Eine Million gefahrene Kilometer sind bei Benzinern und Dieseln selten – für ein Elektroauto scheinen sie utopisch. Eigentlich. Ein Tesla Model S aus der Nähe von Karlsruhe hat nun sogar noch einen draufgesetzt: Das E-Auto schaffte die historische Marke von einer Million Meilen. Das sind umgerechnet mehr als 1,6 Millionen gestromerte Kilometer!
Schon im Jahr 2019 hatte das Model S P85, Baujahr 2013, eine Million Kilometer zurückgelegt, vergleichbar mit 25 Erdumrundungen. Nun dokumentierte sein Besitzer Hansjörg Freiherr von Gemmingen-Hornberg den abermaligen Rekord mit einem Twitter-Post. Sein nächstes Ziel: die Zwei-Millionen-Kilometer-Hürde.

Allerdings ist beim bekennenden Vielfahrer, der seinen Super-Stromer im August 2014 mit rund 30.000 Kilometern auf der Uhr erworben hatte, die große Tesla-Euphorie verflogen. Er habe schon den achten Motor in seinem Model S, der Rest sei "Schrott" gewesen, antwortete er bei Twitter auf eine Nachfrage. Auch drei Akkus mussten während der achtjährigen Garantiezeit ausgetauscht werden.

39.000 Euro aus eigener Tasche investiert

Dem Portal teslamag.de verriet der Freiherr, er habe mittlerweile rund 39.000 Euro aus eigener Tasche in seinen Langstrecken-Tesla investiert. Ab August, wenn die Garantie endet, könnten es noch einige Tausend mehr werden. Auch mit dem Verhalten von Tesla und dessen Chef Elon Musk zeigte sich von Gemmingen-Hornberg unzufrieden. So sei die Unterstützung für einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde ausgeblieben, wegen des Gebrauchtkaufes habe er nach Meinung der Amerikaner noch 20.000 selbst gefahrene Meilen hinzufügen sollen.

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Mittlerweile liebäugelt der bisherige Tesla-Liebhaber (außer dem Model S zählt er auch einen Roadster sein eigen) sogar mit dem Wechsel zu einer anderen Marke. Ein Lucid Air – 1111 PS, weit über 750 Kilometer Reichweite und ein selbsternannter Tesla-Konkurrent – könnte das neue Objekt seiner Begierde werden. Darauf zumindest ließen einige Äußerungen des Freiherrs beim Kurznachrichtendienst schließen.
Aber wie schafft ein Stromer, der nach rund 500 Kilometern an die Steckdose muss, eine so unfassbar lange Laufstrecke? 2019 schilderte Hansjörg Freiherr von Gemmingen-Hornberg sein Erfolgsrezept.

Schonende Fahrweise, bedachtes Laden

Fahrweise: Rund 600 Kilometer pro Tag wurde das Model S im Schnitt bewegt. Für den gelernten Landwirt und jetzigen Privatier von Gemmingen kein Problem: "Früher saß ich den ganzen Tag auf dem Trecker, da war das auch nicht anders." Vor allem aber war die Fahrweise möglichst schonend, das Tempo selten über 120 km/h. Denn ein häufiger Wechsel zwischen Beschleunigung und Rekuparation erzeugt Abwärme und fördert damit die Degeneration der Batteriezellen.
Tesla Model S 1 Million Kilometer
Die letzten Kilometer zur Million legte der Tesla unter den Augen eines Sachverständigen zurück.
Batterie und Antrieb: Der jetzige Akku ist der zweite neue und hielt bisher 476.000 Kilometer. Seine nutzbare Restkapazität beträgt noch 61,9 kWh, weniger als 20 Prozent unter dem Neuzustand. Die Reichweite liegt inzwischen noch bei 330 Kilometern. Der Motor ist der vierte, er ist bereits seit 700.000 Kilometern im Einsatz. Alles wurde auf Garantie von Tesla getauscht.
Laden: Meist hielt von Gemmingen den Ladezustand zwischen 20 und 80 Prozent, wie er dem "Manager Magazin" sagte. Bei unter 20 Prozent und kalter Batterie drohten den ersten Zellen Unterspannung und damit eine verringerte Lebensdauer. Der aktuelle Akku verzeichnete bis zur Millionenmarke 1613 Ladezyklen, zu 40 Prozent an Supercharger-Schnellladern. Der Verbrauch lag zuletzt bei 16,6 kWh pro 100 Kilometer.

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Kaufberatung Tesla Model 3
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Kamera
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Bremsen kaum benutzt, wenig Verschleiß

Bremsen: "In 99 Prozent der Fälle fahre ich mit Rekuperation und muss gar nicht bremsen", erklärte der Tesla-Besitzer BILD. So mussten nur alle 400.000 Kilometer die Bremsen ausgetauscht werden. Auch das trug zur gleichmäßigen Fahrweise (s.o.) bei. Verschleiß: Der hielt sich in Grenzen. Alle 50.000 Kilometer gab's neue Reifen. Unter anderem wurden einmal die Vorderachse komplett repariert, ein neuer Touchscreen samt Computer verbaut und die hinteren Stoßdämpfer getauscht.
Kosten: Die Reparaturen schlugen mit 13.000 Euro zu Buche. Das Laden kostete fast nichts, denn: Das Laden an den Superchargern war für den Tesla kostenlos, zudem erzeugte von Gemmingen zu Hause günstigen Strom mit einer Photovoltaikanlage und nutzte häufig andere kostenlose öffentliche Ladestationen.
Elektro-Vielfahrer
Rekordfahrer: Hansjörg Freiherr von Gemmingen-Hornberg in seinem Millionen-Tesla.

Ziel: Verständnis für alternative Antriebe

Und warum steckt der 56-Jährige, der sein Vermögen zum Teil mit Devisentrading machte, sein Geld in dieses Hobby? Er will für mehr Verständnis für alternative Antriebe sorgen: "Das Elektroauto ist ein Mosaikstein, es muss viel mehr passieren." 2013 traf der Rekordler übrigens mal Tesla-Chef Musk. Das Gespräch war sehr kurz: "Er konnte nicht viel mit mir anfangen."