So schwer wird die Zukunft für JP Performance: Kommentar
JP World? Daraus wird nichts mehr!

JP Performance plant offenbar weiter groß. AUTO BILD-Chefredakteur Robin Hornig glaubt, dass der Gewaltskandal um JP Kraemer das bisherige Geschäftsmodell zerstört hat. Ein Kommentar.
Bild: JP Performance
Aus der großen "JP World" wird nichts mehr. Zumindest kann ich mir nach dem Gewaltskandal um JP Kraemer kaum vorstellen, wie das bisherige Geschäftsmodell von JP Performance noch im großen Stil funktionieren soll.
Dabei sieht es gerade auf den ersten Blick nach dem Gegenteil aus. BILD berichtet, dass Mitarbeiter von JP Performance das rund 40.000 Quadratmeter große neue Firmengelände in Schwerte übernommen haben. Rund zwölf Millionen Euro soll das Projekt kosten. Was dort genau entstehen soll, ist offen. Im Gespräch war bislang eine Art "JP World" mit Werkstätten, dem PACE Automuseum, Big Boost Burger, Büros, Produktion und weiteren Geschäftsbereichen.
Auch in Dortmund geht es weiter. Big Boost Burger, Carffee und das PACE Museum öffnen wieder. Die Mitarbeiter und das Management wollen die Betriebe fortführen. Das ist verständlich. Es geht um Arbeitsplätze, Familien und Existenzen.
Doch das ist etwas anderes als die Frage, ob JP Performance so weitermachen kann wie bisher.
Das eigentliche Geschäftsmodell war JP Kraemer
Denn JP Performance war nie einfach nur ein Burgerladen, eine Werkstatt oder ein Museum. Das eigentliche Geschäftsmodell war JP Kraemer.
Seine Reichweite öffnete Türen. Autohersteller stellten Fahrzeuge zur Verfügung. Unternehmen ließen ihn hinter ihre Kulissen schauen. Partner entwickelten Produkte mit ihm. Andere Social-Media-Größen spielten ihm die Bälle zu. Millionen Menschen sahen zu. Aus einem Tuning-Video wurde Werbung, aus Werbung Reichweite und aus Reichweite ein immer größeres Geschäft.
Genau dieser Kreislauf ist nach dem Gewaltskandal schwer beschädigt.
Die ersten Partner haben bereits Konsequenzen gezogen: Gönrgy, die Energydrink Marke von MontanaBlack, beendete die Zusammenarbeit mit Kraemer, Borussia Dortmund nahm die gemeinsame JP Kollektion aus dem Sortiment, Porsche löschte einen Beitrag, Joyn die "PS Profis" aus dem Angebot.

JP Performance plant offenbar weiter groß.
Bild: @jpperformance / YouTube
Und die öffentlichen Distanzierungen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Gerade aus der Autobranche höre ich in diesen Tagen viele Stimmen, die eine Zusammenarbeit mit Kraemer für sich ausschließen. Zu groß ist die Sorge, mit seinem Namen einen Imageschaden für die eigene Marke zu riskieren.
Deshalb halte ich es für schwer vorstellbar, dass große Autohersteller und Zulieferer in absehbarer Zeit wieder Schlange stehen, um ihre neuesten Modelle und Produkte bei JP Performance präsentieren zu lassen. Welchen Vorteil sollte eine Marke daraus derzeit ziehen?
Warum die Reichweite allein nicht reicht
Damit fehlt JP Performance ein wesentlicher Teil dessen, was die Videos so erfolgreich gemacht hat. Weniger exklusive Autos, weniger Werksbesuche, weniger Einblicke hinter sonst verschlossene Türen. Auch für das PACE Museum dürfte es schwieriger werden, Unternehmen und private Sammler für besondere Leihgaben zu gewinnen. Gerade wechselnde, außergewöhnliche Fahrzeuge machten einen Teil seines Reizes aus.
Selbst die enorme Reichweite löst dieses Problem nicht automatisch. Kraemer hat weiterhin viele Fans. Einige halten auch jetzt noch zu ihm. Doch Reichweite allein ist für Werbepartner kein Wert. Entscheidend ist, welche Menschen eine Marke damit erreicht und in welchem Umfeld sie stattfindet.
Ein belastetes Umfeld für Unternehmen
Und auch dieses Umfeld ist problematisch geworden. Kraemers Noch-Ehefrau erhielt nach Bekanntwerden der Vorwürfe massive Drohungen über Social Media. Ihr Anwalt bestätigte, dass bereits Strafanzeigen gestellt wurden. Es soll sogar Vergewaltigungs- und Todesdrohungen gegeben haben.
Das lässt sich selbstverständlich nicht der gesamten JP-Community zuschreiben. Aber für Unternehmen stellt sich trotzdem die Frage, ob sie ihre Marke in diesem aufgeheizten Umfeld platzieren wollen.
Deshalb glaube ich nicht an eine Rückkehr des alten JP Performance im großen Stil.
Eine Zukunft ja, aber eine andere
Natürlich kann das Unternehmen in abgespeckter Form weitermachen. Burger verkaufen. Kleidung und eigene Produkte anbieten. Autos mit eigenem Geld umbauen und Videos für diejenigen produzieren, die JP Kraemer weiterhin sehen wollen. Vielleicht trägt sich daraus sogar ein ordentliches Geschäft.
Aber das wäre etwas völlig anderes als das bisherige System JP Performance.
Das Millionenprojekt in Schwerte stammt aus einer Zeit, in der die Marke JP immer größer wurde. Mehr Fläche, mehr Firmen, mehr Produkte, mehr Partner, mehr Reichweite. Jetzt entsteht dort möglicherweise ein riesiges neues Zuhause für all diese Geschäfte, während ausgerechnet der wichtigste Bestandteil dieses Systems fehlt: die für Partner attraktive Marke JP Kraemer.
Man kann Gebäude kaufen. Man kann Werkstätten eröffnen. Man kann Burger braten und T-Shirts verkaufen.
Vertrauen und Reputation lassen sich nicht einfach zurückgewinnen.
Deshalb sehe ich durchaus eine Zukunft für einzelne Betriebe. Eine Zukunft für eine "JP World", wie sie einmal gedacht war, sehe ich nicht.
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