Keiner weiß, wann das Wort erfunden wurde. Bis ins 15. Jahrhundert reichen die Wurzeln zurück, trotzdem hält sich der Begriff Gassenhauer noch immer im Sprachgebrauch. Gemeint ist ein Lied, das jeder kennt. Ein Hit halt. Aber mit "Gassenhauer" hätte zu Zeiten des Singens in den Gassen keiner etwas anfangen können. Egal, es passt. Auch wenn es um moderne Kleinwagen geht. Denen darf kein Weg zu schmal, keine Gasse zu eng sein. Und jeder sollte sie kennen, sonst klappt's nicht mit der Karriere. Ob der neue Skoda Fabia also das Talent zum Gassenhauer hat, zeigt der Vergleich mit hitverdächtigen Rivalen: Mercedes A-Klasse, Renault Clio und Toyota Yaris stehen bereit. Den großen Auftritt beherrscht der Fabia perfekt. Zwar kopiert er im Stil unverkennbar den Suzuki Swift, doch wie Clio und Yaris wirkt er gegenüber der brav gestylten, hoch aufragenden A-Klasse erfrischend modern.

Ob erste Reihe, Fond oder Gepäckabteil: Der Mercedes ist der Größte

Doch Vorsicht. Wer den A 150 jetzt als reizloses Rentner-Auto abtut, verpasst den größten Innenraum des Quartetts. Egal ob erste oder zweite Reihe oder Gepäckabteil, der Mercedes ist der Größte. Er ist nicht nur höher, sondern auch breiter als seine Mitstreiter. Außerdem sitzt man höher, sieht besser, kommt leichter rein und raus. Im Clio, auf dessen weichen Polstern der Fahrer zu hoch sitzt, kneift's dagegen besonders im Fond. Viel luftiger geht es im Rückraum des Yaris zu. Der 3,75-Meter-Knirps macht es aber seinem Piloten schwer und geizt bei der Beinfreiheit, die Verarbeitung lässt den dicken Rotstift erkennen. Mit 1,97 Metern fühle ich mich hier nicht mehr gut aufgehoben. Zumal das Lenkrad erst ab Sol-Ausstattung verstellbar ist. Aber auch dann ist das Volant immer einen Tick zu weit weg, weil der Verstellbereich zu knapp ausfällt.

Unter der Clio-Haube arbeitet ein brandneuer Turbo-Motor

Beim Spurt bleibt der Clio dem Fabia dicht auf den Frsen. ESP gibt es nur gegen Aufpreis.
Beim Spurt bleibt der Clio dem Fabia dicht auf den Frsen. ESP gibt es nur gegen Aufpreis.
Der Fabia Sport gibt den Dynamiker. Das Platzangebot geht in Ordnung, straffe Polster und eine perfekte Sitzposition schaffen Vertrauen. Dazu ein schlichtes, aber benutzerfreundliches Cockpit - das passt auf Anhieb. Und sportlich ist dieser Typ wirklich. Stramme 105 PS aus 1,6 Liter Hubraum – damit liegt der Tscheche in diesem Vergleich vorn. Er ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h der Schnellste, hängt seine Mitstreiter auf der Autobahn gnadenlos ab. Auch im Überhol-Modus stürmt der Skoda unaufhaltsam die Charts, wuchert mit seinem Drehmoment-Pfund von 153 Nm und verwöhnt beim Zurückschalten mit seiner knackig-kurzen Schnell-Schaltung. Klasse. Mithalten kann hier eigentlich nur der Clio. Unter seiner kurzen Haube schlägt der brandneue Turbo-Motor, der aus bescheidenen 1,2 Liter Zylinderinhalt immerhin 100 PS holt. Damit bleibt der Franzose dem osteuropäischen Rivalen dicht auf den Fersen, muss sich beim Zwischenspurt nur um wenige Zehntel geschlagen geben und lässt sich auf der Autobahn nur mühsam abschütteln. Allerdings vermissen wir die letzte Präzision, wenn der Schalthebel versucht, den richtigen Gang zu treffen. Nicht, dass sich der Pilot im Clio ständig verschalten würde. Er findet die richtige Gasse aber nicht ganz so selbstverständlich wie im Fabia.
Mit 95 PS aus 1,5 Litern hätten wir dem Mercedes eigentlich zugetraut, Anschluss zum Spitzenfeld zu halten. Doch leider bringt der Sternenträger mindestens 100 Kilogramm mehr auf die Waage als seine Mitbewerber. Und deshalb muss er sich in allen Sprint- und Spurtdisziplinen deutlich hinter ihnen einreihen. Schade, denn der Motor wirkt subjektiv angenehm dynamisch und drehfreudig. Wenn wir am Antrieb meckern wollten, dann über die etwas schwächlich geführte Schaltung. Mit 87 PS fährt der Yaris die geringste Leistung auf, 1,3 Liter Hubraum versprechen ebenfalls keine Temperamentsausbrüche. Der Eindruck täuscht nicht: Auf den Fahrer wirkt der Vierventiler müde, auf der Messbahn kann er sich immerhin noch vor den Mercedes schieben. Ein Grund dafür ist das geringe Gewicht des Japaners. Mit 1070 Kilo beweist er, dass moderne Autos nicht zwangsläufig zur Fettleibigkeit neigen müssen.

Der Yaris verlangt vom Fahrer nur, dass er nicht Schumi spielt

Der Yaris bietet viel Sicherheit inklusive ESP, sieben Airbags, aktiver Kopfstützen vorne.
Der Yaris bietet viel Sicherheit inklusive ESP, sieben Airbags, aktiver Kopfstützen vorne.
Kleinwagen müssen ja auch nicht mehr bei der Sicherheit sparen. Denn wie A-Klasse und Fabia (ab 80 PS) kommt der Yaris von Haus aus mit ESP zum Kunden. Das Fahrverhalten bleibt somit brav, der Japaner flüchtet sich im Krisenfall in mäßiges Untersteuern und verlangt vom Fahrer eigentlich nur, dass er sich nicht mit Schumi verwechselt. Einzig bei Renault kostet der Schleuderschutz Aufpreis (500 Euro), gehört erst ab 103 PS zur Serie. So raten wir im Clio auch wegen der sehr synthetisch wirkenden E-Lenkung zu noch größerer Besonnenheit und gelassener Fahrweise. Beides wird vom eher weichen, leicht unterdämpften Fahrwerk aber ohnehin nahegelegt. Wer es komfortabel mag, wird hier am ehesten glücklich. Aber auch die A-Klasse bewegt sich recht geschmeidig übers Parkett und raubt selbst fiesen Marterstrecken ihren Schrecken. Der kleine Benz neigt in schnell gefahrenen Kurven aber zu heftigem Karosserie-Schaukeln.

Der Fabia vermittelt ungetrübten Fahrspaß

Skoda Fabia 1.6 16V Ambiente
Der Fabia punktet mit sinnvoller Sicherheitsausstattung und üppigem Komfort.
Bild: M.Meiners
Yaris und Fabia gehen Frostaufbrüche und Fahrbahnfehler eher sportlich an. In beiden dringen böse Schläge auch schon mal bis in den verlängerten Rücken vor, beide bleiben aber dennoch familien- und fernreisetauglich. Und auf kurviger Landstraße bereiten sie sogar richtig Fahrspaß. Wobei im Toyota allerdings die anfänglich schwammig, dann zunehmend direkter ausgelegte Lenkung stört. Klein soll bei unseren Gassenhauern natürlich nicht nur der benötigte Parkraum sein, sondern vor allem der Preis. Womit der Mercedes die Finalrunde eigentlich schon verpasst hat. Mindestens 19.873 Euro wollen die Schwaben für ihren A150 Classic sehen – gegenüber dem Yaris 1.3 Luna für 14.340 Euro ein Aufschlag von mehr als 38 Prozent. Als Gegenleistung bieten die Stuttgarter ganz selbstbewusst jeweils 30 Jahre Mobilitätsgarantie und Garantie gegen Durchrostung.
Auch wenn der Yaris bei der Grundgarantie als Einziger drei Jahre bis 100.000 Kilometer zusagt (alle anderen zwei Jahre ohne Kilometer-Limit), kann er dem Mercedes wenig entgegensetzen. Zwölf Jahre tragen die Japaner das Rost-Risiko, nur drei Jahre übernehmen sie die Mobilitäts-Zusage. Ähnlich günstig wie der Yaris empfiehlt sich der Clio 1.2 Dynamique ab 14.850 Euro. Wie der kaum teurere Fabia 1.6 Ambiente (ab 15.290 Euro) verspricht er unbegrenzte Mobilitätsgarantie, versichert zwölf Jahre (Skoda zehn Jahre) die Übernahme von Durchrostungsschäden. Bei den Versicherern gelten offensichtlich vor allem Yaris-Fahrer als behutsame und vorsichtige Fahrer. Mit der Vollkaskoklasse zwölf sind sie auf jeden Fall günstiger dabei als ihre Kollegen, die 14 in der Haftpflicht kann sich ebenfalls sehen lassen. Mercedes kann die Haftpflichtkosten zwar noch ein wenig drücken (Klasse 13), genießt bei der Vollkasko aber einen eher schlechten Ruf. Mit Beitragsstufe 18 erreicht die A-Klasse insgesamt die höchsten Kosten für den Unfallschutz.
Auch Clio-Fahrer gehören anscheinend nicht zu den Lieblingen der Versicherer: Sie zahlen vor allem bei der Haftpflicht (16) mehr als ihre Kleinwagen-Kollegen. Der Skoda kommt bei den Assekuranzen dagegen ganz gut weg, belastet den Haushalt mit den Klassen 14 und 15 (Haftpflicht und Vollkasko) nicht übermäßig. Mangelnde Zurückhaltung müssen wir ihm allerdings beim Verbrauch bescheinigen: 7,7 Liter auf 100 Kilometer sind trotz der gebotenen Leistung einfach zu viel. Den richtigen Weg weisen Clio und A-Klasse, die mit akzeptablen Trinksitten auf Werte von 7,0 bis 7,2 Liter kommen. Wobei der Clio sein Verbrauchs-Versprechen von 5,9 Litern allerdings erstaunlich klar verfehlt. Zeitgemäß geizig holt sich der Yaris den Umweltpokal: 6,6 Liter auf 100 Kilometer - das ist der Stoff, aus dem moderne Gassenhauer gemacht werden.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka

Redakteur Gerald Czajka sieht den Fabia vorne.
Redakteur Gerald Czajka sieht den Fabia vorne.
Tusch für den Fabia: Ungefährdet sichert er sich den Sieg und gibt in der Kleinwagen-Klasse den Ton an. Geräumig, solide und fahraktiv, leistet sich der Tschechen-Polo kaum Schwächen. Nur beim Verbrauch sollte er zum günstigen Zweiten Toyota Yaris rüberschielen, dem einzig etwas Temperament fehlt. Der Mercedes verspielt eine bessere Platzierung wegen des hohen Preises, der Renault Clio ist schlicht zu knapp geschnitten.