Der Glaspalast ist voller Könige. Porsche 911 GT 3. Lamborghini Huracán EVO Spyder. Wiesmann MF4-T.  Und vorn am Schaufenster zwei Bentley. Alle deutlich sechsstellig. An einer Hamburger Ausfallstraße, neben den Niederlassungen von Mercedes und BMW, diesen Goliaths, hat David sein Reich.
Benjamin David, 34 Jahre jung – und seit ein paar Jahren einer der größten freien Sportwagenhändler Norddeutschlands. Rund 80 Autos stehen in der Halle. Warenwert: manchmal 20 Millionen Euro!
"Allerdings sind nicht alle zu verkaufen", sagt Benjamin David. Er biete auch "Car Storage" an. Das heißt: Der Kunde kauft das Auto, nimmt es aber gar nicht mit – vielleicht weil zu Hause gerade kein Platz mehr in der Garage ist.
Benjamin David machte sich 2017 selbstständig – mit zwei Autos in einem kleinen Verkaufsraum.

Oder weil der Wagen hier warm, trocken und sicher steht und ohnehin als Wertanlage und nicht als Fahrzeug gesehen wird. Ein Kunde stelle etwa gerade sechs Fahrzeuge bei ihm unter. Darunter ein Mercedes-Maybach.

Bodenständiger Beginn

Mit dem Autohaus für Geldanleger hat sich David einen Traum erfüllt – dem vom Autoverkäufer fürs Exotische. Dabei fing doch alles so bodenständig an: Nach dem Abi lernt Benjamin David beim Opel-Händler in seiner Heimat Lüneburg (Niedersachsen). "Zur Arbeit fuhr ich mit meinem klapprigen Damenfahrrad."
Irgendwann sitzt er im Gebrauchtwagen-Container, verscherbelt alte Astra und Corsa. Sein erster Sportwagen: "Ein gelber Opel Manta mit schwarzer Motorhaube und Fuchsschwanz." Er wechselt zu VW, verkauft Kleinwagen an Pflegedienste. Dann der vermeintliche Ritterschlag: Ein Headhunter lockt ihn ins Porsche Zentrum. Die große, schnelle Welt.
Porsche GT2 RS (700 PS, aktueller Wert ca. 500.000 Euro) mit Autogramm von Walter Röhrl auf dem Tankdeckel.

Flache Autos, aber keine flachen Hierarchien, das gefällt Benjamin David nicht. "Wenn mir ein Kunde zu Weihnachten eine Flasche Gin schenkte, mussten das zwei Kollegen abzeichnen und alles in eine Excel-Tabelle eingetragen werden." Er sei einfach kein Konzerntyp. Also wagt David 2017 den großen Schritt in die Selbstständigkeit.

"Viele bunte Autos" bringen den Erfolg

"Ich habe mit zwei Autos und 250 Quadratmeter Verkaufsfläche begonnen." Die ersten neun Monate lebt er vom Ersparten, Geld kommt kaum rein. Dann spezialisiert er sich auf seltene Modelle und Sonderfarben. "Viele bunte Autos" bringen den Erfolg, seit 2021 ist er Mieter in einem repräsentativen Bau, einem ehemaligen Audi-Autohaus.
Ein Kfz-Meister hat in den VW T1 (Bj. 1966) einen Porsche-Motor eingebaut: 3,2 Liter, gedrosselt auf 173 PS. Preis: 110.000 Euro.

Die Preise beginnen bei etwa 30.000 Euro. Dafür bekommt man einen top gepflegten BMW 750i von 1988. Ein ehemaliges Chef-Auto zum Angestellten-Tarif. Mit C-Netz-Telefon ("komplett und theoretisch funktionsfähig"), Alpina-Rädern und Alpina-Fußmatten. Und wo ist nach oben die Grenze? (MEHR LESEN: 26-jährige Autohändlerin leitet eigenes Luxus-Autohaus )

DB5 für 1,1 Millionen Euro

"Letztes Jahr haben wir einen Aston Martin DB5 verkauft, als gerade der neue Bond-Film herauskam." Der Kunde wollte noch ein paar Extras. Kein Maschinengewehr, aber zumindest eine Klimaanlage. Rund 1,1 Millionen Euro hat das Auto gebracht.
21 Kolleginnen und Kollegen arbeiten heute bei David Finest Sportscars. Darunter drei ehemalige Meister aus dem Porsche Zentrum. Womit wir für Otto Normal-Ottomotorfans beim nächsten Problem nach dem Kaufpreis wären: Die Werkstattstunde kostet 190 Euro. "Nur", wie David betont. Woanders zahle man 270. Nun denn…
Diese Autos gehören Sammlern: ein Mercedes-Maybach S 680 (Biturbo-V12 mit 612 PS) und ein geheimer Porsche...

80 Prozent seines Geschäfts macht David mit der Marke aus Zuffenhausen. Der Rest: alles von einer Citroën DS bis zum VW Bulli T1 mit Porsche-Motor. Gerade gehen Mercedes ganz gut. Allein im ersten Halbjahr 2022 hat er acht SLS AMG Coupé an den Mann gebracht! Acht!
Das meiste ist Kommissionsware, wird also im Auftrag der Besitzer feilgeboten. So umgeht David die Gewährleistungspflicht – ein zu großes Risiko vor allem bei älteren Fahrzeugen. Einiges kauft er aber auch direkt ein, wenn sich eine gute Gelegenheit ergibt.

Car Storage schafft Abhilfe bei voller Garage

Einmal habe er bei einem Münchener Händler einen 911er gesehen – und sofort zugeschlagen. "Der war falsch inseriert, die wussten nicht, dass Schiefergrau eine Sonderfarbe war." Das Geld war schnell verdient, den Wagen kaufte jemand aus… München.
Die Kundschaft: "Menschen, die in ihren Bereichen sehr erfolgreich sind, überwiegend Selbstständige." Gastronomen, Mittelständler, Herzspezialisten. "Wer bei uns ein Auto kauft, hat nicht nur dieses eine Auto, sondern gleich einen ganzen Stall." Und wenn wieder etwas verkauft werde, dann gar nicht, weil das Geld knapp werde – sondern weil die Garage eben voll sei. Aber dafür gibt es ja Davids Car Storage.
David vermietet auch. Der Lkw transportiert die Fahrzeuge. Etwa 992 GT 3 für 369 Euro am Tag – 200 Kilometer inkl.

Die Geschäfte liefen gut, sagt Benjamin David. Er glaubt, dass das mit dem bevorstehenden Verbrenner-Aus zu tun habe. Wer noch mal einen Sechs-, Acht- oder Zwölfzylinder fahren wolle, müsse eben jetzt zugreifen.
Hinten in der Werkstatt stehen einige Patienten, die Hege und Pflege benötigen. Ein grüner 911er, den jemand in Osteuropa restaurieren ließ, was nicht so richtig geklappt hat. Und, noch schlimmer, ein weiterer Porsche, den ein Sammler in einem seriösen Autohaus als unfallfrei gekauft hat – der sich aber, nachdem Davids Kollegen ihn von unten eisgestrahlt hatten, als Bastelbude entpuppt hat. Überall irgendwelche Reparaturbleche, teils schlecht geschweißt.
Benjamin David ist sichtlich stolz und wohl auch ein wenig erleichtert, dass der Schritt zum eigenen Autohaus so gut geklappt hat.  Vom Tellerwäscher zum Traumerfüller für Millionäre. Neulich hat er sogar einen Mercedes-AMG SL nach Dubai verkauft, per Flieger. 13.000 Euro hat der Transport gekostet. Peanuts, quasi.