du dabei plötzlich selbst die Finger im Spiel hast, fühlt sich das alles ganz anders an – ja, fast authentisch.
Hyundai war schneller – Porsche macht's besser
Neu ist die Idee vom E-Shift natürlich nicht. Bei Hyundai gibt es eine ähnliche Technik bereits seit dem Ioniq 5 N. Wenn bald der elektrische Viertürer des AMG GT startet, dreht die Mercedes-Tochter das Rad noch eine Raststufe weiter und verschaukelt mit speziellen Shakern im Sitz zusätzlich das Popometer.
Aber so einfach der Trick ist, so gut wirkt er. Wenn du das Fahren wieder ein bisschen stärker selbst in der Hand hast, wird aus dem Staunen über die irre Leistung der E-Autos plötzlich Schwärmerei. Aus chirurgischer Präzision werden Lust und Leidenschaft, und ganz still und leise schleicht sich wieder ein Grinsen ins Gesicht.
Billig ist der Trick allerdings weder technisch noch finanziell: Im Taycan GT ist das E-Shift-Getriebe serienmäßig, in allen anderen Varianten kostet es je nach Grundausstattung rund 1000 Euro. Für einen Porsche ist das allerdings fast schon ein lachhaft niedriger Aufpreis.
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