Um einen marktgerechten Preis beim Verkauf eines Gebrauchtwagens zu erzielen, ist es unerlässlich, die Situation auf dem Gebrauchtfahrzeugmarkt einschätzen zu können. Wer lediglich grob recherchiert, etwa durch Preisvergleiche von Annoncen in Online-Fahrzeugmärkten und das persönliche Einholen von Angeboten bei Autohändlern, der wird kaum einen angemessenen Erlös für seinen alten Wagen erhalten.

Eine über lange Jahre bewährte Informationsquelle ist die sogenannte Schwacke-Liste, eine Datenbank mit umfangreichen Preisinformationen zu rund 30.000 Automodellen. Seit 1957 notiert Schwacke den durchschnittlichen Restwert von Gebrauchtwagen und berücksichtigt dabei nicht nur Baujahr und Laufleistung, sondern auch Motorisierung und Ausstattung. 
Dank dieser beträchtlichen Datensammlung – früher in Papierform, heute integriert in die App SchwackeNet – lässt sich die Frage, welchen Wert das eigene Fahrzeug am Markt hat, recht präzise beantworten. Vorteilhaft ist jedoch nicht nur, eine gute Orientierung zu erhalten, die Schwacke-Liste ist allgemein anerkannt und verhindert nervige Diskussionen zwischen Käufer und Verkäufer über das Zustandekommen des Verkaufspreises.
Doch wie kommt Schwacke eigentlich auf die Wertangaben? Die Schwacke GmbH sammelt kontinuierlich Informationen zu sämtlichen Fahrzeugmodellen – etwa Bestandszahlen, Statistiken zu Neuzulassungen, Besitzumschreibungen, das Verhältnis von Angebot und Nachfrage oder saisonale und regionale Preisschwankungen. 
Diese Angaben werden in einer Datenbank erfasst, analysiert und durch das Programm hinter der Schwacke-Liste ausgewertet. Der Algorithmus gleicht die ermittelten Werte mit aktuellen Verkaufsforderungen ab, die aus Kleinanzeigen, Kfz-Börsen oder von Autohändlern stammen – wobei die exakte Berechnungsformel zu den Geschäftsgeheimnissen des Unternehmens gehört. Auf diese Art errechnet Schwacke einen realistischen Verkaufswert für jedes einzelne Automodell.

Keine Schwacke-Liste für Privatverkäufer

So weit, so gut. Doch die Schwacke-Liste hat einen entscheidenden Nachteil: Sie ist für private Autoverkäufer online nicht mehr einsehbar. Bis 2020 gab es auf der Website von Schwacke für Privatleute das Angebot, gegen eine Gebühr von 7,90 Euro den Wiederverkaufswert ihres Gebrauchtwagens per Einzelabfrage ermitteln zu lassen. Ebenso war eine telefonische Anfrage möglich. Seit der Freischaltung der App SchwackeNet richtet sich das Angebot von Schwacke ausschließlich an gewerbliche Kunden.
Autohäuser und Gebrauchtwagenhändler können ein Jahresabonnement abschließen und haben dann Zugriff auf umfangreiche Informationen. Dazu zählen neben der Gebrauchtwagen-Bewertung eine präzise Fahrzeugidentifikation anhand der Fahrgestellnummer, Lackdaten für Lackierarbeiten, Expertisen zur Bestandsverwaltung, ein Programm, mit dem sich Reparaturkostenvoranschläge für Kunden und Versicherungen einzelner Modelle kalkulieren lassen, sowie viele weitere Anwendungen, die nur für professionelle Nutzer von Interesse sind.

Alternativen zur Schwacke-Liste

Um den Verkaufspreis des eigenen Gebrauchtwagens bestimmen zu lassen, existieren für private Autoverkäufer mehrere Alternativen. So bieten Automobilclubs wie der ADAC und der DAT eine kostenlose Online-Autobewertung an. 
Während die ADAC-Wertermittlung Annoncenbeispiele zugrunde legt, betreibt DAT eine eigene Datenbank, auf die sich übrigens auch die Online-Fahrzeugbewertung des TÜV bezieht. Ausstattung und Zustand des Fahrzeugs können jedoch weder beim ADAC noch bei DAT nur bedingt berücksichtigt werden. Achtung: DAT bewertet nur Fahrzeuge, die nicht älter als zehn Jahre sind. 
Wer den Weg zur Prüfstelle nicht scheut und bereit ist, eine Gebühr zu akzeptieren, kann auch ein sachgerechtes Gutachten bei Dekra, TÜV, GTÜ etc. erstellen lassen. Vorteil hierbei ist, dass sowohl Pflegezustand als auch Sonderausstattungen in die Bewertung einfließen.
Online-Börsen wie mobile.de oder autoscout24.de bieten ebenfalls eine Gebrauchtpreisermittlung, wobei zur Bewertung bei mobile.de eine Email-Adresse hinterlegt werden muss. Auch der Wert älterer Fahrzeuge lässt sich bei mobile.de ermitteln. autoscout24 hingegen ermöglicht die Eingabe von Außenfarbe und Extras wie Standheizung oder Kurvenlicht.
 
Eine vergleichsweise präzise und kostenlose Fahrzeugbewertung im Internet gibt es über Ankaufbörsen wie Carsale24.de, deinautoguide.de oder wirkaufendeinauto.de. Diese Alternative bietet sich vor allem dann an, wenn der Verkäufer beabsichtigt, sein Fahrzeug über das jeweilige Portal zu verkaufen – schließlich leben die Ankaufbörsen von der Vermittlung von Fahrzeugen und koppeln die Preisermittlung oft an den weiteren Verkaufsprozess. (Unseren Praxistest von drei Ankaufportalen finden Sie hier!)
Wer partout nicht auf die bewährte Schwacke-Liste verzichten möchte, der sollte bei seinem Händler bzw. seiner Werkstatt fragen, ob diese gegen ein großzügiges Trinkgeld einmal in der SchwackeNet-App nachschauen könnte.

Häufige Fragen zur Schwacke-Liste

Was ist die Schwacke-Liste?

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Autohändler und Tankstellenbetreiber Hanns W. Schwacke begann bereits in den 1950er-Jahren damit, die erzielten Preise von Gebrauchtwagen in einer Liste aufzuschreiben und daraus die jeweiligen Restwerte abzuleiten. Mit steigender Typenvielfalt und vielfältigeren Ausstattungsoptionen entwickelte sich aus der anfänglichen Blattsammlung ein dicker Katalog – und ein wachsendes Unternehmen. Heute umfasst die Datenbank der Schwacke GmbH über 30.000 verschiedene Modelle unterschiedlicher Autohersteller und findet sich in der App SchwackeNet im Internet. Allerdings stehen die Daten ausschließlich registrierten Händlern und Autohäusern zur Verfügung.

Wer kann auf die Schwacke-Liste zugreifen?

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Die Einzelabfrage für Privatpersonen gegen eine Gebühr von 7,90 Euro wird von Schwacke seit einigen Jahren nicht mehr angeboten. Die auf der Internetseite www.schwacke.de angebotenen Produkte und Services richten sich ausschließlich an gewerbliche Kunden im Rahmen eines Jahresabonnements. Somit haben im Prinzip nur noch Autohäuser und Gebrauchtwagenhändler gegen eine Abogebühr Zugriff auf die Schwacke-Liste. Diese umfasst allerdings viele weitere Informationen, die für Gewerbetreibende von Interesse sein können – etwa eine Fahrzeug-Bestandsverwaltung, ein Reparaturkostenrechner oder eine Fahrgestellnummern-Datenbank.

Von

Dirk Mangartz