Solarlack-Technologie von Mercedes
Der Vision Iconic zeigt, wie künftiges Energietanken aussehen kann
Die Studie Vision Iconic ist nicht nur optisch ein Highlight. Mit ihr bricht Mercedes auch in neue Gefilde der Solartechnologie auf!
Bild: Mercedes-Benz AG
Mit dem Vision Iconic hat Mercedes ein Konzept vorgestellt, das nicht nur beim Design eine neue Richtung einschlägt. Die schwarz glänzende Außenhaut des Showcars verbirgt eine Technologie, die das Laden von Elektroautos grundlegend verändern und einen entscheidenden Schritt nach vorne markieren könnte.
Erstmals dient fast die gesamte Karosserie als Stromerzeuger. Gegenüber "Automotive News Europe" erklärte Jochen Schmid, Senior Manager für zukünftige elektrische Antriebe bei Mercedes-Benz, wie die neuartige Technologie funktioniert.
Photovoltaische Schicht im Lack produziert Strom
Herzstück des Systems ist ein extrem dünner Solarlack. Zwischen Karosserie und Decklack sitzt eine nur fünf Mikrometer starke photovoltaische Schicht. Eine auf Nanopartikeln basierende Farbe lässt rund 94 Prozent der Sonnenstrahlen passieren, sodass die darunterliegende Schicht Strom erzeugen kann – selbst dann, wenn das Fahrzeug steht oder ausgeschaltet ist.

Die hauchdünne Photovoltaik-Beschichtung erzeugt Strom über die gesamte Karosserie.
Bild: Mercedes-Benz AG
Im Gegensatz zu klassischen Solarpanels kommt die Technologie laut Mercedes ohne Silizium und seltene Erden aus. Sie ist leicht, flexibel und kann sich komplexen dreidimensionalen Oberflächen – wie sie bei Fahrzeugen üblich sind – anpassen. Das sei laut Schmid ein großer Durchbruch, denn erst diese Dehnbarkeit mache den Einsatz auf der kompletten Außenhaut möglich. Die Beschichtung sei zudem recyclingfreundlich und wiege nur etwa 50 Gramm pro Quadratmeter.
Was bringt das im Alltag?
Die Technik soll sich auf nahezu jedem Karosserieteil anwenden lassen – von der Motorhaube bis zur Seitenwand. In Stuttgart könnte ein Fahrzeug mit etwa elf Quadratmeter Fläche laut Mercedes bis zu 12.000 Kilometer Zusatzreichweite pro Jahr gewinnen, in Los Angeles dank mehr Sonne im Idealfall sogar rund 20.000 Kilometer. Damit würde ein Auto der Zukunft einen Großteil seines Energiebedarfs selbst decken können, abhängig vom Standort und der täglichen Sonneneinstrahlung.

Im Idealfall wären mit dem Solarlack je nach Standort bis zu 20.000 zusätzliche Kilometer pro Jahr möglich.
Bild: Mercedes-Benz AG
Auch verschiedene Farbvarianten seien möglich, erklärte Schmid – allerdings sinke die Effizienz mit helleren Tönen. Schwarz bleibe daher die stärkste Option. Ein Wechsel von Schwarz zu Blau könne die Leistung bereits um fünf Prozent senken, so Schmid.
Ausblick in die Zukunft
Andere Hersteller wie Nissan oder Toyota experimentieren ebenfalls mit Solartechnik, doch der Ansatz von Mercedes geht deutlich weiter: Die Solarzellen sind unsichtbar integriert, schützen das Design und benötigen keinen Platz unter Glasdächern oder auf Zusatzmodulen. Noch ist die Technologie nicht serienreif. Mercedes arbeitet an schnellen, kostengünstigen Applikationsverfahren. Schließlich solle die Lösung Serienfahrzeuge nicht um 10.000 Euro teurer machen.
Fazit
Das grundsätzliche Prinzip hinter der Solarlack-Technologie ist klar: E-Autos sollen unabhängiger vom Stromnetz werden und nachhaltiger unterwegs sein. Das würde die E-Mobilität für viele zugänglicher und attraktiver machen. Mit dem Vision Iconic zeigt Mercedes genau das – Elektroautos, die nicht nur effizienter, sondern ein Stück weit energieautark sind. Rollt hier eine neue Ära der E-Mobilität auf uns zu?
Service-Links
