Test Opel GT gegen BMW Z4
Stiehlt Opel BMW die Schau?

Mit dem GT kommt Bewegung in die Roadster-Szene. Opels Zweisitzer ist schön, stark und preiswert. Der geht dem BMW Z4 an die Nieren.
Auf der Reeperbahn nachts um halb eins ... Da zeigt man, was man hat. Zumindest auf der Straße. Hamburgs sündige Meile wandelt sich vor allem zum Wochenende in einen vierspurigen Laufsteg. Den ganz großen Auftritt garantieren mächtige Sportwagen, edle Cabrios, offene Zweisitzer – schön auffällige Geräte eben. Typen wie der freizügige {
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} ziert sich ein wenig. Während der BMW auf Knopfdruck ruck, zuck seine knappe Stoffhülle fallen lässt, hakelt es beim Opel-Oberteil. Viel Handarbeit und etwas Überredungskunst ist notwendig, bis der GT endlich oben ohne dasteht. Eine elektrische Verdeckbetätigung gibt es für den GT nicht. Schlimmer noch: Das Dach macht sich im Kofferraum unnötig breit. Was da an Raum für Gepäck übrig bleibt, ist ein Witz: 66 magere Liter Stauvolumen sollen es sein, das reicht in der Praxis nicht einmal für eine Hutschachtel. Auch im Innenraum beschränken sich Ablagen auf Mini-Fächer und Winzig-Täschchen am Sitz. Klar, ein Roadster ist kein Laster. Aber der BMW zeigt schließlich, wie es gehen kann. Unter seine zusammengefaltete Kapuze passt immerhin viermal so viel Gepäck – also mindestens noch ein zweiter Satz Abendgarderobe. Es gibt sogar richtige Türtaschen, ein brauchbares Handschuhfach – selbst Getränkehalter.
Leistung und Fahrspaß viel wichtiger
So oder so – Kofferraum, Showpotential, Verdeckbedienung sind nur die eine Seite des Roadster-Vergnügens. Die andere ist vielen wichtiger: Leistung und Fahrspaß. Die 264 PS des GT und 265 PS des Z4, Hinterradantrieb, Sportfahrwerk und bissige Bremsanlage sind auf der Reeperbahn Verschwendung wie die dunkle Sonnenbrille in der Tabledance-Bar. Weshalb wir vom bunten Boulevard abbiegen und auf kurvige Landstraßen wechseln. Denn da gehören die beiden hin. BMW fährt dabei nach Art des Hauses. Mit sechs Zylindern, die sich tief hinten im Motorraum verbergen, weit in Richtung Fahrgastraum gerückt. Das ist super für die Gewichtsverteilung. Aus satten drei Liter Hubraum drückt der Z4 3.0si seine Leistung an die Hinterräder. Weich dreht der Motor hoch, bissig hängt er am Gas. Und: Er klingt toll, verbindet Ansauggeräusche, stampfende Mechanik und Auspuff-Röhren zum berauschenden Sportwagenerlebnis.
Bei den Fahrleistungen muss der GT passen

Auch wenn es für Roadster eher akademisch ist: Der breite GT steht so sperrig im Gegenwind, dass er trotz fast gleicher Leistung in der Höchstgeschwindigkeit nicht mithalten kann. Statt 250 schafft der GT nur 229 km/h. Auch beim Bremsen zeigt der BMW mehr Reserven. Mehr als einen Meter früher (36,5 Meter) kommt der Z4 zum stehen, und das bei kleinerer Reifendimension – klasse! So weit die sogenannte Längsdynamik. Geht es quer genau so gut? Auf jeden Fall! Subjektiv hat hier der Opel die Nase vorn. Seine leichtgängigere Lenkung vermittelt das Gefühl, in schnellen Wechselkurven mit den Fingerspitzen dirigieren zu können. Lastwechselreaktionen sind dem GT ohnehin fremd, selbst mit abgeschaltetem ESP (dreistufig) bleibt der neutral ausgelegte Roadster voll beherrschbar, im Sportfahrermodus beinahe narrensicher. Z4-Piloten brauchen bei abgeschaltetem Anti-Schleuderprogramm schnelle Reaktionen. Ohne ESP neigt der BMW beim Ausweichen zu sportlichen Heckschwenks. Wer es noch dynamischer mag: Auf Knopfdruck reagiert der Z4 spontaner aufs Gas, nimmt die Lenkunterstützung zurück. Insgesamt ist der BMW ein knackiger, souveräner Sportler. Was er für den Erfolg auf der Reeperbahn aber nicht nutzen kann.
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

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