E-Auto: Bestimmt der Stammtisch die Meinung?
Was sagen Leser zur Stammtischmeinung übers E-Auto?

Wenige neue E-Autos kommen auf die Straße, erste Wahl der Autokäufer sind wieder Verbrenner. Warum? Positive Fakten zum Elektroauto dringen nicht durch. Das sagen AUTO BILD-Leser zum Stammtischwissen übers E-Auto.
Bild: AUTO BILD Montage Hintergrund / Tom Salt / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
Kleiner Appell an den Kopf: Bitte den Bauch ausschalten! Anlass sind irritierende Nachrichten: Die Zustimmung der Deutschen zum E-Auto ist auf einem Tiefpunkt, wie auch die Zulassungszahlen neuer Elektroautos. Nicht mal jeder Fünfte zieht ein vollelektrisches Mobil in Erwägung. Warum? Weder aktuelle Fakten noch die Kaufberatung von Autoportalen oder -Clubs sind ausschlaggebend für die Kaufzurückhaltung, sondern tiefsitzende Vorbehalte gegen E-Autos!
Denn das E-Auto-Wissen vieler basiert auf sechs Jahre alten Fakten, attestiert die Acatech-Studie zur E-Mobilität. Und ein Verkehrsforscher warnt sogar vor falscher Verbrennerliebe bei vielen Autokäufern. Kurz: Es hat den Anschein, als würde aktuell der Stammtisch die Meinung zum Elektroauto bestimmen.
Ulrich Issberner "Hohe Kosten fürs öffentliche Laden, teure Inspektion"
Ein Hemmnis im Umgang mit seinem Kia EV6 ist für den AUTO BILD-Leser Ulrich Issberner aus dem Raum Düsseldorf der fehlende Zugang zu privatem Ladestrom. Durchs öffentliche Laden liegen seine Kosten auf 100 km bei 11 Euro. Er verweist auf die aus seiner Sicht recht hohen Inspektionskosten, bei denen es sich lohnt, mehrere Angebote einzuholen. Ein Kia-Vertragshändler verlangte dafür 800 Euro, der EV6 von Herrn Issberner wurde dann bei einer anderen Werkstatt für 345 Euro inspiziert. "Aus meiner Sicht immer noch zu viel, aber ich war froh, nicht die 800 Euro bezahlt haben zu müssen", schrieb er in einer Mail an AUTO BILD. Gregor Poniewasz: "Petrolheads können ungestört gegen E-Mobilität wettern"
"Ich kann die Beobachtung von Matthias Brügge zur verbreiteten Meinung des Stammtisches und auch seines Nachbarn voll bestätigen", schreibt AUTO BILD-Leser Gregor Poniewasz aus Hamburg. "Es kommt aber auch noch was anderes dazu: Petrolheads haben derzeit keinen Grund zu wechseln, sie können dagegen frei gegen E-Mobilität wettern, da sie die Konsequenzen des fossilen Fahrens nur zu kleinem Teil sehen und tragen." Jens Ronneberger: "Manchmal ist das E-Auto schlechter als sein Ruf"
"Ich fahre seit einem Jahr einen vollelektrischen Opel Mokka und muß leider sagen, dass das E-Auto in bestimmten Fällen noch schlechter als sein Ruf", schreibt AUTO BILD-Leser Jens Ronneberger. "Im Winter bei um die null Grad und auf der Autobahn ist zumindest der Opel Mokka nicht alltagstauglich. Beispiel: Ich bin auf der Autobahn mit einer angezeigten Reichweite von 280 km losgefahren. Bei einer Geschwindigkeit von maximal 140 km/h bin ich real nur 150 km real weit gekommen, dann musste ich laden. Wer so 500 km fahren will, muss mindestens zweimal laden. Die Fahrzeit verlängert sich dadurch in Summe um ca. 1,5 Stunden, was für mich nicht akzeptabel ist. Für meine tägliche Pendelstrecke zur Arbeit ist das E-Auto o.k., aber für die Langstrecke und im Winter ist es nur bedingt geeignet. Das ist keine Stammtischparole, sondern meine reale Erfahrung." Lesermeinung zur nicht nachhaltigen Produktion von E-Autos
Einige Lser reagierten kritisch auf den Kommentar. Einer ist der Ansicht, dass die Produktion von E-Auto-Akkus nicht ausreichend berücksichtig werde. So schreibt er: "Die Akkus werden meist in China mit Strom aus Braunkohlewerken hergestellt, in Argentinien versalzen ganze Landstriche und bringen Menschen, die ohnehin nicht viel besitzen, um ihre Existenz, da dort Rohstoffe für die Akkus abgebaut werden. Ferner schürfen Menschen, oftmals Kinder, in Afrika ungeschützt in Bergwerken nach seltenen Erden und giftigen Elementen, die ebenfalls für den Akkubau benötigt werden. Dies wird NIE mit in die Umweltbilanz eingerechnet". Er argumentiert zudem, das E-Auto sei "von oben aufgedrückt". Lesermeinung: Eher teures öffentliches Laden als Mieter einer Etagenwohnung
Gleich mehrere Leser wenden ein, dass das günstige Privatladen nur für Eigenheimbesitzer in Frage kommt, wer öffentlich laden muss, lädt meist etwas teurer – in ihrer Wahrnehmung zu teuer. Lesermeinung: Stromnetz zu schwach für mehrere Wallboxen in einer Straße
Der Einwand eines anderen Lesers dreht sich um ein zu schwaches Stromnetz in seinem Ort: "Ein Nachbar hat sich vor etwa zwei Jahren einen Hybrid gekauft und sich eine Wallbox einbauen lassen. Die Monteure haben ihm gesagt, dass in unserer Straße maximal drei Wallboxen installiert werden können. Allerdings können diese drei Wallboxen niemals gleichzeitig betrieben werden. Dafür reichen die Stromleitungen schlicht nicht aus."
Ulrich Issberner "Hohe Kosten fürs öffentliche Laden, teure Inspektion"
Ein Hemmnis im Umgang mit seinem Kia EV6 ist für den AUTO BILD-Leser Ulrich Issberner aus dem Raum Düsseldorf der fehlende Zugang zu privatem Ladestrom. Durchs öffentliche Laden liegen seine Kosten auf 100 km bei 11 Euro. Er verweist auf die aus seiner Sicht recht hohen Inspektionskosten, bei denen es sich lohnt, mehrere Angebote einzuholen. Ein Kia-Vertragshändler verlangte dafür 800 Euro, der EV6 von Herrn Issberner wurde dann bei einer anderen Werkstatt für 345 Euro inspiziert. "Aus meiner Sicht immer noch zu viel, aber ich war froh, nicht die 800 Euro bezahlt haben zu müssen", schrieb er in einer Mail an AUTO BILD.
Gregor Poniewasz: "Petrolheads können ungestört gegen E-Mobilität wettern"
"Ich kann die Beobachtung von Matthias Brügge zur verbreiteten Meinung des Stammtisches und auch seines Nachbarn voll bestätigen", schreibt AUTO BILD-Leser Gregor Poniewasz aus Hamburg. "Es kommt aber auch noch was anderes dazu: Petrolheads haben derzeit keinen Grund zu wechseln, sie können dagegen frei gegen E-Mobilität wettern, da sie die Konsequenzen des fossilen Fahrens nur zu kleinem Teil sehen und tragen."
Jens Ronneberger: "Manchmal ist das E-Auto schlechter als sein Ruf"
"Ich fahre seit einem Jahr einen vollelektrischen Opel Mokka und muß leider sagen, dass das E-Auto in bestimmten Fällen noch schlechter als sein Ruf", schreibt AUTO BILD-Leser Jens Ronneberger. "Im Winter bei um die null Grad und auf der Autobahn ist zumindest der Opel Mokka nicht alltagstauglich. Beispiel: Ich bin auf der Autobahn mit einer angezeigten Reichweite von 280 km losgefahren. Bei einer Geschwindigkeit von maximal 140 km/h bin ich real nur 150 km real weit gekommen, dann musste ich laden. Wer so 500 km fahren will, muss mindestens zweimal laden. Die Fahrzeit verlängert sich dadurch in Summe um ca. 1,5 Stunden, was für mich nicht akzeptabel ist. Für meine tägliche Pendelstrecke zur Arbeit ist das E-Auto o.k., aber für die Langstrecke und im Winter ist es nur bedingt geeignet. Das ist keine Stammtischparole, sondern meine reale Erfahrung."
Lesermeinung zur nicht nachhaltigen Produktion von E-Autos
Einige Lser reagierten kritisch auf den Kommentar. Einer ist der Ansicht, dass die Produktion von E-Auto-Akkus nicht ausreichend berücksichtig werde. So schreibt er: "Die Akkus werden meist in China mit Strom aus Braunkohlewerken hergestellt, in Argentinien versalzen ganze Landstriche und bringen Menschen, die ohnehin nicht viel besitzen, um ihre Existenz, da dort Rohstoffe für die Akkus abgebaut werden. Ferner schürfen Menschen, oftmals Kinder, in Afrika ungeschützt in Bergwerken nach seltenen Erden und giftigen Elementen, die ebenfalls für den Akkubau benötigt werden. Dies wird NIE mit in die Umweltbilanz eingerechnet". Er argumentiert zudem, das E-Auto sei "von oben aufgedrückt".
Lesermeinung: Eher teures öffentliches Laden als Mieter einer Etagenwohnung
Gleich mehrere Leser wenden ein, dass das günstige Privatladen nur für Eigenheimbesitzer in Frage kommt, wer öffentlich laden muss, lädt meist etwas teurer – in ihrer Wahrnehmung zu teuer.
Lesermeinung: Stromnetz zu schwach für mehrere Wallboxen in einer Straße
Der Einwand eines anderen Lesers dreht sich um ein zu schwaches Stromnetz in seinem Ort: "Ein Nachbar hat sich vor etwa zwei Jahren einen Hybrid gekauft und sich eine Wallbox einbauen lassen. Die Monteure haben ihm gesagt, dass in unserer Straße maximal drei Wallboxen installiert werden können. Allerdings können diese drei Wallboxen niemals gleichzeitig betrieben werden. Dafür reichen die Stromleitungen schlicht nicht aus."
Wie bitte? In dem Land, in dem Kinder noch vor wenigen Jahren mit Autoquartetts aufwuchsen, dem Land der Techniker und Ingenieure, dem Land der großartigen Automarken? Geschockt frage ich meinen Nachbarn, den mit dem dicksten BMW in der Straße. Seine Antwort fällt kurz und knapp aus: Elektro und Wasserstoff sind doch nichts. Ist das Fakt? Nein, das ist seine Meinung, mit der er offenbar nicht allein dasteht. Ähnlich fallen Zuschriften von Lesern aus, die mich erreichen. Verstehen Sie mich nicht falsch, es ist immer ehrenwert, wenn wir die Rückmeldung von Lesern bekommen. Aber der Vorwurf, AUTO BILD würde an Fakten vorbei berichten, der kann nicht unwidersprochen bleiben.
Auch ich bin mir sicher: Bevor Deutschland elektrisch fährt, ist es noch ein weiter Weg. Dazu trägt bei, dass die E-Auto-Skepsis gelegentlich unterstützt wird von medialen Meinungsführern. Ich schaue also in den "Spiegel". Das Magazin titelte Ende März: "Der Elektro-Schock – Deutschland verzweifelt am E-Auto".
"Der Elektro-Schock: Deutschland verzweifelt am E-Auto" titelte der "Spiegel" Ende März 2024.
Bild: AUTO BILD / Matthias Brügge
Der Text ist zunächst reißerisch aufgemacht, die Zeile "KURZSCHLUSS" signalisiert Gefahr. Immerhin ordnet der Artikel das Thema sicher ein, schiebt die Verantwortung für die aktuelle Entwicklung eher auf Industrie und Bundesregierung als auf die Autofahrer, zeigt gleichzeitig die Chancen der E-Mobilität auf. Doch es bleibt ein schaler Nachgeschmack. Wenn das E-Auto in der Krise steckt, warum soll ich jetzt eines kaufen?

Wie teuer ist die Energie auf 100 km? Der Energiekostenvergleich der Bundesregierung zeigt es. Ein Schönheitsfehler: Wer nur öffentlich laden kann, bezahlt mehr, als hier errechnet wird.
Bild: Bundeswirtschaftsministerium / BMWK
Hier meine, wie ich finde, gut begründete Position: Die Autos werden von Jahr zu Jahr besser, kommen immer weiter, lassen sich immer schneller laden. Auch mit älteren E-Autos kommt man noch klar, selbst der bis 2021 gebaute E-Golf ist beim genauen Blick noch kaufenswert.
Mein Vorschlag: Liebe Leute, hört auf die AUTO BILD-Testredakteure, die testen E-Autos auf ihre Alltagsreichweite und Qualität. Checkt bitte die aktuellen Strompreise und den Energiekostenvergleich (mit Strom fährt man günstiger als mit Benzin oder Diesel). Mein Tipp: Fahrt ein E-Auto zur Probe. Wer das tut, wird schnell merken: Die aktuellen E-Autos sind weit besser als ihr Ruf. Und weit besser, als der Stammtisch denkt.
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