Elektromobilität,  ist das wirklich was für mich? Das erste Mal Tesla, ich bin unsicher, wird alles funktionieren? Ich bin schon viele verschiedene Fahrzeuge gefahren, aber ein Hightech-Tesla war bisher nicht dabei.

Am Anfang steht Neugier

So sieht also dieses kleine Elon-Musk-Raumschiff von innen aus – sehr minimalistisch. Es gibt kaum Knöpfe, dafür thront ein riesiges Display in der Mitte, worüber alles im Auto gesteuert wird. Von der Sitzeinstellung bis zum Hupton lässt sich alles verändern.
Tesla Model 3
Unter dem Display befindet sich eine Induktionsladefläche fürs Handy.

Ich brauche ein bisschen, um herauszufinden, dass sich unter dem Display eine Induktionsladefläche fürs Handy befindet. Die größte Umstellung für mich: Eine Geschwindigkeitsanzeige fehlt, das Tempo wird nur klein im Bildschirm in der Mitte angezeigt. Gefährlich, da ich ohnehin eine Tendenz zum zügigen Fahren habe.

Fahren heißt Entspannen

Meine erste Fahrt. Lautlos verlasse ich die Büro-Tiefgarage und düse zu meiner Wohnung. Die Rundumsicht plus die Kameras, die mir den kompletten Fahrradweg anzeigen, finde ich spitze.
Warum haben nicht alle Autos so großartige "Augen"? Das Fahrgefühl ist entspannt, die Beschleunigung an der Ampel ziemlich flott. Was mich am meisten fasziniert, ist, dass mir Ampeln, Fußgänger und sogar Pylonen auf dem Display angezeigt werden.
Tesla Model 3
Laden ist nicht immer einfach, die Supercharger sind aber richtig klasse.

Laden kann Frust bringen

Ich wohne in Hamburg-Barmbek und habe eine Ladesäule direkt bei mir in der Nähe, die häufig frei ist. Das ist praktisch, in anderen Stadtteilen sieht das etwas anders aus. Anfangs dachte ich, mit einem Tesla würde ich keine Parkplatz-Probleme bekommen.
Ich könnte locker-flockig an einer Ladesäule parken, Strom zapfen und dann entspannt etwas essen gehen. Aber dann sind die Ladesäulen entweder belegt oder zugeparkt. (Im Check: Wie gut sind BMW i3, VW ID.3 und Tesla Model 3 gebraucht?)

Super Charger begeistern

Also raus aus der Stadt. Auf dem weg von Hamburg nach Ahrensburg stoppe ich beim Supercharger in Siek an der A 1. Das ist einfach. Parken, Ladeklappe öffnen, und los geht’s.
Es gibt dort viele und auch freie Plätze, direkt gegenüber ist eine Bäckerei. Ein guter Platz zum Frühstücken – die Ladezeit vergeht wie im Fluge.
Tesla Model 3
Mit 4,69 Metern erreicht das Model 3 bestes Mittelklasse-Format.

Auf nach Fehmarn

Mit dieser Super-Supercharger-Erfahrung traue ich mich, einen Tagesausflug nach Lemkenhafen/Fehmarn mit dem E-Mobil zu machen. Dort verbringe ich oft Zeit mit der Familie. Sicherheitshalber nehme ich eine Freundin mit, falls ich liegen bleiben sollte.
Der Tesla fährt sich gut auf der Autobahn, ich mag die Kameras beim Spurwechsel, die bieten einen guten Überblick. Die 147 Kilometer haben wir schnell gemeistert, und ich bin begeistert über die Reichweite. Wir sind in Hamburg mit 409 Kilometer Reichweite gestartet und mit 174 Kilometern angekommen. Trotz zügiger Fahrweise, häufig mit Tempo 150 bis 170 km/h.
Leider gibt es in Lemkenhafen keine Ladesäule, tagsüber laden geht also nicht. Generell ist auf Fehmarn die Stromtankstellen-Dichte eher dünn. Als kluge Frau habe ich das eingeplant und im Vorwege einen Supercharger in Heiligenhafen ausgesucht.
Allerdings geht mein Plan nicht auf, weil nirgends stand, dass diese Ladesäulen zum Hotel gehören. Blöd, wenn man das abends um 21 Uhr mit 100 Kilometer Restreichweite erfahren muss.
Mit zwei Zusatzstopps (einmal Ladesäule defekt, dann 30 Minuten Notration holen) geht es mit den letzten Kilowatt zum nächsten Supercharger in Reinfeld. Um dort die Ladezeit zu überbrücken und die Stimmung wieder etwas zu heben, gibt es noch ein Eis bei McDonald’s.

Ende gut, (fast) alles gut

Ich mag Tesla, es macht Spaß, damit durch die Gegend zu fahren. Und wie Wohnmobil-Fahrer grüßen sich auch Tesla-Piloten – witzig. Anders als beim Verbrenner wollen Touren aber gut geplant, immer in Reichweite gedacht sein. Dann läuft's mit dem E-Mobil.

Beziehungsstatus

Pendeln: Bei der Reichweite überhaupt kein Problem. Punkte: 5/5
Einkaufen: Passt schon, auch der Familienbedarf geht mit. Punkte: 3/5
Transportieren: Der kleine Heckdeckel setzt früh Grenzen. Punkte: 2/5
Urlaub: Geht, aber wenig Zuladung kann Koffer-Kampf auslösen. Punkte: 3/5
Hobby: Macht alles mit, was nicht zu spontan oder extrem ist. Punkte 4/5
Familienleben: Kids lieben ihn, Eltern schätzen ihn. Punkte 4/5

Kurz gesagt

Was sagen die Nachbarn, wenn ich damit vorfahre? Fehlt Ihnen nicht das Motorgeräusch?
Warum würde ich das Auto meinem besten Freund empfehlen? Weil das Model 3 und die Supercharger wunderbar funktionieren – es müssen aber noch mehr werden.
Was bleibt mir im Gedächtnis? Die grandiosen Kameras an der Beifahrer- und Fahrerseite. Sogar in der Dunkelheit liefern die richtig gute Bilder.

Technische Daten und Preis: Tesla Model 3

• Batteriekapazität 60 kWh
• Leistung 239 kW (325 PS)
• Kofferraum 561+88 l vorn
• 0–100 km/h 6,1 s
• Spitze 225 km/h
• Verbrauch (WLTP) 14,4 kWh/100 km
• Preis ab 52.965 Euro