Sparsam konnte er schon immer. Allerdings sah man dem Prius das bisher auch überdeutlich an. Die aerodynamisch optimierte Form des bereits 1997 an den Start gerollten Hybrid-Pioniers war etwa so sexy wie selbst gestrickte Wollsocken in Birkenstocks – beides dürfte nur eingefleischte Öko-Aktivisten schwach gemacht haben.
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Um künftig eine breitere Öffentlichkeit abzuholen, kommt Prius Nummer fünf jetzt also in einem richtig heißen Blechkleid und stets als Plug-in-Hybrid mit strammen 223 PS Systemleistung. Was der Sparer im Sportdress sonst noch draufhat, klärt unser Test.

Der Auftritt des Prius gerät ziemlich dynamisch

Nach einem Jahr Pause auf dem europäischen Markt präsentiert sich der neue Prius mit seiner coupéhaften Form deutlich dynamischer. Jeweils fünf Zentimeter flacher und kürzer, dabei nur zwei Zentimeter breiter als zuvor, bleibt das Platzangebot im 4,60 Meter langen Fließheck entsprechend überschaubar. Der Radstand legt zwar um fünf Zentimeter zu, die flach geduckte Karosserie lässt aber wenig Luft überm Scheitel.
Toyota Prius Plug-in-Hybrid
Spritsparer im Sportdress: Die fünfte Generation des Toyota Prius fährt im betont dynamischen Blechkleid vor.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD

Vorn vermittelt die extrem schräg gestellte A-Säule großen Piloten zudem ein eher beengtes Raumgefühl, die Sitze fallen zu zierlich und zu schwach gepolstert aus, bieten nicht wirklich Seitenhalt. Auch hinten geht es wenig luftig zu. Wer über die schicken, aber unpraktischen Taster in der C-Säule die Fondtür entriegelt, muss sich sorgsam unter die flache Dachlinie fädeln.

Wenig Platz in Reihe zwei und im Kofferraum

Innen bleibt dann nicht sonderlich viel Kopffreiheit (Innenhöhe 90 cm), weil wir im neuen Prius auf dem Akkupaket sitzen. Trotzdem hocken die Hinterbänkler eher flach über dem Fahrzeugboden (31 cm Beinhöhe), was bei langen Beinen auf längeren Strecken kein Spaß ist.
Toyota Prius Plug-in-Hybrid
Etwas dürftig: In den Kofferraum des Prius passen gerade einmal 284 Liter. Ein Maximalvolumen gibt Toyota gar nicht an.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD

Wer jetzt denkt, dann raubt die Batterie keinen Platz im Kofferraum, wird enttäuscht. Gerade mal 284 Liter nennt Toyota, einen Wert mit umgeklappter Fondlehne gibt es gar nicht. Unverständlich, dank großer Heckklappe dürfte hier schon was gehen.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor
Vierzylinder plus Elektromotor 
Einbaulage, Hubraum
vorn quer, 1987 cm³
Leistung Verbrennungsmotor 
111 kW (151 PS) bei 6000/min 
max. Drehmoment Verbrennungsm. 
190 Nm bei 4000/min 
Leistung Elektromotor 
120 kW (163 PS) 
max. Drehmoment Elektromotor 
208 Nm 
Systemleistung 
164 kW (223 PS) 
Vmax
177 km/h 
Getriebe 
stufenloses Automatikgetriebe 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
195/50 R 19 H 
Reifentyp 
Yokohama BluEarth GT 
Abgas CO2* 
16 g/km 
Verbrauch* 
0,7 l S + 12,6 kWh/100 km 
Tankinhalt/Batteriekapazität 
40 l/13,6 kWh 
Kraftstoffsorte 
Super/elektrischer Strom 
Ladeleistung/–zeit 
3,3 kW/ca. 4 Stunden 
Tankdeckel/Ladeanschluss 
hinten links/hinten rechts 
Vorbeifahrgeräusch 
65 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
–/– 
Stützlast 
– 
Kofferraumvolumen 
284 l 
Länge/Breite/Höhe 
4599/1782/1470 mm 
Radstand 
2750 mm 
Grundpreis
45.290 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
47.190 Euro

Materialauswahl und Verarbeitung passen

Untadelig zeigen sich dagegen Verarbeitung und Materialqualität, hier fasst sich fast alles angenehm an, klappert so gut wie nichts. Auch die Bedienung liefert wenig Anlass zur Klage. Der angenehme Mix aus Touch und Tasten sollte niemanden vor echte Probleme stellen, die Sprachassistenz zeigt sich verständig und beherrscht die wichtigsten Funktionen.
Toyota Prius Plug-in-Hybrid
Arbeitsplatz: Hier gibt es wenig zu kritisieren, die Qualität ist gut, auch die Bedienung passt. Aber das Cockpit-Display ist zu hoch montiert.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD

Als störend empfinden nicht wenige allerdings das hoch montierte Fahrerdisplay. Das Lenkrad muss weit nach unten gestellt werden, um einen optimalen Blick darauf zu haben. Und als Ersatz für ein Head-up-Display taugt das grafisch einfache 7-Zoll-Display nicht, auf jeden Fall fehlt eine Kartendarstellung fürs Navi.

Das Motorenduo schiebt ganz ordentlich

Seine 223 PS Systemleistung lassen den Prius beim Start ganz vorn dabei sein, 7,3 Sekunden reichen für den 100-km/h-Sprint. Dass bei 177 km/h schon wieder Schluss ist, lässt sich verschmerzen, weil der Plug-in ohnehin lieber Halb- als Vollgas gibt. Wer es ruhig angehen lässt, freut sich über wenig Lärm, eine lässige stufenlose Automatik und sehr günstige Verbräuche.
Toyota Prius Plug-in-Hybrid
Zügig unterwegs: Den Sprint auf Tempo 100 erledigt der neue Prius in 7,3 Sekunden. Bei 177 km/h ist Schluss mit Vortrieb.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD

Das Motoren-Doppel spricht dabei angenehm direkt und spontan an, der früher oftmals nervige CVT-Gummibandeffekt tritt hier eher selten und nur bei Hardcore-Heizern auf. Glauben Sie uns, zu denen wollen Sie nicht gehören. Auch wenn der Prius mit ausgewogener Lenkung sowie fester und dennoch komfortabler Federung tatsächlich so etwas wie Fahrdynamik vermittelt, legen am Limit Grip-schwache Ökoreifen und flaue Bremswege eine gemütliche Gangart nahe.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,2 s 
0–100 km/h 
7,3 s 
0–130 km/h 
11,4 s 
0–160 km/h 
17,1 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
3,5 s 
80–120 km/h 
4,6 s 
Leergewicht/Zuladung 
1590/405 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
56/44 % 
Wendekreis links/rechts 
11,4/11,2 m 
Sitzhöhe 
515 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
38,3 m 
aus 100 km/h warm 
38,7 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A) 
bei 100 km/h 
64 dB(A) 
bei 130 km/h 
68 dB(A) 
Verbrauch
Stromverbrauch (hochgerechnet) 
20,0 kWh/100 km 
Testverbrauch (60 % Hybrid–; 40 % E-Anteil)
3,2 l S + 8,0 kWh/100 km
Verbrauch mit leerer Batterie 
5,3 l S/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
76 g/km 
Reichweite 
754 km + 68 km elektrisch 

Preisliste beginnt bei 45.290 Euro

Bei einem Grundpreis von 45.290 Euro schlucken viele kurz. Ein Corolla Touring Sports mit 197 PS starkem Vollhybrid kostet rund 7000 Euro weniger. Doch der Prius bietet ja auch einiges. Der Plug-in schafft zum Beispiel 68 Kilometer rein elektrisch, Pendler können hier deutlich sparen. Außerdem steckt schon in der Basis viel Ausstattung, von der Wärmepumpe bis zur Zwei-Zonen-Klimaautomatik fährt alles Wichtige mit.

Wertung

Wertung
Karosserie
Hübsch, aber kein Raumwunder. Kofferraum zu klein, keine Anhängelast, schlechte Rundumsicht.
2,5/5 Punkten
Antrieb
Munteres Motorenduo mit guter Laufkultur, CVT weitgehend unauffällig, günstig im Verbrauch.
4/5 Punkten
Fahrdynamik
Fährt sich dank ausgewogener Lenkung und verbindlichem Fahrwerk agil, Bremse schwach.
3,5/5 Punkten
Connected Car
Sprachbedienung besser als zuvor, Assistenz reichlich vorhanden, Navi etwas altbacken/langsam.
3,5/5 Punkten
Umwelt
Abmessungen und Gewicht bleiben im Rahmen, CO2-Ausstoß gering, Rekuperation dreistufig.
4/5 Punkten
Komfort
Federung schluckt viel, ohne schwammig zu wirken, Sitze zu klein und nicht optimal gepolstert.
3,5/5 Punkten
Kosten
Kein Sonderangebot, wohl aber wertstabil. Wartung jährlich, dafür bis 15 Jahre Garantie. Vollkasko teuer.
3/5 Punkten
AUTO BILD-Testnote
3+

Ärgerlich: Mehr als 3,3 kW Ladeleistung gibt es nicht – da lädt der 13,6-kWh-Akku rund vier Stunden. Die Wartung jedes Jahr oder alle 15.000 Kilometer sorgt bei der Kostenkalkulation dann auch nicht gerade für Hochstimmung. Wer die Checks aber gewissenhaft durchzieht, wird mit bis zu 15 Jahren Garantie belohnt. Was auf seine Art ja auch sexy ist.

Bildergalerie

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Toyota Prius Plug-in-Hybrid im Test

Der Prius bleibt ein Fall für Fans, im Alltag erfordert er dann doch einige Kompromisse. Künftig steht beim Hybrid-Pionier neben der Sparsamkeit aber auch ein bisschen Sportlichkeit im Fokus – was die Sache ja nicht schlechter macht. AUTO BILD-Testnote: 3+