Eigentlich schien die Sache klar zu sein. Am 14. Mai 2022 um 18 Uhr stand Daniel Fischer mit seinem Audi A4 Avant (Baujahr 2016, 70.000 Kilometer) im Hamburger Berufsverkehr. Ein Smart-Fahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen – und krachte ins Heck des Audi. Der Unfallverursacher meldete den Scha­den seiner Versicherung, der HUK.
Am 19. Mai begutachtete ein TÜV-Sachverständiger den Wagen. Die Stoßstange war kaputt, am Ende bezifferte der Experte den Schaden auf 3674,13 Euro plus 752,08 Euro für das Gutachten. Als Vorschäden nennt er meh­rere Kratzer, die er mit 100 Euro vom Reparaturbetrag abzieht. Am 7. Juni wurde der Schaden repariert.
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Und dann kam Post. Am 14. Juni schickte die HUK Fischer einen Brief, in dem sie die Regulierung verweigerte (Teilkasko oder lieber Vollkasko?). Insgesamt fünf Ge­richtsurteile zog sie als Begründung dafür heran, der Text war für einen Laien schwer verständlich. Der Kernsatz lautete: "Da nicht auszuschließen ist, dass der geltend gemachte Schaden ebenfalls von dem früheren Ereignis stammt, leh­nen wir die Regulierung ab."
Die HUK unterstellte also, dass Fischer einen Altschaden eventuell doppelt abrechnen wollte. Und in der Tat, Ende 2017 war schon ein­mal jemand auf Fischers Audi auf­gefahren (Wann ist ein Auto ein Unfallwagen?). Schaden damals: 1198 Euro. Die Rechnung vom VW-Auto­haus kann der 31-Jährige vorlegen. Sie wurde seinerzeit beglichen von der Versicherung des Unfallgegners. Und die hieß: HUK (Ratgeber Versicherungswechsel).
Auffahrunfall und die HUK zahlt nicht - Report
Am 14. Mai 2022 fuhr ein Smart auf den stehen­den Audi von Fischer auf. Der Fahrer meldete das seiner Versiche­rung.

Nun wollte das Coburger Un­ternehmen offen­bar nicht noch einmal für einen Heckschaden bei Fischer aufkommen. Der IT-Berater wandte sich an die renommierte Hamburger Ver­kehrsrechts­kanzlei Ochsen­dorf & Coll. Rund 30.000 Versicherungsfälle werden dort pro Jahr bearbeitet. JUDr. Frank Ochsendorf sagt: "Die Versicherer verstecken sich dahinter, dass sie so Betrugs­fällen vorbeugen wollen, indem ein Schaden zweimal abgerechnet wird. Grundsätzlich ist dagegen auch nichts zu sagen. Besonders rabiate Versicherungen wie in diesem Fall sagen aber einfach: 'Dann klag doch.' Die wissen, dass das mit hohen Kosten verbunden ist."
Auffahrunfall und die HUK zahlt nicht - Report
2017 ist ihm schon einmal ein Auto aufgefahren. "Der Schaden lag bei 1198 Euro, wurde bei VW repariert", sagt Fischer.
Und Fischer hat keine Rechts­schutzversicherung. "Im Grunde gehen alle Versicherer so vor", sagt JUDr. Ochsendorf. "Aber die HUK ist dabei die innovativste Gesellschaft." Immerhin: "Die Rechtsprechung des BGH in solchen Fällen ist in­zwischen deutlich verbraucher­freundlicher", sagt der Anwalt.
In Internet-Portalen klagen viele Kunden über die regiden Methoden der HUK. Die äußert sich auf AUTO BILD-Anfrage so: "Es ist unstreitig, dass Herrn Fischers Auto zum Un­fallzeitpunkt einen Vorschaden hatte, der im erneut beschädigten Bereich lag. Der Sachverständige hatte das in seinem Gutachten auch berücksichtigt und bei der Be­rechnung der Reparaturkosten einen Kompen­sationsbetrag abgezogen. Der war aus unserer Sicht aber zu gering. Deshalb haben wir seinen Rechts­anwalt um nähere Darlegung gebeten."
Auffahrunfall und die HUK zahlt nicht - Report Gutachten
Nach dem Unfall kam der Wagen in die Audi-Werkstatt. Ein TÜV-Gutachter bezifferte den Scha­den auf 3674,13 Euro.
Leider warte die HUK seit über zwei Monaten auf dessen Antwort, heißt es weiter. "Uns liegt an einer güt­lichen Einigung, deshalb haben wir den Sachverhalt jetzt noch einmal geprüft. Da uns keine de­taillierteren Informationen vorlagen, haben wir das Ausmaß des Schadens jetzt selbst bestimmt. Dazu haben wir die von der Schadenüberlage­rung betroffenen Positionen der Stoßfängerabdeckung sowie deren Lackierung aus der Reparaturrech­nung herausgerechnet und entsprechend reguliert. Sollte Herrn Fischers Sachverständiger Einwendungen haben, sind wir gerne bereit, uns mit ihm darüber auseinanderzusetzen." Das klingt doch nach einer bal­digen Lösung.

So hilft der Ombudsmann bei Ärger mit der Versicherung

Wer Ärger mit einer Versiche­rung, aber keinen Rechts­schutz hat, kann sich an eine kostenlose Schlichtungsstelle wenden. Seit 2001 gibt es den in Berlin ansässigen Ombudsmann für Versicherun­gen. Er ist eine neutrale, un­abhängige Instanz. 95 Prozent der Versicherungsunternehmen in Deutschland haben sich dem System angeschlossen.
Das Verfahren ist für den Versicherungskunden gratis und dauert in der Regel weniger als drei Monate. Die Erfolgsquote liegt bei mehr als 40 Prozent. Der Ombuds­mann entscheidet nach Recht und Gesetz – genau wie ein Richter.
Ist der Streitwert geringer als 10.000 Euro, muss sich die Versicherung an die Ent­scheidung des Ombudsmannes halten. Bei höheren Beträgen gibt er eine nicht bindende Einschät­zung ab. 2021 wurden 14.000 Beschwerden behandelt. Infos unter:
www.versicherungsombudsmann.de