Test Porsche Cayenne Diesel/Porsche-Trecker
Zwei aus einem Stall

Auch wenn die Familie pikiert die Nase rümpft: Porsche und Diesel, das hat Tradition. Schon die ersten Porsche-Trecker tankten Diesel. So wie jetzt der neue Cayenne. Ein Treffen auf dem Lande.
Porsche und Sportwagen – das gehört zusammen wie Boxer und Sechszylinder, wie PS und Drehzahl, wie Jungs und Gänsehaut. Die Zuffenhausener haben mit ihren Sportwagen Ikonen geschaffen, im Motorsport Weltmeister geboren, über Jahrzehnte Männerträume beschleunigt. Sie haben unser Benzin im Blut zum Kochen gebracht. Und jetzt das: Porsche tankt Diesel. So glaubhaft, als würde Madonna ein Buch über Keuschheit schreiben. Ausgerechnet Porsche. Der Cayenne bricht alle Dämme. Schlimm genug, dass der dicke Gelände-Brummer die Porsche-Genetik per se verwässert. Nun soll auch noch ein Ölmotor die reine Lehre verschmieren. Diesel im Porsche? Das geht doch gar nicht.
Ungehobelter Ackergaul trifft feinen Szene-Urenkel
Von wegen! Porsche mit Glüh- statt Zündkerzen haben sogar Tradition und eine ansehnliche Bilanz vorzuweisen. Junior, Standard, Master, Super – so hießen die erfolgreichen Selbstzünder vom Sportwagenexperten. Alles Trecker, Farmers Traumgeräte, Renntiere für den Acker. Tatsächlich hat Porsche einst mit diesen langsamen Typen schnelle Geschäfte gemacht, von 1956 bis 1963 verkauften sie sogar mehr Schlepper als 356er. Porsches Traktoren waren günstige, robuste, vielseitige "Hofschlepper" mit überschaubarer Technik. So einer wie der Standard 218V. Ein karminrotes Arbeitstier, das ich vor zehn Jahren einem Bauern im platten Dithmarschen abgeschnackt habe. Klar, dass jetzt das erste Diesel-Duell fällig war: Ungehobelter Ackergaul, Baujahr 1959, trifft feinen Szene-Urenkel. Ein 25-PS-Zweizylinder knattert gegen den 240 PS starken V6-Common-Rail an. 7800 Wirtschaftswunder-Mark messen sich mit 56.436 "Was kostet die Welt?"-Euro.
Cayennes Luftfederung ist teurer als der ganze Trecker

Bild: Angelika Emmerling
Keine zehn Minuten später erreicht der Olle seine Höchstgeschwindigkeit. 25 km/h. Jetzt fängt der Kampf mit der Maschine erst an: Der Standard hat den Geradeauslauf einer Hafenbarkasse, null Federung und kaum mehr Bremswirkung. Das war damals so. Die Porsche-Diesel sollten eben bei der Ernte helfen und nicht Frau Gemahlin beim Shoppen gut aussehen lassen. Genau das ist heute Cayenne-Schicksal. Mit seinem piekfein vernähten Lederinterieur, gebettet auf sensible Luftfedern, gedämmt per mehrlagigem Akustik-Vlies, überschüttet der Edel-Dampfer die Passagiere mit Komfort und Luxus, beschützt mit wuchtiger Präsenz, beseelt sie mit heftigem Vorwärtsdrang.
Schade, dass der Klotz so nach gar nichts klingt

Bild: Angelika Emmerling
Fazit
Auch wenn Trecker und SUV aus einem Stall kommen, sogar das gleiche Futter fressen, sind sie natürlich unvergleichbar. Es war klar, dass die Techniker trotz 50-jähriger Abstinenz das Thema Selbstzünder perfekt beherrschen. Sie durften halt nicht früher. Jetzt müssen auch Porsche und seine Kunden sparen, vor allem aber den CO2-Ausstoß reduzieren. So endet das Diesel-Embargo. Doch ein echter Porsche ist der Cayenne Diesel trotz Temperaments und Kraft für mich nicht, statt Kribbelsound und Drehzahl-Orgien gibt es nur fernes Brummen und synthetischen Schub. Eine Vernunft-Ehe.
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