Test: MTM Audi SQ2 R
Nachgeschärft: MTM spendiert dem Kompakt-SUV SQ2 525 PS

Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Tempo 300 in einem SQ2. So was kann nur von MTM kommen. Es war wahrscheinlich wieder eine dieser Teambesprechungen am Montagmorgen beim Tuner in Wettstetten nahe Ingolstadt. Eine dieser legendären Runden, woraus auch schon solche Kaliber wie TT Bimoto oder RS 6 Clubsport entstanden. Es muss sich wohl in etwa so zugetragen haben: Roland Mayer fragte sein Team nach Ideen rund um die neuen Audi-Modelle. Stillschweigen in der Runde, nur Pressemann Nico Potche meldete sich.
Ihm war gerade aufgefallen, dass MTM 33 Jahre alt geworden sei, da könne man doch was draus machen. Ein Sondermodell zum Beispiel, was Kleines mit viel Dampf, so ein Ding, was keiner für möglich hält, so wie früher. Ein anderer Kollege meldete sich, man habe gerade einen SQ2 stehen, da müsste vieles von den großen Motorumbauten passen. Roland fand schnell Gefallen an der Idee, diesem kompakten SUV über 500 PS einzuhauchen. Und noch ein Mitarbeiter brachte dann das Thema "Anniversary Edition 1 of 33" ins Spiel. So kam eins zum anderen, der SQ2 fand sich einen Tag später schon auf der Hebebühne ein, der Umbau war gestartet.

Herrlich, wie der deutlich größere Turbolader zwischen Motor und Spritzwand herauslugt.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Drei Monate später stand dieser SQ2 mit dem Zusatz "R" bei uns in der Redaktion. Genauso, wie man es von MTM erwartet, optisch unscheinbar bis auf die goldenen Räder und Anniversary-Schriftzüge. Ach ja, das Kennzeichen, IN-SQ 525, dreimal dürfen Sie raten, was das bedeutet? Richtig, 525 PS! Womit wir beim Herzstück des Umbaus wären, dem Vierzylinder. Wie bitte? Ja, der Mayer hat einfach den Zweiliter im SQ2 belassen und aufgepumpt. Er hätte auch einen Fünfzylinder passend gemacht, doch das wäre zu einfach. Nein, das von Audi und VW bekannte EA888-Generation4-Aggregat musste dran glauben. Stage 3 nennt Mayer den Kit von 300 auf 525 PS, 21.990 Euro teuer. Mit dabei ein neuer Turbolader mit verstärkter Rumpfgruppe und vergrößertem Verdichter- und Turbinenrad, gegossenes Verdichtergehäuse und verstärkte Axiallager, Ladeluftkühler, geändertes Vorrohr mit Metallkat und OPF, 76-Millimeter-Edelstahl-Abgasanlage mit geändertem Serien-Endschalldämpfer sowie Luftfiltereinsatz. Dazu wurde das Programm des Automatikgetriebes modifiziert und die maximale Schaltdrehzahl angehoben.
Die Motorelektronik wurde den neuen Zutaten angepasst und die Vmax-Sperre aufgehoben. Schließlich soll der SQ2 über 300 fahren. Klingt gewaltig für so einen SQ2. Und genau so ist die erste Fahrt.

Die Belederung in Grün/Schwarz gibt es für 5990 Euro.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Dieses Gefühl beim Serienauto von künstlich erzeugtem Spaß ist im MTM-Auto wie weggeblasen. Man glaubt gar nicht, in einem SQ2 zu sitzen. Der Sound, die Härte, der Schub, das alles fühlt sich nach sportlichem Coupé statt Kompakt-SUV an. Die Auspuffanlage begeistert mit knurriger Musik, der Lader vorne schnaubt hörbar. Auf dem Weg zur Teststrecke zeigt dieser SQ2 auch erstmals sein Kurvenpotenzial. Die montierten Semislicks halten die Vorderachse perfekt in der Spur, das Heck drückt hier und da mit, dem Powerplus sei Dank. Dass das verbaute Gewindefahrwerk für die Rennstrecke abgestimmt ist, merkt man auf holprigen Straßen.
Hier wird man ordentlich durchgeschüttelt. Aber: Das Setup ist änderbar, einfach weicher drehen. Auf der Landstraße zeigt der SQ2 hier und da seine 525 PS, mit Tempo 100 ist dieses Gerät jedoch deutlich unterfordert. Wir biegen noch mal ab auf die Autobahn und laden durch. Oh mein Gott, der Vierzylinder holt Luft, der Lader bläht sich auf, im Nu sind wir auf Tempo 200, 250 sind auch schnell geschafft, in jedem Gang ist bis in höchste Drehzahlspitzen richtig viel Saft da, am Ende stehen 309 im Display. So wundern wir uns auch nicht bei den Sprintmessungen über einen siebensekündigen Vorsprung auf Tempo 200 im Vergleich zur Serie.

20-zöllige Bimotos, 357-mm-Golf-R-Bremse und Michelin Cup 2 R.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Ab auf die Rennstrecke, obwohl so ein SQ2 da nichts zu suchen hat. Doch wenn der MTM Cup 2 R aufzieht, dann muss das gehen. Und wie das geht, obwohl wir anfangs mit der nicht optimalen Automatik zu kämpfen haben. Manuell geht nur über den zu weit vom Lenkrad entfernten Wählhebel, Schaltwippen Fehlanzeige. Im selbst schaltenden S-Modus ist es zwar nicht optimal, dennoch sauschnell genug. Fahrwerk und Reifen lassen für einen SQ2 irrwitzige Kurvengeschwindigkeiten zu. Ende Start-Ziel Tempo 225, auf Sportwagen-Niveau. Trotz viel Grip kann man die Hinterachse immer zum Mitlenken überreden, da kommt echt Fahrspaß auf. 1:36,42 steht am Ende auf der Uhr, inmitten waschechter Sportwagen. Ohne das Getriebe-Drama würde wahrscheinlich noch viel mehr gehen, Wahnsinn!
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