Premium ist das Zauberwort, mit dem heute jeder gern seine Marke schmückt. Vom Auto bis zur Zahnpasta heißt Premium aber vor allem eines: Premium-Preise. So beginnt der Einstieg bei BMW mit dem 1er bei 21.350 Euro, wer vier Türen will, muss 750 Euro mehr bezahlen. Dafür gibt es immerhin schon 122 PS und natürlich Hinterradantrieb. Der drei PS stärkere A3 Sportback 1.4 TFSI, vier Türen Serie, ist mit 22.250 Euro sogar noch 150 Euro teurer. Die Konkurrenz bietet Vergleichbares mindestens zehn Prozent günstiger an. Denen fehlt natürlich das Premium-Prestige, das bei Audi in dem gewaltigen Kühlergrill gipfelt, mit dem der Ingolstädter die Straße aufzusaugen und die Vordermänner zu verscheuchen scheint. Im Vergleich dazu fast zierlich die Nieren des überwiegend in Leipzig gebauten Münchener Kindls. Immerhin, wer die beiden Fronten in seinem Rückspiegel auftauchen sieht, der kann sie von den größeren Modellen nur schwer unterscheiden.

Der A3 steht zum Slogan des Hauses – Vorsprung durch Technik

BMW 116i gegen Audi A3 Sportback 1.4 TFSI
Im BMW sitzt ein klassischer Saugmotor, der sich aber recht unaufgeregt gibt. Der 1,4-Liter im A3 geht hingegen mit großer Vehemenz zur Sache.
Doch was nutzt die beeindruckendste Larve – steckt hinter dem Grill-Fest auch wirklich Premium? Im Prinzip ja. Im BMW sitzt ein klassischer Saugmotor, der sich im Vergleich zum Audi aber recht unaufgeregt, ja fast schlafmützig an die Arbeit macht. So richtig Freude am Fahren stellt sich nur dann ein, wenn der Sechsgang-Knüppel flott durch die Kulisse gewirbelt wird und sich der Zeiger des Tourenzählers im oberen Drittel des Drehzahlmessers aufhält. Denn der 1,6-Liter hat sein höchstes Drehmoment von 160 Nm erst ab 4250 Umdrehungen, die 122 PS stehen bei 6000 Touren zur Verfügung. Der A3 hingegen steht zum Slogan des Hauses – Vorsprung durch Technik. Der kleine 1,4-Liter aus dem VW-Konzernbaukasten geht mit einer Vehemenz zur Sache, die eines Zweiliters würdig wäre. Der dank fehlenden mechanischen Laders (der Turbo ist geblieben) von 170 PS (im Golf GT TSI) auf 125 PS "gedrosselte" Motor heimst hier nicht zum ersten Mal Lorbeeren ein. In AUTO BILD 1/2008 lief er sogar den Golf-Dieselmotoren den Rang ab.

Beide Wagen verbrauchen auf der Messstrecke 7,9 Liter

Audi A3 Sportback 1.4 TFSI
Dynamisch behält der Audi seinen großen Grill stets vorn: Er ist 0,7 Sekunden schneller auf 100 und spürbar elastischer.
Im Charakter ähnelt der TFSI ihnen sehr: höchstes Drehmoment von 200 Nm schon bei lässigen 1500 Touren, die Höchstleistung stellt sich bei 5000 ein. Heißt in Fakten: Dynamisch behält der Ingolstädter seinen großen Grill stets vorn. Er ist 0,7 Sekunden schneller auf 100 und spürbar elastischer, dadurch also auch sehr schaltfaul zu fahren. Nur beim Spitzentempo dürfte sich manch Windschattenrennen ergeben, es differiert gerade mal um ein Kilometerchen – 203 km/h zu 204 km/h. BMW wird also nachbessern müssen, zumal in diesem Duett das auch von uns so gelobte Konzept der "Efficient Dynamics" beim Spritsparen etwas enttäuscht. Beide Wagen verbrauchen auf der gemeinsam gefahrenen Messstrecke 7,9 Liter. Ein bei den gebotenen Fahrleistungen erstaunlich niedriger Wert, der sich mit sensiblem Gasfuß leicht verringern lässt. Der Audi verlangt Super, der BMW gibt sich mit allen Benzinsorten zufrieden, will für Höchstleistung aber mit Super plus gedopt werden.
Besser sieht Efficient Dynamics im reinen Stadtverkehr aus: Nach ECE-Norm ist der BMW dort mit 7,5 Liter Verbrauch um 1,1 Liter sparsamer als der Audi. Doch wer fährt solche Premium-Produkte nur in der Stadt? Sie wollen und sollen doch auch angenehme Reisewagen sein. Fangen wir hinten an: Kofferrauminhalte von 330 bis maximal 1150 Liter, je nach Lage der Sitze. Bequemer Einstieg auf die Rückbank und die klare Erkenntnis: Zu Premium gehören unbedingt vier Türen. Wobei der BMW hinten schon ein bisschen kneift und auch nicht sehr komfortabel ist. Vorn jedoch ist alle Askese vergessen: Gut geformte Sitzschalen umfassen den Rücken, geben prima Seitenhalt. Das ist wichtig für schnelle Ausweichmanöver, die der BMW dank Hinterradantriebs und präziser Lenkung etwas flotter als der Audi absolviert. Der meldet speziell beim Anfahren auf nasser Straße sein Räder-Rubbeln bis hinauf ins Lenkrad. Da es natürlich von der Antriebsschlupfregelung (ASR) gebändigt wird, lässt es sich damit leben.

Rätselhafte Aufpreispolitik

1er BMW 116i
Ein Radio gibt's im BMW serienmäßig. Selbstverständlich? Nein, Audi verlangt mindestens 575 Euro dafür.
Schwerer zu verstehen ist die Aufpreispolitik. Wer seinen Popo jahreszeitgemäß wärmen will, der muss satte 330 Euro mehr zu seinem Audi- oder BMW-Händler tragen, der Aufpreis für die Sitzbeheizung ist identisch. Nicht aber für anderen Komfort, der eigentlich zu einem Premium-Auto gehört. Ein Radio zum Beispiel. BMW hat es serienmäßig, Audi verlangt mindestens 575 Euro dafür. Oder die Klimaanlage. Beim BMW kostet die einfache Sommerfrische 980 Euro, beim Audi kommt sie als "Komfortklimaautomatik" auf 1425 Euro. Die eigenartigerweise jeder bestellen muss, der gern elektrisch verstellbare Sitze hätte. Zusammen mit den dann ebenfalls zwingend erforderlichen Lendenwirbelstützen kommen elektrische Stühle im A3 unterm Strich also auf stolze 2140 Euro. BMW bietet sie im 1er für 1250 Euro an. Kleinkariertes Kostendenken? Scheint so, denn es schadet den Premium-Zulassungen in keiner Weise, Schauen Sie mal auf die Straßen.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz

Volle Straßen, teurer Sprit und steigende Preise machen die kleinen "Großen", also die kompakten Premiumklässler, immer begehrter. Allein vom Prestige ihrer großen Geschwister zu leben, reicht aber nicht. Modernste Technik macht sie zusätzlich attraktiv. BMW hat mit der Spar-Technik "Efficient Dynamics" für Furore gesorgt, Audi kann es jetzt mit dem kleinen, aufgeladenen 1.4er genauso gut. In der Stadt mit viel stop and go ist der 1er vorn, insgesamt fährt aber der A3 davon.