Suzuki Vitara 1.4 Boosterjet Allgrip: Test
SUV oder Offroader – wie viel Vitara steckt noch im Suzuki Vitara?

Die Ansichten über den Suzuki Vitara sind geteilt: nur ein Pkw-SUV mit Allrad, oder echter Offroader? AUTO BILD macht den Härtetest in der Sandgrube.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Suzukis Modellnamen können verwirren: Der aktuelle Vitara hat technisch nichts zu tun mit dem Ur-Vitara – der war noch ein Geländewagen mit Rahmen und Untersetzung, bei uns 1988 bis 1998 ein Bestseller. Nachfolger des Ur-Vitara war der Grand Vitara, ebenfalls ein echter Offroader, von 1998 bis 2015 angeboten.
| Aktuelle Angebote | Preis | |
|---|---|---|
UVP ab 38.350 EUR/Ersparnis bis zu 16.051 EUR | ||
UVP ab 37.990 EUR/Ersparnis bis zu 6163 EUR | ||
UVP ab 34.690 EUR/Ersparnis bis zu 8783 EUR | ||
UVP ab 48.900 EUR/Ersparnis bis zu 10.547 EUR | ||
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Der Vitara der Neuzeit erscheint 2015. Suzuki verkürzt dafür die Bodengruppe des bereits existenten S-Cross um zehn Zentimeter, stülpt eine kürzere (4,17 m) und höhere (1,60 m) Karosserie drüber, Allrad wird als Option angeboten. Die Modernisierung erfolgt in drei Schüben: Facelift und Wegfall des Diesels 2018, der von uns derzeit im Dauertest gefahrene 1,4-Liter-Mildhybrid namens Boosterjet mit 129 PS erscheint 2020. Ein Vollhybrid (1.5 Dualjet) gesellt sich zwei Jahre später hinzu.

Der Vitara der Neuzeit steht auf einer verkürzten S-Cross-Bodengruppe mit Allrad als Option. Seit 2015 wurde er in drei Schüben modernisiert.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Im Allrad-Vitara steckt Pkw-Technik
Ja, es ist Pkw-Technik, im Falle der 4x4-Version Allgrip eben mit Allradantrieb. Primär ein Fronttriebler, beteiligt eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung bei Schlupf an den Vorderrädern oder bei kräftigem Gas geben die Hinterräder am Vortrieb – SUV-übliche Allradtechnik. Das geschieht nicht nur ohne Zutun des Fahrers, sondern verbessert Spurtreue und Traktion auch auf Asphalt. Nach dem starren Zuschaltallrad des Ur-Vitara sehnen wir uns eher nicht zurück, denn der taugt wirklich nur fürs Gelände.
Karosserieüberhang zu lang und zu tief
Auf dem Gelände der Kieswerke Andresen bei Bad Segeberg (herzlichen Dank auch!) droht uns die eigene Courage zu verlassen: In Nähe der kleinen Seen auf dem fotogenen Gelände ist der Sand beängstigend weich. Wir lassen etwas Luft aus den Reifen, dann greifen sie besser und tauchen weniger tief ein.

Knappe Kiste: 18,5 Zentimeter Bodenfreiheit sind im Gelände nicht gerade üppig. Zudem ist der vordere Überhang zu lang.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das aber knabbert von den knappen 185 mm Bodenfreiheit (ein Zentimeter weniger als beim Ur-Vitara, aber immerhin einen Zentimeter besser als beim S-Cross) nochmals einen halben Zentimeter weg. Und der lange für Offroadzwecke zu tiefe Frontüberhang hat noch früher Bodenberührung. Knirsch!
Fahrzeugdaten
Modell | Suzuki Vitara 1.4 Boosterjet Allgrip |
|---|---|
Motor | Vierzylinder, Turbo, vorn quer |
Hubraum | 1373 cm³ |
Leistung | 95 kW (129 PS) bei 5500/min |
Drehmoment | 235 Nm bei 2000–3000/min |
Radaufhängung | Einzelrad/Schraubenfedern |
Reifengröße | 215/55 R 17 Conti EcoContact |
Getriebe | 6-Gang manuell |
Allrad/Kraftverteilung v:h | semipermanent/100:0-50:50 |
Länge/Breite/Höhe | 4170/1775/1600 mm |
Radstand/Wendekreis | 2500 mm/11,1 m |
Geländewerte | |
Bodenfreiheit | 185 mm |
Böschungswinkel v/h | 18˚/28˚ |
Rampenwinkel | 17° |
theoretischer Steigwinkel | 32,2˚ |
Ladevolumen | 375–1120 l |
Leergewicht/Zuladung | 1340/430 kg |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1200/400 kg |
Vmax | 190 km/h |
Dauertestverbrauch | 7,3 l/100 km (km-Stand: 79.000) |
Tankgröße | 47 l |
Norm-CO2-Ausstoß | 132 g/km |
Preis | 31.600 Euro |
Wagen wir's mal. Schritt 1: ESP abschalten. Denn es nähme Motorleistung weg und ließe uns im Sand verhungern. Schritt 2: Per Drehknopf in der Mittelkonsole ausgerechnet auf "Snow" schalten, denn nur in diesem Modus lässt sich der 3. Schritt vollziehen: Druck auf die Lock-Taste. Klingt nach Mittelsperre und starrer 50:50-Verteilung vorn/hinten, ist aber bloß eine zupackendere Kennlinie der Allradkupplungs-Steuerung.
Dem Vitara fehlt eine Geländeuntersetzung
Leider ist der erste Gang zu lang für Geländezwecke: 18 km/h bei 2000/min sind zu schnell. Da malträtiert man zu oft die Kupplung, und Steigungen über 30 Grad sollte man sich verkneifen. Das kann der Dacia Duster mit seinem extrakurzen, eine Geländeuntersetzung ersetzenden Kriechgang besser: 12 km/h, ebenfalls bei 2000/min.

Stress an der Steigung: Der erste Gang ist zu lang übersetzt. Das geht bergauf im Gelände sehr zu Lasten der Kupplung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wenn wir uns festfahren, reicht aber im Snow-/Lock-Programm sogar auf Weichsand nahe der Wasserfläche ein bisschen Hin-und-her-Schaukeln, dann Kupplung loslassen, und bei sturem Auf-dem-Gas-Bleiben zieht uns der Suzi tapfer aus dem Schlamassel. Immer schafft es der Kleine aus eigener Kraft aus dem Sand heraus – keine schlechte Vorstellung trotz der eher ungeeigneten, asphaltorientierten Technik.
Das nach heutigen Maßstäben ungewöhnlich niedrige Leergewicht (1260 kg ohne Fahrer) hilft ungemein. Da verzeihen wir dem Kleinen gern seine dünnblechige Anmutung und das viele Hartplastik – das eben auch Gewicht spart.

Fast wie in der G-Klasse: Geländewagenartig ist die Sitzposition im Suzuki Vitara – 330 mm über dem Fußboden.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Sein Konzept ist schon einmalig: Wo sonst gibt es ein SUV mit Allrad und richtig hoher Sitzposition (33 Zentimeter über dem Fußboden, das ist Mercedes-G-Niveau), das in eine Parklücke passt, die ein VW Polo hinterlassen hat?
Besser zur Comfort-Ausstattung greifen
Die 31.600 Euro für unseren Testwagen in der Ausstattungslinie Comfort+ sind kein Schnäppchen. Die Antriebstechnik mit Turbo- Direkteinspritzer und 48-Volt-Mildhybridisierung ist modern, Navi und Infotainment nicht. Der härteste Konkurrent kommt aus Rumänien: Der Dacia Duster mit seiner Renault-Technik macht's deutlich billiger und bietet zudem den erwähnten Kriechgang. Er ist eine Nummer größer, was in mancher Offroad-Fahrsituation ein Nachteil ist.

Preisfrage: Der von uns getestete Vitara Comfort+ kostet 31.600 Euro. Für den einfacheren Comfort reichen 28.900 Euro.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Vitara ist somit das Angebot für Käufer, die lieber japanischer Technik vertrauen. Dass es sich beim aktuellen Vitara um ein Osteuropa-Modell von teils einfacher Machart handelt, sollte sich aber stärker im Preis widerspiegeln! Tipp: Zur einfacheren Comfort-Ausstattung greifen (28.900 Euro) und mit dem Handy navigieren. Das gesparte Geld ließe sich in Höherlegung und Unterfahrschutz investieren, das macht ihn weniger verletzlich.
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