Supertest: BMW M4 CS
M4 CS: vielleicht der Beste der Baureihe?

Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Der bekam eine ordentlich Watschn – wir reden vom M3 CS, der vor ein paar Monaten zum Test antrat. Ursprünglich war er sogar als Supertest eingeplant, doch nach den Testfahrten: Planänderung. Nur vier Seiten, mehr hatte dieser Viertürer einfach nicht verdient. Klingt hart, aber so ist das Geschäft. Und wir haben dem Auto ein zwölfseitiges Gemetzel erspart. Was war passiert?
Viele werden es gelesen haben, am Ende kamen wir zum Schluss, dass wir empfehlen, den normalen M3 Competition xDrive zu kaufen. 50.000 Euro günstiger und nur unwesentlich langsamer. Und nun? Der M4 CS, zwölf Seiten Supertest. Ehrlich? Ja! Warum? Der hat doch auch nur das CSL-Resteessen mitgemacht und noch den Allrad spendiert bekommen. Und kostet mit allen fahrdynamischen Extras mehr als einer der 1000 CSL. Das kann doch nur schiefgehen, oder?

Carbon-Mitteltunnel, Lenkrad, Vollschalen, alles eins zu eins M4 CSL? Nein, neu sind das große Curved-Display, abgeflachtes Lenkrad und neue, schlankere Lüftungsdüsen.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Nicht, wenn man das Auto vorher schon mal richtig rannehmen durfte. Soll nicht heißen, dass wir das bei ersten Probefahrten nie machen, nein. Aber bei der Präsentation vor einigen Wochen am Salzburgring durfte man es wirklich richtig krachen lassen. Die Strecke ist zwar kein ebenbürtiges Beispiel zu unserem Sachsenring, doch wenn du mit dem M4 CS an einem vor dir fahrenden M4 CSL, beide auf frischen Cup-2-R-Reifen, dranbleibst und Reserven spürst, dann ist das ein gutes Zeichen. Und so war auch mein Fazit: "CS-Logo verdient!" Und als dann noch Jörg Weidingers Nordschleifen-Rundenzeit offiziell wurde, war klar, der M4 CS scheint etwas Gutes zu sein. Nur 3,9 Sekunden langsamer als der deutlich leichtere CSL mit gleichem Cup-2-Reifen, auf 20,8 Kilometern wohlgemerkt.
Kaum zu glauben, denn der M4 CS ist quasi der Technik-Zwilling zum M3 CS. Okay, der M4 CS darf erstmals auch Michelins Cup 2 R tragen, was schon mal einiges an Zehnteln bringen dürfte. Doch das kann nicht alles sein. Wir versuchen es herauszufinden, vorher noch eine kurze Technik-Inspektion zum M4 CS. Noch etwas: CS heißt hier nicht Clubsport, sondern Competition Sport.
Kleiner Zusatz, große Wirkung
Im Vergleich zum regulären M4 Competition mit M xDrive bietet der BMW M4 CS nicht nur 20 zusätzliche Pferdestärken, sondern auch eine schärfere Fahrwerksabstimmung und ein mit viel Carbon um 20 Kilogramm reduziertes Gewicht. Neben Dach und Motorhaube bestehen auch viele kleinere Bauteile wie Frontsplitter, Heckdiffusor, Heckspoiler und Außenspiegel-Kappen aus dem kohlefaserverstärkten Kunststoff. Genauso wurden die aus dem M4 CSL bekannte Carbon-Mittelkonsole, die Schalensitze und Interieurleisten, die Schmiederäder sowie eine im Vergleich zur Serie vier Kilogramm leichtere Titan-Abgasanlage übernommen. Weiteres Gewicht lässt sich optional einsparen, wenn man wie beim Testwagen die Carbon-Keramik-Bremsanlage verbaut. Unsere Waage attestierte dennoch nur 17 Kilogramm Unterschied zum normalen Allrad-M4. Bei 1,7 Tonnen sollte das aber keine große Rolle spielen, der M4 CS ist immer noch 128 Kilogramm schwerer als der von uns 2022 gemessene CSL. Weiter zur Technik.

Die serienmäßigen Carbon-Vollschalen sind dem CSL ähnlich, dennoch waren dessen Sitze im Detail noch mal anders konstruiert und leichter. Egal, Seitenhalt und Tiefe sind einfach nur perfekt.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Die 550 PS des Biturbo-Reihensechszylinders S58 stammen vom CSL und vom M3 CS. Neben ein bisschen mehr Ladedruck wurde das Triebwerk mit vielen weiteren Maßnahmen leistungsgesteigert und bissfester gemacht. Zum Beispiel wurde das Kurbelgehäuse in buchsenloser Closed-Deck-Bauweise konstruiert, weist eine extreme Steifigkeit auf und ist damit auf einen besonders hohen Verbrennungsdruck ausgelegt. Gewichtsoptimierte Zylinderlaufbahnen mit einer im Lichtbogendrahtspritz-Verfahren (LDS) aufgebrachten Eisenbeschichtung reduzieren die Reibleistungsverluste. Dazu kommen eine hohe Torsionsfestigkeit mit geschmiedeter Leichtbau-Kurbelwelle, Motorlagerung mit erhöhter Federrate und, und, und … Das Kühlsystem ist genauso wie die Ölversorgung auf die höheren Drehzahlen und die auf Rennstrecken extremeren Querbeschleunigungen angepasst. Ist quasi alles bekannt, da gibt es nichts Spezifisches für diesen BMW M4 CS.
Der Hauptunterschied zum M3 CS scheint meines Erachtens an der Karosserie und am Fahrwerk zu liegen. Der M4 hat von Haus aus eine deutlich steifere Karosserie zu bieten. Dazu gibt es im Vergleich zum normalen M4 eine grundlegend geänderte Achskinematik, neue Federn, Dämpfer und Stabis, mehr Negativsturz vorn sowie eine optionale und sehr große Strebe im Motorraum, die ordentlich versteift. Kugel- statt Gummilager an den Querlenkern wie beim CSL, so weit ging es dann aber nicht. Ob es dennoch reicht, auf der Rennstrecke zu brillieren, sehen wir gleich auf dem Sachsenring.
Souverän durch den Alltag
Auf dem Weg dahin wird man nie durchgeschüttelt. Das Fahrwerk dämpft aufmerksam, die Fuhre läuft auch mit Mischbereifung und Cup 2 R blitzsauber geradeaus. Klar, die Carbon-Schalensitze sind eher stramm statt sofaweich ausgelegt. Aber auch mit den optisch eindrucksvollen Stühlen tut einem nie der Rücken weh, selbst nach einer Drei- Stunden-Tour. Der Sechszylinder begeistert im Alltag rundum. Vor allem in den beiden schärferen Antriebsmodi, wenn der Biturbo geradezu schnippisch über den rechten Fuß herfällt, gallig anreißt, rassig hochdreht und so meisterhaft verschleiert, dass wie bei CSL und M3 CS unter 2000 Touren doch eigentlich nur ein ziemlich laues Lüftchen bläst.
Der Reihensechser drückt zur Mitte also deutlich impulsiver, muss sich in den Spitzen dafür aber mehr zurücknehmen, um leistungstechnisch nicht durch die Decke zu schießen. Bis 7000 Touren könnte man ihn drehen, bis maximal 6500 ergibt es einen Sinn. Die achtstufige Wandlerautomatik brilliert wie eh und je, reagiert fix, zappt treffsicher und rappt die Gänge stets im Rhythmus des Straßenverlaufs entlang. Das adaptive Fahrwerk passt perfekt in allen Lebenslagen, souverän bei Tempo 280 auf der Autobahn, kurvenfressend auf zehn Kilometer Serpentinen oder auch im dichten Stadtverkehr und auf hoppeligen Straßen. Nur die Lenkung erscheint wie bei M3 xDrive und M3 CS etwas "verklemmter", nicht so freizügig wie bei den Hecktrieblern.

Schade, dass man bei dem Fahrzeugpreis nochmal 1100 Euro für das Strebenpaket (Aluguss, innen hohl) zahlt.
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Spielt in der nächsten Disziplin nicht die große Rolle. Dass Allrad und 550 PS gut für die Längsdynamik sind, das zeigte bereits der M3 CS auf beeindruckende Weise. Obwohl der M4 CS nur vier Kilogramm leichter ist, setzt er seine Traktion noch einen Tick perfekter in Szene. Vielleicht lag es am Extra-Grip der Cup-2-R-Pellen, mit einer 3,1 auf 100 km/h ist er der schnellste jemals von uns gemessene M4. Doch ab 200 übernimmt der CSL und fährt dem M4 CS bis 280 km/h drei Sekunden davon. Grund dafür dürfte neben dem Gewicht auch die mitzubewegende Allradmechanik sein.
In der Negativbeschleunigung keine neuen Bestwerte, dafür ist der M4 CS mit 29,9 und 119,1 Metern aus 100 und 200 km/h nah dran an BMWs bisherigem Bremsenkönig M4 CSL. Insofern die Michelins auf 50 Grad aufgewärmt sind. Davor rattert man oft in das hochfrequent getaktete, feinfühlige ABS.
Rasante Suche nach Antworten
Kommen wir zur Frage aller Fragen: Wie nahe kommt der CS dem CSL? Überholen keine Chance, nicht mit 128 Kilogramm mehr auf den Rippen. Zudem war das Fahrwerkssetup beim CSL noch konsequenter auf Track abgerichtet. Um direkt miteinander zu vergleichen, bekommt der CS wie der CSL auf 80 Grad vorgeheizte neue Michelin Cup 2 R spendiert. In der Mittelkonsole alles verschärfen. M-Mode auf Track, im Setup Leistung und Fahrwerk auf Sport Plus, Bremse: Sport, Lenkung: Comfort, Allrad auf 4WD, DSC off.

Für die akustische Untermalung sorgt die vierflutige Abgasanlage.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Der Cup 2 R hat seinen Peak in der zweiten Runde, doch schon im ersten Umlauf fühlt sich der M4 CS präziser und satter an als der M3 CS. Das kommt nicht nur vom besseren Reifen! Das scheint wirklich das schon angesprochene steifere Konstrukt des M4 Coupé zu sein. Das beinahe perfekte Zusammenspiel der griffigeren Pneus und der Keramikbremse schlägt sich auch beim ABS nieder. Die Stopper beißen im Vergleich zum M3 CS eine Spur aggressiver zu, gehen etwas härter ins ABS und takten die Blockiergrenze insgesamt deutlich offensiver ab. Der Titanauspuff quittiert Schaltvorgänge herrlich bassig und voluminös.
Hinunter zum Omega, hoch zur Dreifach-Links und runter zur Kartbahnkurve, überall in den langsamen bis mittelschnellen Kurven leichtes Untersteuern unter Last, der Semislick ist keine große Hilfe. Kurz lupfen und zurück in die Spur. In den schnelleren Ecken hakt sich der M4 CS dagegen sauber ein, extrem definiert und engagiert. Die Hinterachse ist dabei so sensationell, dass man sich über Lupfen und Lenkrad das Heck perfekt positioniert, ohne es zu verlieren, bei Tempo 150 und mehr wohlgemerkt.

Ein Traum in Rivierablau. Der Sonderlack kostet 4900 Euro, die goldbronzenen Räder gibt es ohne Aufpreis.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Auch der 4WD-Mode des Allrads passt. Die Kraftverteilung provoziert immer wieder ganz gezielt einen gewissen Gierwinkel. Geht man kurvenausgangs ans Gas, drückt sich das Heck in einen ganz feinen Slide, der wiederum über die Vorderachse stabilisiert wird. Die Lenkung ist nicht so feinfühlig wie beim CSL, die Antriebswellen an der Vorderachse kosten etwas Gefühl und haben vielleicht auch mit Anteil am Untersteuern.
Die Uhr zeigt 1:30,49 Minuten an. Die Zeit an sich ist der Hammer, so schnell fährt auch ein McLaren 675LT. Dennoch hätten wir etwas weniger Abstand als die 0,95 Sekunden zum M4 CSL erwartet. Dennoch: Man muss auch sagen, dass man mit keinem reinrassigen Sportwagen, der vielleicht mehr Schärfe besitzt, so entspannt durch den Alltag heizen kann wie mit diesem M4.
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