Große Kunst entsteht oft im Kleinen. Und ist keinesfalls eine Frage des Formats. Denken wir nur an Bonsai-Bäumchen, alte Puppenstuben oder Schuco-Modellautos – alles Miniformate, die überragendes Können verraten. Ganz ähnlich funktionieren unsere drei japanischen Kleinwagen, auch wenn wir in unserem Vergleich den alltagstauglichen Maßstab von 1:1 bevorzugen. In der Realität bedeutet das: unter vier Meter Länge, fast 90 PS und rund 15.000 Euro. Im Klartext: Mazda2, Honda Jazz und Toyota Yaris wollen die Größten in der japanischen Kleinwagen-Szene sein. Jeder für sich. Das Maßband sieht den 3,90 Meter langen Mazda vorn. Die zusätzlichen Zentimeter wirken sich allerdings nur für Fahrer und Beifahrer positiv aus. Im 2 sitzt es sich ausgesprochen entspannt – auch wenn die Beinauflage der gut ausgeformten Polster länger sein dürfte und dem Lenkrad (wie beim Jazz) die Längsverstellung fehlt. Im Fond geht es dagegen etwas knapper zu als bei der Konkurrenz – vor allem, weil der moderne Mazda das Dach fünf Zentimeter tiefer trägt. Dass der 2er dennoch auch für die Reise zu viert taugt, geht letztendlich zu Lasten des Kofferraums. Der Größte der Kleinen verweigert mit 250 Litern am ehesten die Gepäckannahme – Yaris (275 Liter) und vor allem Jazz (380 Liter) bieten da mehr Möglichkeiten.

Auf der Teststrecke präsentiert sich der Mazda knackig-dynamisch

Agile Kurvenfahrt, direkte Lenkung, serienmäßiges ESP – im Mazda 2 macht Kleinwagen fahren Spaß.
Gleiches gilt für die Verwandlungskünste der Minis. Mehr Engagement beweist Mazdas neuer Kleiner auf der Teststrecke. Leichtfüßig und agil wedelt der Knirps durch den rot-weißen Hütchenwald, lässt dank serienmäßigen ESPs keine Unsicherheit aufkommen und findet mit dynamisch-direkter Lenkung locker die Ideallinie. So macht Kleinwagen fahren Spaß. Wobei die knackige Schaltung gut mitspielt und die souveränen Bremsen ausgesprochen zuverlässig arbeiten. Hier können sich der in Kurven schaukelige und mit einer teigigen Lenkung ohne Rückstellmoment gestrafte Jazz sowie der zu leicht und spitz einlenkende Yaris mindestens eine Scheibe vom 2er abschneiden. Zumal die elektronische Straßenwacht bei beiden weniger konsequent eingreift und im Jazz auch noch extra kostet. Bei den Motoren liefert keiner der drei kleinen Strolche eine Überraschung. Am schnellsten sprintet der 87 PS starke Yaris, der spontan und leise antritt, aber die Drehfreude nicht gerade erfunden hat.
Schlechte Manieren: Der Jazz holpert steifbeinig über Unebenheiten hinweg.
Das können die 86 PS des Mazda schon besser. Obwohl er wie seine Mitstreiter nicht unbedingt als Drehmomentriese dasteht und unter 3000 Touren eher verhalten agiert, schnürt der 2er flink und ruhig durchs Revier. Das Beste: Wenn es sein muss, dreht der kleine Vierzylinder willig bis in den roten Bereich, vermittelt sogar etwas Sportlichkeit. Beim Ausdrehen lässt sich auch der Jazz nicht lange bitten, röhren seine 83 PS mit dem Mazda um die Wette – wobei der Honda aber etwas vorlaut auftritt und der sportliche Unterton zuweilen in ein Dröhnen wechselt. An Manieren fehlt es auch dem Fahrwerk des Jazz. Steifbeinig poltert der straff gefederte Japan-Mini über Absätze und Fugen, gleichzeitig sorgen weiche Dämpfer für reichlich Aufbaubewegung.
Unterm Strich rumpelt auch der Mazda nicht viel besser über schlechte Strecken, bei ihm liegt das Übel aber vor allem in den optionalen 16-Zöllern mit 45er-Querschnitt. Sie lassen den eigentlich angenehm dynamisch abgestimmten Zweier unfein durch Schlaglöcher und über Gullydeckel krachen, sorgen für permanente Unruhe unter den Gästen. Schade. Denn mit 15-Zoll-Serienbereifung liegt der Komfort mindestens eine halbe Klasse höher. Wie gut ein Mini federn kann, zeigt der Yaris. Straff genug, um Seekrankheit zu vermeiden, dennoch nachsichtig gegenüber Fahrbahnfehlern und Insassen – Yaris weiß, was sich gehört. Und das auch beim Bezahlen. Denn mit 14.340 Euro belastet der Toyota das Budget am geringsten, glänzt zusätzlich mit dem besten Wiederverkauf. Der Mazda2 kostet wegen des Trendpakets etwas mehr, bleibt mit 14.690 Euro aber absolut im Rahmen. Trotz dünner Sicherheitsausstattung verlangt Honda für seinen Jazz selbstbewusste 15.170 Euro – unter Kleinwagen ein durchaus spürbarer Aufschlag. Denn gerade beim Preis besteht die größte Kunst darin, ihn klein zu halten.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka

Die japanische Kleinwagenszene hat einen neuen Star: den Mazda2. Der ansehnliche Mini, dessen Technik auch der nächste Fiesta nutzt, fährt mit seinem agilen Handling ganz nach vorn. Der sieggewohnte Toyota Yaris muss sich knapp geschlagen geben, weil er zum Beispiel bei den Bremsen nicht mithalten kann. Der ergraute Jazz überzeugt immer noch mit viel Platz, wir freuen uns aber auf den Nachfolger 2008.