Tradition, Design, GTi: Interview mit Peugeot-CEO Alain Favey
So will Peugeot neue Hersteller chancenlos machen

Wie sich die Marke Peugeot für die Zukunft aufstellt und wie sie sich sowohl zu anderen Stellantis-Marken als auch zu neuen Herstellern abgrenzt, verrät CEO Alain Favey im Interview.
Bild: Collage / Peugeot
Seit dem 3. Februar 2025 ist Alain Favey CEO bei Peugeot im Stellantis-Konzern. Im Interview erklärt er, wieso gerade die langjährige Tradition der Marke einen Wettbewerbsvorteil bietet, wie die Elektrostrategie von Peugeot aussieht und warum der neue GTi so wichtig ist.
"Design ist der Weg, uns abzuheben" – Interview mit Alain Favey (CEO Peugeot)
Alain Favey: Das ist eine Frage, die mich täglich beschäftigt. Für uns ist Design der zentrale Weg, uns abzuheben – außen wie innen. Ein gutes Beispiel ist das i-Cockpit, das wir vor 13 Jahren eingeführt haben. Durch das kleinere Lenkrad und die besondere Sitzposition können wir das Interieur völlig anders gestalten als andere Marken. Unser Innenraumdesign hebt sich klar ab: Man mag es, oder man mag es nicht, aber es ist anders. Dasselbe gilt für das Exterieur, etwa die neue Lichtsignatur beim 308-Facelift. Und das Concept Car "Polygon" zeigt bereits, in welche Richtung wir künftig gehen wollen. All das hilft uns, uns von der Konkurrenz zu unterscheiden – und es funktioniert sehr gut.

Das Konzeptfahrzeug Polygon gibt einen Ausblick auf das zukünftige Design von Peugeot.
Bild: Stellantis
3008 und 5008 sind wichtige Modelle für Marge und Marktposition. Gleichzeitig treten neue, chinesische Hersteller in diesem Segment der C-SUV sehr aggressiv auf. Wie wollen Sie trotzdem Marktanteile gewinnen?
Favey: Über das Zusammenspiel aus Design, Fahrgefühl und Qualität. Gerade im neuen 3008 und 5008 zeigt das Panoramic i-Cockpit unsere Weiterentwicklung. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf die typischen "Driving Sensations" eines Peugeot – also Straßenlage, Federung, die Art, wie sich ein Peugeot anfühlt. Dazu kommt die Materialqualität im Innenraum. Diese drei Elemente unterscheiden uns stark. Und wir haben eine starke Tradition als französische Marke aus dem Osten Frankreichs. Unsere C-Segment-Fahrzeuge entstehen in Sochaux und Mühlhausen, Regionen, in denen Peugeot historisch verwurzelt ist. Das ist ein Teil unserer Identität – etwas, das chinesische Marken in Europa so nicht haben. Natürlich ist der Wettbewerb hart, aber 3008 und 5008 behaupten sich bisher sehr erfolgreich.
Was antworten Sie Kunden, die sagen: "Bei chinesischen Marken bekomme ich mehr Technik zum gleichen Preis"?
Favey: Erstens stimmt das so nicht. Beim 3008 und 5008 bieten wir eine sehr breite Antriebspalette: die Dual-Motor-Version mit 325 PS und Allrad, den neuen Plug-in-Hybrid oder die Long-Range-Variante mit 700 Kilometern Reichweite. Das gibt es nicht überall. Zweitens haben Sie mit Peugeot eine Marke mit 215 Jahren Tradition, mit einem gewachsenen Händler- und Servicenetz – Strukturen, die neue Marken erst aufbauen müssen. Viele unserer Händler vertreten Peugeot seit Jahrzehnten. Und: Wir geben acht Jahre Garantie auf unsere Elektrofahrzeuge.
Peugeot bringt den GTi zurück. Welche Rolle spielt die sportliche Linie künftig? Können wir weitere Modelle erwarten?
Favey: GTi gehört zu unserem Erbe, und das Feedback nach der Ankündigung des 208 GTi in Le Mans war überwältigend positiv. Das Auto stellen wir 2026 in Le Mans vor, dann öffnen wir auch die Bestellungen. Und ja, wir arbeiten an weiteren GTi-Modellen. Wir haben mehrere Konzepte in Vorbereitung, über die wir 2026 sprechen werden. Mehr kann ich heute noch nicht sagen.

Der GTi kehrt zurück. Auch wenn antriebsseitig alles auf Zukunft steht, gibt es im Design einige Elemente (z. B. Felgen, Sitzmuster), die an den ikonischen 205 GTi erinnern.
Bild: Stellantis
Der neue 208 GTi ist rein elektrisch. Wie überträgt man ein emotionales Label wie GTi ins Elektrozeitalter?
Favey: Die Leistung ist kein Problem – ein Elektroauto mit 280 PS macht automatisch Spaß. Die Herausforderung liegt eher im Fahrwerk: Die Kraft muss so umgesetzt werden, dass es sich wie ein echter GTi anfühlt. Ein Verbrenner war keine Option, weil in Frankreich hohe CO₂-Steuern angefallen wären. Das Auto hätte rund 70.000 Euro gekostet und wäre schlicht nicht marktfähig gewesen. Deshalb war klar: Der GTi wird elektrisch. Und es passt zu unserer Strategie. Wir wollen aktiv zur Dekarbonisierung der Mobilität beitragen – auch mit sportlichen Modellen.
Peugeot hat das Ziel ausgegeben, im europäischen Volumensegment zur führenden Elektromarke zu werden. Was sind die größten Hindernisse? Kosten? Ladeinfrastruktur?
Favey: Es ist eine Mischung aus allem. Wichtig ist: Wir bieten jedes Modell auch als Elektrovariante an – bei Pkw wie bei leichten Nutzfahrzeugen. Diese Multi-Energy-Strategie verfolgen wir seit Jahren. Sie macht uns unabhängig vom Tempo des Markthochlaufs. Wir können flexibel auf die tatsächliche Nachfrage reagieren, und das ist ein großer Vorteil.
Die EU überlegt, das Verbrennerverbot für 2035 zu verschieben oder aufzuweichen. Hat das Auswirkungen auf Ihre Planung?
Favey: Ja. Bis Ende 2024 wollten wir bei Stellantis ab 2030 gar keine neuen Verbrenner mehr einführen. Anfang 2025 haben wir das angepasst: Aufgrund der Marktentwicklung werden wir auch nach 2030 Verbrenner anbieten. Die Multi-Energy-Strategie bleibt also länger.
Sie hatten ambitionierte Ziele für 2025: 1,1 Millionen Fahrzeuge, CO₂-Ziele erfüllen, Marktanteil steigern. Wo stehen Sie jetzt?
Favey: Wir veröffentlichen die finalen Zahlen Anfang 2026. Aber bis Ende Oktober sieht der Trend gut aus: 919.000 verkaufte Fahrzeuge weltweit, ein Plus von drei Prozent. In Europa liegen wir ein Prozent über Vorjahr, außerhalb Europas etwas mehr, etwa im Nahen Osten oder in Südamerika. Auch der Marktanteil ist gestiegen.
Was sind die wichtigsten Ziele für 2026 – bei Produkten, Positionierung und Profitabilität?
Favey: 2026 wird spannend: Wir bringen die Facelifts von 308 und 408. Beim 3008 und 5008 vervollständigen wir das Sortiment mit allen Antriebsvarianten – Long Range, Dual-Motor, Allrad und dem neuen Plug-in-Hybrid, der gerade in Deutschland durch die neue E-Auto-Förderung interessant werden dürfte. Außerdem führen wir endlich den 208 GTi ein. Parallel präsentieren wir das Concept Car "Polygon" weltweit und zeigen erstmals die neue Steer-by-Wire-Technologie "HyperSquare" im Einsatz. Diese Technologie gibt es bisher nur in wenigen sehr hochpreisigen Modellen – wir bringen sie ab 2027 in den neuen 208. Das ist unsere Rolle als europäische Volumenmarke: Innovation vorantreiben und demokratisieren. Deshalb ist eine starke europäische Autoindustrie auch so wichtig.
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