Skoda Octavia 1.5 TSI mHEV Facelift: Test
Vom Vernunftauto zum Sportler – frischer Octavia im Test
Bild: AUTO BILD
Mit gefälliger Optik und Cleverness hat Skoda den Octavia seit 1996 unter der Ägide von Volkswagen zu einem absoluten Bestseller gemacht. War der kompakte Alleskönner am Anfang preislich und technisch eine Empfehlung für Vernunftfahrer, ist er nicht zuletzt wegen der sportlichen RS-Modelle unterdessen auch für Dynamiker begehrenswert geworden.
Parallel zum Imagewandel hat sich allerdings auch das Preisniveau empfindlich erhöht. Die echten Vernunftkäufer werden stöhnen, aber in Mladá Boleslav wurde doch eifrig an der Preisschraube gedreht, das Einstiegsmodell mit 115-PS-Benziner und manuellem Sechsganggetriebe steht erst ab 26.990 Euro in der Preisliste. Wer optisch und technisch mehr will, der muss noch einiges zusätzlich investieren.
Facelift mit leichten optischen Retuschen
Bestes Beispiel: unser Testwagen. Er präsentiert sich nach dem Facelift mit neuen LED-Scheinwerfern und ein paar optischen Feinheiten. Front- und Heckschürze wurden neu gestaltet, verlängern den Tschechen um neun Millimeter, neue Farben und neue Räderdesigns sollen ebenfalls als Kaufanreize dienen.

Front- und Heckschürze wurden neu gestaltet, vergrößern so die Gesamtlänge auf 4,69 Meter.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Für die Sportline-Ausstattung gibt es zusätzlich Flaps an der Frontschürze, eine Spoilerlippe auf dem Heckdeckel und auf Wunsch die Farbe Mamba-Grün für zusätzlich 660 Euro, die an den potenten RS erinnert. So aufgehübscht, ist unser Testwagen vom Preis des Einstiegsmodells dann schon über 15.000 Euro entfernt.
Fahrzeugdaten
Modell | Skoda Octavia 1.5 TSI mHEV |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Zahnriemen |
Hubraum | 1498 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 110 (150)/5000 |
Nm bei 1/min | 250/1500 |
Vmax | 229 km/h |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplung |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 225/45 R 18 Y |
Reifentyp | Goodyear Eagle F1 Asymm. 5 |
Radgröße | 7,5 x 18" |
Abgas CO2 | 117 g/km |
Verbrauch* | 5,1 l |
Tankinhalt | 48 l |
Kraftstoffsorte | Super |
Ottopartikelfilter | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 64 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1500/690 kg |
Stützlast | 80 kg |
Kofferraumvolumen | 600–1555 l |
Länge/Breite/Höhe | 4689/1994/1470 mm |
Radstand | 2686 mm |
Grundpreis | 36.330 Euro |
Testwagenpreis | 42.220 Euro |
Unter der Haube unseres Sportline pumpt zwar der gleiche 1,5-Liter-Turbo-Benziner mit Mildhybrid-Technologie wie beim Einstiegsmodell, stellt aber statt der 115 PS ordentliche 150 PS zur Verfügung. Bei beiden Leistungsstufen unterstützt, wenn das Siebengang-DSG gewählt wurde, ein 48-Volt-Startergenerator bei starker Beschleunigung sowie bei abgeschaltetem Motor, also beim sogenannten Segeln.
Skoda Octavia schafft 229 km/h Vmax
Tatsächlich hat sich die Technologie im Test in zweierlei Hinsicht bewährt. Zum einen bringt sie bei spontanen Überholmanövern den nötigen Schub, zum anderen macht sie unseren Testwagen in allen Belangen angenehm sparsam. Der von uns ermittelte Verbrauch im Drittelmix liegt bei 5,7 Liter Super über 100 Kilometer, bei sportlicher Fahrt über die Autobahn sind es schlanke 7,0 Liter.

Kraftquelle: Der mild hybridisierte 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbo sorgt mit 150 PS und 250 Nm für schönen Schub – und bleibt dabei sparsam.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Und wenn wir hier von sportlich reden, dann heißt das, dass wir auf den freien Strecken auch die Höchstgeschwindigkeit von 229 km/h ausgereizt haben. Zugegeben, es dauert einen Moment, bis der Octavia zur Höchstform aufläuft.
Das lässt sich auch mit Zahlen untermauern: Der Spurt aus dem Stand auf Landstraßentempo gelingt nach unseren Messungen in 8,7 Sekunden, bis 160 km/h sind 21,6 Sekunden vergangen. Schön ist, dass der Motor seine Arbeit weitgehend klaglos verrichtet, ohne lauthals zu nerven.
DSG arbeitet weitestgehend ruckelfrei
Die Kraftverteilung der maximal 250 Newtonmeter erfolgt über das Siebengang-DSG nahezu ruckelfrei. Lediglich in den unteren Gängen zupft es ab und an ein bisschen, was aber in keinem Augenblick als störend empfunden wird. Wer will, kann über den Fahrmodusschalter Progressivlenkung und Gaspedalkennlinie beeinflussen und entsprechend der persönlichen Bedürfnisse komfortabel oder sportlich einstellen.
Messwerte
Modell | Skoda Octavia 1.5 TSI mHEV |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,2 s |
0–100 km/h | 8,7 s |
0–130 km/h | 14,1 s |
0–160 km/h | 21,6 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 4,7 s |
80–120 km/h | 6,0 s |
Leergewicht/Zuladung | 1415/515 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 60/40 % |
Wendekreis links/rechts | 11,5/11,4 m |
Sitzhöhe | 530 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 34,1 m |
aus 100 km/h warm | 34,2 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) |
bei 160 km/h | 73 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 4,9 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 5,7 l S/100 km (+12 %) |
Sportverbrauch | 7,0 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 135 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 840 km |
Das Sportfahrwerk bleibt von den Einstellungen unbeeinflusst, denn das optional verfügbare DCC, also die adaptive Fahrwerksregelung für zusätzlich 750 Euro, hat unser Testwagen nicht. Ehrlich gesagt ist es auch nicht nötig. Der Sportline ist 15 Millimeter dichter an die Straße gerückt, Dämpfer und Federn machen genau das, was sie sollen.
Lediglich bei sehr schnellen Kurven kann sich die Karosserie etwas neigen, und bei manchen Unebenheiten reagiert das Fahrwerk ein wenig trocken auf Stöße. In Summe wirkt es aber in allen Situationen verbindlich und in keinem Moment zu hart.
Verarbeitung und Materialien sind sehr ordentlich
Erfreulich ist auch, dass unser Test-Octavia sich auf Kopfsteinpflaster nicht zu unmanierlichem Klappern hinreißen lässt. Die Verarbeitung ist so gut, dass bis auf kleine Rascheleien nichts hörbar wird. Die Materialien selbst machen einen guten Eindruck. Dort, wo Plastik verwendet wird, ist es so angenehm strukturiert, dass es seine Herkunft gekonnt kaschiert.

Die Spoilerlippe auf dem Kofferraumdeckel ist beim Sportline eher Show als notwendiges Beiwerk für den Abtrieb.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Zudem erfreut der Sportline im Innenraum mit einigen Beigaben, die man so nur aus dem RS kennt. Dazu gehört das Dreispeichen-Sportlederlenkrad mit Multifunktionstasten ebenso wie die Pedalerie in Edelstahloptik oder das Dark-Carbon-Dekor in der Armatur und in Hochglanzschwarz in den Türen. Selbstredend gehören auch die Sportintegralsitze zum Serienumfang. Anders als im RS bestehen sie aber hier aus grauem Recyclinggewebe und Kunstleder. Was dem guten Seitenhalt bis in den Schulterbereich natürlich keinen Abbruch tut.
Infotainment macht großen Schritt nach vorn
Was das Infotainment betrifft, hat Skoda mit dem von VW angebotenen, auf Android OS basierenden System einen großen Schritt nach vorn gemacht. Auf dem 13-Zoll-Zentraldisplay (mit Navi und Head-up-Display für 1560 Euro) zeigt sich eine übersichtliche und gut zu verstehende Kachel- oder Widget-Grafik, die in allen Belangen schnell zum Ziel führt.

Sportline-Cockpit: Pedalerie, Lenkrad und Zierleisten stammen aus dem RS.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Oft benutzte Optionen lassen sich als Piktogramm am oberen Rand anheften. Wem das alles zu aufwendig ist, der kann sich mit "Hallo, Laura" oder einer selbst gewählten Ansprache an die KI wenden. Vollumfänglich kann die Gute aber erst arbeiten, wenn Fahrer und Fahrzeug in der entsprechenden Skoda-Cloud angemeldet sind. Wenn auch das nicht gewollt ist, wird einfach das Smartphone über die Bluetooth-Verbindung gespiegelt und über den Touchscreen gesteuert.
Wertung
Modell | Skoda Octavia 1.5 TSI mHEV |
|---|---|
Karosserie | Tolles Raumkonzept, aber keine ebene Ladefläche. 1,5 Tonnen Anhängelast, Knie-Airbag Serie. |
4/5 Punkten | |
Antrieb | Mildhybrid-Benziner eher brav, hohe Vmax mit Anlauf, niedriger Verbrauch, kaum DSG-Ruckeln. |
4/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Sicheres Fahrverhalten, gekonnte ESP-Abstimmung, guter Bremsweg, kein Fading. |
4/5 Punkten | |
Connected Car | Navi mit 13-Zoll-TFT, Software läuft flüssig, verständige Spracheingabe mit ChatGPT. |
4/5 Punkten | |
Umwelt | Geringes Fahrzeuggewicht, CO2-Ausstoß im Rahmen, Verwendung von Recyclingmaterialien. |
3/5 Punkten | |
Komfort | Bequeme Sportsitze, weiche Rückbank, gute Federung ohne DCC, Windgeräusche von Heckklappe. |
4/5 Punkten | |
Kosten | Teuer in der Anschaffung, Versicherung und Steuern moderat, nur zwei Jahre Garantie. |
3,5/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 2 |
Das alles läuft wie die Assistenzsysteme recht geschmeidig. Denn natürlich lässt sich der Octavia gegen Aufpreis mit Travel Assist, adaptivem Abstandsradar, intelligenter Geschwindigkeitskontrolle, Spurwechsel- und Parkassistent aufrüsten. Was wir in jedem Fall empfehlen, weil es in allen Belangen gut und dezent funktioniert.
Testwagen kostet stolze 42.220 Euro
Am Ende müssen wir zugeben, dass der Octavia in der Sportline-Ausstattung mit allen seinen zusätzlichen Beigaben überzeugt. Was die Euphorie allerdings dämpft, ist der Preis. Unter dem Strich sind für den Testwagen 42.220 Euro fällig. Und das ist verdammt viel Geld für eine kompakte Limousine, die es einst verstanden hat, Vernunftfahrer in ihren Bann zu schlagen.
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