Willkommen im Einkaufsparadies. In gepflegter Atmosphäre gibt es alles, was das Herz begehrt. Von der Blumenvase bis zum Bügeleisen, vom Elektroherd bis zum Ehering. Unsere drei Stadtflitzer kann man hier zwar (noch) nicht kaufen, sie passen aber bestens ins Bild. Alle drei sind klein genug, um flink durch den Verkehr zu wuseln und einen Platz im engen Parkhaus zu finden. Andererseits aber groß genug, um nach dem Shopping alle Taschen und Tüten zu verstauen. Als Raumwunder überrascht vor allem der Daihatsu. Der wirkt auf den ersten Blick so zierlich, als stamme er aus der Spielwarenabteilung – und hat dennoch erstaunlich viel Platz. Er ist sehr schmal, vorn fehlen ihm im Vergleich zum Renault fast zehn Zentimeter – aber das gleicht er durch Höhe und enorm viel Beinfreiheit aus. Die ist im Fond so groß wie im fetten Bentley Continental: Wir haben es nachgemessen. Möglich macht das die verschiebbare Rückbank – sie lässt sich um 25,5 Zentimeter vor- und zurückrücken. Klar, das geht auf Kosten des Kofferraumes: In der hinteren Position der Bank schluckt er gerade noch 160 Liter, ganz vorn sind es dann 215.

Die Japaner haben sich gründlich dem Thema Komfort gewidmet

Praktisch: Die im 90-Grad-Winkel öffnenden Cuore-Türen ermöglichen einen angenehmen Einstieg.
So luxuriös wie die britische Edel-Limousine ist der kleine Japaner natürlich nicht eingerichtet. In diesem Trio fällt der Testwagen als Modell "Top" (2300 Euro extra) aber durch eine komplette Ausstattung auf – einschließlich Knieairbag für den Fahrer, Klimaanlage und CD-Radio. Auch die Verarbeitung ist sichtlich aufwendiger als bei den beiden Franzosen – angefangen bei den angenehmen Polsterstoffen bis hin zu seinen hübschen Instrumenten. Als Einziger hat der Cuore einen Drehzahlmesser ohne Aufpreis an Bord. Ein Beispiel dafür, wie Daihatsu nachgedacht hat, sind auch die extrem weit im 90-Grad-Winkel öffnenden Türen: Sie ermöglichen einen besonders angenehmen Einstieg. Dem Thema Komfort haben sich die Japaner sowieso gründlich gewidmet. Der Cuore fährt leise, hat komfortablere Sitze als die Kontrahenten und federt nahezu eine ganze Klasse besser als der Peugeot. Angetrieben wird der Daihatsu von einem quirligen Einliter-Dreizylinder mit 70 PS. Das kernig klingende Motörchen dreht munter und gewinnt – sofern es einer darauf anlegt – sogar Anfahrsprints an der Ampel. Auf der Autobahn fühlt sich der tapfere Kleine nicht mehr so wohl, zumal der fünfte Gang viel zu lang übersetzt ist.
Macht Spaß: Der Peugeot fährt sich schön agil und gefällt mit seiner zielgenauen Lenkung.
Beim Peugeot ist die Übersetzung etwas glücklicher, er zieht einen Hauch kräftiger durch. Allerdings wird es bei höherem Tempo richtig laut, der Motor dröhnt dann heftig. Auch im 107 wirbelt ein Einliter-Dreizylinder unter der Haube, hier mit 68 PS. Er läuft brummiger als der Daihatsu, dreht aber genauso fröhlich und macht in der Stadt und auf kurzen Etappen jede Menge Spaß. Der Peugeot fährt sich im Vergleich schön agil und gefällt mit seiner zielgenauen Lenkung. Auf langen Strecken ist es jedoch auch mit ihm nicht mehr so schön: Er ist sehr straff abgestimmt und gibt Querfugen als grobe Stöße weiter – da besteht Bruchgefahr für die neue Porzellanvase im Kofferraum. Mit einer Länge von 3,43 Metern ist der 107 der Kürzeste der drei Kleinen, sein Platzangebot reicht an die beiden anderen nicht ganz heran. Vorn geht es durchaus luftig zu, hier hat nur der Renault noch einen Hauch mehr Bewegungsfreiheit. Im Fond ist es dann aber merklich enger als in den beiden anderen.
Wie ein Kleinwagen alter Schule benimmt sich der Peugeot auch beim Thema Variabilität. Das Gepäckabteil fasst bescheidene 130 Liter, das wird knapp beim Wochenendeinkauf. Und während sich beim Daihatsu und beim Renault die Rückbänke längs verschieben lassen, hat Peugeot nichts von dieser Art eingebaut: Die Lehne ist geteilt umlegbar - fertig. Den Meister in dieser Disziplin gibt der Renault. Die beiden Einzelsitze im Fond lassen sich längs um 22 Zentimeter verschieben, die Kofferraumgröße liegt je nach Stellung zwischen 165 und 285 Litern. Wie beim Daihatsu ist die Lehnenneigung verstellbar und dazu die Lehne des Beifahrersitzes umlegbar. Sehr praktisch. Mit 3,60 Meter Länge und 1,67 Meter Breite ist der Twingo hier vergleichsweise groß, das Platzangebot bestens. Vorn bietet hier sowieso keiner mehr Raum, im Fond nur der riesige Daihatsu. Aber auch Renault-Reisende können locker die Beine übereinanderschlagen. Anders als seine Rivalen fährt der Renault mit einem Vierzylinder. Der 1,2-Liter leistet 76 PS, dreht nicht so wild wie der Dreizylinder, hat aber den Vorteil besserer Laufkultur. Auch beim Durchzug spielt er den größeren Hubraum und das höhere Drehmoment aus, hängt Cuore und 107 locker ab.

ESP gibt es beim Renault nicht einmal gegen Aufpreis

Immerhin: Bei Daihatsu und Peugeot ist ESP gegen Extrazahlung lieferbar.
Endgültig Schluss mit der Gemütlichkeit ist dann auf dem Test-Parcours. Im Gegensatz zum handlichen, sicheren Daihatsu und zum knackigen Peugeot fährt sich der Renault schwammig und neigt beim schnellen Spurwechsel zu tückischen Lastwechsel-Reaktionen. Die gefühllose und ungenaue Lenkung hilft dabei nicht viel – im Gegenteil. Ein ESP wäre nötig, aber das gibt es bei Renault nicht einmal gegen Aufpreis. Ein Unding. Bei Daihatsu (750 Euro) und Peugeot (420 Euro) ist der Schleuderschutz wenigstens gegen Extrazahlung lieferbar – auch keine tolle Lösung, aber besser als das Schulterzucken der Twingo-Verkäufer. Hallo, Renault-Manager, ganz schnell aufwachen! Und bei der Gelegenheit auch gleich die mäßigen Bremsen überarbeiten – aber dieser Minuspunkt verbindet den Twingo mit den anderen beiden. Sicher, in dieser Klasse kommt es auf jeden Cent an. 10.700 Euro kostet der Renault, der Peugeot unterbietet ihn mit 10.600 Euro. Der Daihatsu Cuore 1.0 Top scheint mit 12.040 Euro (mit ESP) etwas entrückt, beim Blick in die Ausstattungsliste relativiert sich das aber. Deshalb: Wenn es nur nach dem Preis ginge, wären sie alle drei eine Einkaufsempfehlung wert.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke

Am Ende liegen Daihatsu und Renault gleichauf – und mir geht es wie dem Kollegen Rodatz in AUTO BILD 35/07: Reinen Gewissens kann ich den Twingo nicht empfehlen, dazu bräuchte er ein ESP. Schade, denn dieser Renault ist ein sympathisches Auto mit viel Platz und Variabilität. Aber so heißt der wahre Sieger Cuore. Der Daihatsu überrascht vor allem mit einem Riesen-Platzangebot, einer ungewöhnlich kompletten Ausstattung und einem munteren Motörchen. Der Peugeot auf Platz drei ist eine Nummer kleiner als die beiden anderen. Er gefällt vor allem mit seinem agilen Fahrverhalten.