Soundsystem im Auto

Soundsystem im Auto

So kommt guter Sound ins Auto

Harmans Sound-Ingenieur Greg Sikora sorgt für den richtigen Klang in vielen Modellen von Audi, Bentley, BMW, Ford, Kia, Lamborghini, Volvo und Co. Im Interview erzählt er, worauf es ankommt!
Grzegorz Sikora leitet das Ingenieur-Team, das den guten Sound ins Auto bringt. Als Senior Manager, Head of Acoustic Systems Engineering Europe, Car Audio bei Harman hat er Zugriff auf Harman Kardon, JBL, Bowers & Wilkins und Bang & Olufsen. Ob Kia Stinger, Ford Focus oder Audi A8, Sikoras Team entwirft für zahlreiche Modelle der Autohersteller das jeweils passende Soundsystem. Im Interview mit AUTO BILD erzählt er, worauf es beim guten Ton ankommt.
AB: Was sind die geringsten Anforderungen für guten Klang im Fahrzeug?
GS: Man benötigt mindestens drei bis vier Lautsprechermodelle, um den gesamten Frequenzbereich mit einem guten Schalldruckpegel im Fahrzeuginnenraum abzudecken. Für höchste akustische Effizienz benötigt man einen Subwoofer, der am besten im Kofferraum platziert ist. Zudem braucht man zwei Woofer in den Türen, im Fußbereich oder einer Stelle, die eine sehr stabile Montage des Lautsprechers ermöglicht. Einige OEMs kombinieren Subwoofer und Woofer in einem Lautsprechermodell – bei sorgfältiger mechanischer Integration sind sehr gute Klangergebnisse möglich. Für Klangtransparenz und gute Inszenierung sollten weit oben in den Türen Midrange-Lautsprecher stecken. Und in der A-Säule oder dem IP Panel benötigt man Tweeter
Zusätzlich benötigt man einen gut konzipierten Verstärker, der in der Lage ist, alle Lautsprecher und die digitale Signalverarbeitungseinheit mit ausreichender Leistung zu versorgen, um das System auf eine bestimmte Fahrzeugkabine abzustimmen. Mit dieser Lautsprecherkombination ist es möglich, einen sehr guten Klang zu erzielen – allerdings nur für eine Person im Auto. Zusätzliche Lautsprecher werden benötigt, um ein gutes Klangerlebnis für Beifahrer und andere Passagiere sowie aufwändige 3D-Klangerlebnisse und andere Soundfunktionen zu schaffen. Der aktuelle Audi A8 zum Beispiel hat 23 Lautsprecher - und jeder dieser Lautsprecher spielt eine besondere Rolle.
AB: Welchen Fehler machen Autobesitzer immer wieder im Umgang mit ihrer Soundanlage?
 
GS: Sie gehen in die Klangeinstellungen des Fahrzeugs und ändern sie radikal. Drehen beispielsweise den Bass auf Maximal oder bearbeiten den grafischen Equalizer. Damit macht man alles kaputt. Wir verbringen viele Monate, um die idealen Klang-Einstellungen für die Autos zu finden. Dennoch sollte man die Einstellungen nicht komplett abschaffen. Es ist halt wichtig, behutsam damit umzugehen. Beispielsweise habe ich bei meiner Bang & Olufsen-Anlage den Bass manuell leicht erhöht, weil es mir persönlich besser gefällt. Jeder soll die Möglichkeit haben, den Klang auf seine Bedürfnisse anzupassen, man sollte aber keine extremen Einstellungen wählen. Im Bentley Continental GT gibt es eine clevere Einstellung, den Klang wärmer, relaxter oder energetischer zu machen, ohne das ganze Klangbild zu zerstören.
 
AB: Welchen Trend wird es künftig bei Soundsystemen geben?
 
GS: Um die akustischen Herausforderungen von Elektro- und Hybridautos anzugehen, hat Harman beispielsweise HALOsonic entwickelt. Die Technologien dahinter tragen dazu bei, die gestiegenen Kundenerwartungen hinsichtlich der Qualität von Fahrzeuginnenräumen zu erfüllen. Dies gilt im Besonderen für die Verringerung von Geräuschen in der Fahrzeugkabine. Mit Summit Next hat Harman zudem skalierbare Audio-Lösungen entwickelt: Durch ihren modularen Charakter kann die Summit-Plattform in der Basis zwölf Ausgangskanäle unterstützen, wobei die Anzahl der Kanäle nach oben theoretisch unbegrenzt ist. Somit bietet sie OEMs die Möglichkeit, auch besonders anspruchsvolle Audiotechnologien ins Fahrzeug zu integrieren, die eine Vielzahl von Lautsprechern erfordern. 
Auch in den Bereichen Vernetzung, Carsharing und autonome Fahrzeuge bietet Harman mehr Personalisierung. "Configurable Entertainment" und "Moodscape" sind auf die Innenraum-Anforderungen künftiger Automobile ausgelegt: Beide Produkte basieren auf der AudioworX-Plattform und ermöglichen den Fahrzeuginsassen personalisierte Einstellungen in den Bereichen Entertainment, Komfort und Bequemlichkeit – jeweils auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten. Natürlich folgen wir auch den Trends in der Automobilindustrie, die derzeit große Anstrengungen zur Gewichtsreduzierung unternimmt. Selbst bei Beschallungsanlagen sind kaum noch 20-Liter-Lautsprechergehäuse im Kofferraum vorhanden. Heute sind wir zum Beispiel im Kia Ceed in einer 4-Liter-Box. Wir stellen auch Lautsprecher her, die an der Außenseite der Kabine angebracht sind (ECS - Externally Coupled Subwoofer), um die benötigte Nutzfläche im Auto deutlich zu reduzieren. In Zukunft soll das Rasseln in den Türen noch weiter unterdrückt werden, dafür sorgt die von Harman patentierte Technologie. Auch mit 3D-Sound und Simulationen von akustischen Räumen (z.B. Virtual Venues) wird viel passieren.
 
AB: Wie viel muss man für eine gute Anlage investieren?
 
GS: Das geht bei Soundsystemen mit ca. 400 bis 500 Euro los und endet aktuell bei einem Bang & Olufsen Advanced Sound System mit 3D-Klang im Audi A8 für ca. 6.500 Euro. Nach oben geht es neben dem Klang auch um das Design. Harman liefert nicht nur Sound, sondern das komplette Erlebnis, das Design und Signalverarbeitung beinhaltet.
 
AB: Ist es möglich, eine gute Anlage selbst im Auto nachzurüsten.
 
GS: Ja. Wenn man ein Experte ist und Zugang zur Ausrüstung hat und sich traut, ein Auto auseinanderzubauen. Ich habe einige wirklich beeindruckende, selbstgebaute Soundsysteme gehört. Aber der "Aftermarket" muss sich nicht an die Regeln der OEMs halten, zum Beispiel ist es im Aftermarket üblich, Sitze und Airbags zu entfernen oder das Gewicht deutlich zu erhöhen. Darüber hinaus bieten selbst gebaute Systeme selten Funktionen wie zum Beispiel Vehicle Noise Compensation, da diese eine Kommunikation mit den internen Datenbussen des Fahrzeugs erfordern.
 
AB: Heute gibt es zahlreiche gute Bluetoothlautsprecher. Kann ich mir nicht einfach so einen ins Auto stellen?
 
GS: Normalerweise bieten sie nur Mono-Sound, spielen nicht laut genug, um externe Geräusche (Wind, Motor und Reifen) zu kompensieren und sind nicht auf eine bestimmte Kabine abgestimmt. Wir haben mit Voyager NEXT hierfür aber bereits eine Lösung entwickelt, bei der ein tragbarer Lautsprecher in einem Kofferraum des Autos als Subwoofer dient. Aber das erfordert auch bestimmte Systemberücksichtigungen und spezielle Software. Diese Lösung wurde bereits auf der CES 2017 vorgestellt, ist aber noch in keinem Serienfahrzeug verfügbar.
 
AB: Bei Welchem Fahrzeugtyp kommt man als Sound-Experte an seine Grenze?
 
GS: Bei einem Cabrio. Der Verstärker kann bei offenem Dach zwar die Einstellungen anpassen, die Anlage müsste dann aber so laut sein, um bei den Geschwindigkeiten auf der Autobahn die Außengeräusche ­zu kompensieren, dass es schon den Ohren schadet. 

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