Beim Leon-Dauertest gab es reichlich Unvorhersehbares – leider nicht immer positiv. Alles begann, als der Seat Leon am 4. Dezember 2013 auf unseren Hof rollte. Trotz leichtem Schneetreiben wurde uns sofort warm ums Herz. Und nach der Jungfernfahrt durch die Nikolausnacht notierte Redakteur Christian Steiger im Fahrtenbuch: "Gute Wahl, wenn's kein kühler Golf sein soll." Ein größeres Lob lässt sich einem Kompakten kaum aussprechen.
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Überraschend flott: Der kleine Diesel hat den Leon gut im Griff

Seat Leon 1.6 TDI 5F
105 PS reichten im Leon locker aus, das moderne Design und Lack in Emocion Red stehen ihm bestens.
Bild: Roman Raetzke
Der erfrischend flott gezeichnete Spanier mit dem feuerroten Blechkleid weckte fortan bei immer mehr Kolleginnen und Kollegen nicht nur die Neugier, sondern auch das Begehren. Jedenfalls bevor der Blick auf das Typenschild am Heck gefallen war. Denn da steht – erste große Überraschung – 1.6 TDI. Nicht 2.0, nicht TSI und schon gar nichts von Cupra oder so. Macht also 105 PS, die es mit 1241 Kilogramm Seat aufnehmen sollen. Trotz des vorbildlich geringen Gewichts eine eher ernüchternde Erkenntnis, die viele schon wieder auf Distanz zum Spanier gehen ließ. Ein großer Fehler, wie sich sehr schnell herausstellte. Denn – Überraschung Nummer zwei – das Dieselmotörchen kam mit dem Leon außerordentlich gut klar. Obwohl Christian Steiger in den Kasseler Bergen schon eine gewisse Zähigkeit des nur 250 Nm Drehmoment entwickelnden 1,6ers entdeckt hatte, liebten die Reisenden der Redaktion den Spanier heiß und innig. "Ausreichend flott", "schnell und sparsam", "flotte Fahrleistungen" – so oder so ähnlich liest es sich auf vielen Seiten im grünen Dauertestbuch.
Mehr zum Thema: Die Dauertest-Rangliste mit allen Testergebnissen

Fünf reichen aus: Der sechste Gang wurde kaum vermisst

Seat Leon 1.6 TDI 5F
Das langsame Navi des Spaniers hat uns genervt. Die kroatische Küste erreichte er dennoch problemlos.
Bild: AUTO BILD Redakteur
Nächste Überraschung: Abgesehen von bekannten Macken wie der hohen Ladekante oder der unübersichtlichen Karosserie blieben einige zu erwartende Schwächen einfach aus. Obwohl der kleine Knauser-TDI sehr effektiv mit dem Sprit umgeht (mehr als 6,0 Liter auf 100 Kilometer erfordern schon Vorsatz), bringt er den Innenraum erstaunlich schnell auf Temperatur. Sogar im harten norddeutschen Winter blieben Beschwerden aus und die Kollegen von Erkältungen verschont. Okay, das sportlich-straffe Fahrwerk teilte auf schlechten Pisten den einen oder anderen Knuff aus, und das langsame Navi, die nicht ganz fehlerfreie Bedienung sowie das laute Schwappen aus dem Tank verlangten eine gewisse Nachsicht – richtig geärgert hat uns der Spanier aber nur in ganz wenigen Momenten unserer Dauertest-Ehe. Selbst den sechsten Gang, inzwischen bei vielen Modellen fast selbstverständlich, vermissten nur einige wenige Leon-Lenker. "Superflutschiges Fünfganggetriebe" jubelte unser Testfahrer Stefan Mallach. "Der sechste Gang hat zu keiner Zeit gefehlt", stellte Kollege Jan Tietjen lapidar klar. Nur ab und zu kam dann doch mal der Wunsch nach einer engeren Gangstufung hoch. So kritisierte etwa unser Dauertest-Dompteur Manfred Klangwald: "60 km/h im Fünften? Geht nur, wenn man das akustische Leiden des Motors verdrängt." Unter 2000 Touren leistete sich der kleine Selbstzünder zudem eine spürbare Anfahrschwäche, die schon mal Geduld erforderte. Vom dynamischen Handling des Leon verwöhnte Sportfahrer ließen oftmals ein deutliches Stöhnen hören.
Im Überblick: Alles Infos zum Seat Leon

Getriebe zickt: Zur Zerlegung geht's auf dem Hänger

Seat Leon 1.6 TDI 5F
Bei Kilometer 80.972 machte sich das Getriebe erstmals durch Schleifgeräusche im Schiebebetrieb bemerkbar.
Bild: Christoph Boerries
Zum vierten Mal überraschte uns der Leon kurz vor Feierabend – dieses Mal aber richtig. Es begann – wie so oft – völlig harmlos. Bei Kilometerstand 80.972 notierte der Kollege Rudi Lösel neben seiner grundsätzlichen Zufriedenheit mit dem spanischen Golf auch "Schleifgeräusche im Schiebebetrieb – meines Erachtens vom Getriebe". Rudi hatte damit den absolut richtigen Riecher. Denn im weiteren Verlauf des 100.000-Kilometer-Marathons nahm das Singen stetig zu, während die Schaltbarkeit im gleichen Maße nachließ. Die ohnehin fällige Wartung sowie eine ungeplante Vorstellung beim Seat-Händler führten dann nur zum Wechsel des Getriebeöls. Ein netter Versuch, der aber erfolglos blieb. Und so kam es, wie es kommen musste. Das Getriebe verweigerte immer öfter die Mitarbeit, eine Weiterfahrt wäre nur noch mit stark erhöhtem Ausfallrisiko drin gewesen. Das konnten und wollten wir niemandem zumuten. Also den Leon in den Transporter gestellt und ab zur Zerlegung nach Barcelona. Die 100.000 Kilometer hatte der Seat ohnehin schon ganz fest im Visier. Und die Fehlerpunkte für den eigentlich zu diesem Zeitpunkt erforderlichen Getriebewechsel haben wir dem Seat natürlich mit auf die Schlussabrechung geschrieben.

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Seat Leon
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Seat Leon im 100.000-Kilometer-Dauertest

Bitter: Der Traum von Note eins platzt kurz vor Testende

Im spanischen Seat-Werk kam dann – fünfte Überraschung – die ganze traurige Wahrheit ans Licht. Ein Lager im Getriebe hatte sich verabschiedet und zerlegt, was für weitere Schäden in der Zahnradzentrale gesorgt hat. Nach eingehender Analyse stellten wir fest: ein Materialeinschluss in besagtem Kegelrollenlager, der nach fast 100.000 Kilometern den Lagerring reißen ließ. Einzige positive Erkenntnis dabei: Solche Pitting genannten Materialfehler sind echte Einzelfälle. Wer also einen Leon mit fünf Gängen fährt, kann entspannt durchatmen. Bei Seat dürfte das noch eine Weile dauern. Der Leon fuhr nämlich direkten Kurs auf die Gesamtnote eins – bevor der Getriebe-GAU alles vermasselte. Für die Jungs in Spanien eine ganz böse Überraschung.
Oben in der Bildergalerie erfahren Sie, was während des Tests und bei der Demontage des Testwagens nach Erreichen der 100.000 Kilometer außerdem aufgefallen ist. Den vollständigen Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.