Eigentlich wollte sie ja auf die Bühne. Als Schauspielerin. Aber irgendwann begriff Maja Hofmann, dass es auch unter der Bühne faszinierend sein kann. Um Klassiker geht's auch da. Um Sein oder Nichtsein. Manchmal um Tragödien. Seit zwei Jahren betreibt die 37-Jährige eine Werkstatt für US-Oldtimer in Brandenburg. Wilder Westen im tiefsten Osten.
Elsterwerda liegt im "Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft". Maja ist hier aufgewachsen. Ihre Familie baut in der Kleinstadt nach der Wende ein Citroën-Autohaus auf. Irgendwann sattelt der Vater um – und beginnt mit dem Verkauf von US-Autos. Er ist Harley-Fan, gemeinsam mit seiner Tochter cruist er nach Feierabend durch die ostdeutsche Prärie.
Der 1983er Ford Crown Victoria gehört ihr selbst. "Bekannt als Polizeiwagen, Fluchtfahrzeug oder Taxi", sagt Maja.
Bild: Holger Karkheck / AUTO BILD

Als Maja nach dem Abitur Schauspiel studieren will, sind ihre Eltern der Meinung, eine klassische Ausbildung sei vielleicht erst einmal der bessere Weg. Also beginnt sie die Lehre zur Kfz-Kauffrau. Und bricht sie nach der Zwischenprüfung ab. "Ich habe irgendwann festgestellt, dass mich die Technik mehr interessiert als der Verkauf“, sagt Maja. Sie lebt einige Jahre in Berlin, kehrt wieder nach Hause zurück – und wagt den American Way of Life. Sie macht sich selbstständig, will zeigen, was in ihr steckt. Dass auch Frauen in einem immer noch sehr typischen Männerberuf bestehen.

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Kfz-Mechatroniker noch immer typischen Männerberuf

Eine Zahl: 2021 begannen zwar 17.123 junge Männer eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Aber nur 981 Frauen. "Als ich noch im Verkauf gearbeitet habe, hat schon gelegentlich jemand nach dem Chef gefragt", sagt Maja.
In der Werkstatt sei das inzwischen anders. "Da ist es vielleicht sogar ein Vorteil, dass ich eine Frau bin. Das nimmt den Männern den Druck, so zu tun, als wüssten sie alles."
Maja in ihrem Oldsmobile 88 von 1955. Der Wagen ist aufwendig restauriert, die Ledersitze sind neu bezogen.
Bild: Holger Karkheck / AUTO BILD

"Deine Autostube – by Maja & the Good Guys" nennt Maja Hofmann ihren Betrieb. Und irgendwie erwartet man, dass in der Werkstatt ein altes Radio dudelt und Johnny Cash singt. Aber es ist dann doch etwas moderner. Ein halbes Dutzend Fahrzeuge steht in der großen Halle, überall liegt Werkzeug herum, auf einer Palette steht ein Motor. Sagen wir so: In der guten Stube herrscht ein wenig kreatives Chaos. Aber irgendwie passt das.

Vom Gärtner bis zum Ingenieur ist alles dabei

Maja besitzt inzwischen zwei Legenden: einen Oldsmobile 88 und "meine Victoria", wie sie ihren 1983er Ford Crown Victoria nennt. Damit fährt sie regelmäßig zu Treffen in der Region.
Die Kunden – vom Gärtner bis zum Ingenieur ist alles dabei – kommen inzwischen sogar aus Dresden oder Berlin nach Elsterwerda. In der Werkstatt stehen Fahrzeuge mit Kennzeichen wie GS (Goslar), EE (Elbe-Elster-Kreis), DD (Dresden) oder SPB (Spremberg). Maja kümmert sich um die Aufbereitung. Erneuert Lacke, poliert Felgen, arbeitet Sitze und Armaturenbretter auf.
Die Rocket-Figur auf dem Oldsmobile kommt nicht von ungefähr. Unter der Haube stecken 241 PS.
Bild: Holger Karkheck / AUTO BILD

Fürs Schrauben hat sie Mechaniker Manuel angestellt. "Er kümmert sich um Motor, Getriebe, Zündung, Vergaser – dort, wo es überall hakt." Wenn ein Dodge nicht durch den TÜV kommt, weil  laut Prüfprotokoll das "Differenzial leicht ölig" ist, wissen Maja und der good guy Manuel Rat.

Ersatzteile direkt aus den USA

Nun gut, manchmal kommt auch nur einer mit seinem Skoda Fabia, um eine Einparkhilfe nachzurüsten, auch der wird natürlich bedient. Aber Majas Herz schlägt für alte Amis. Warum? "In der Einfachheit der Fahrzeuge liegt der Reiz. Und gleichzeitig die Herausforderung. Schließ da mal ein Diagnosegerät an", sagt Maja und lacht.
Ersatzteile bestellt sie inzwischen direkt in den USA, sie hat sich dort ein großes Händlernetz aufgebaut. "Die Teile sind mit FedEx innerhalb von vier Tagen hier."
Schrauber Manuel hat früher in einer Lkw-Werkstatt gearbeitet. Viel kleiner sind die Motoren heute auch nicht.
Bild: Holger Karkheck / AUTO BILD

Die junge Frau ist selbstständig in jeder Hinsicht. Ihre Internetseite hat sie selbst gebaut. Und per YouTube-Videos gelernt, wie man Fahrzeuge fotografiert.
Um den Verkauf der Autos kümmert sich weiterhin ihr Vater nebenan im ehemaligen Citroën-Autohaus. Er besorgt auch Fahrzeuge direkt aus Amerika, wenn ein Kunde etwas Bestimmtes sucht. "Bei mir in der Werkstatt wird der Wagen dann für den deutschen TÜV fit gemacht", sagt Maja.

Amerika-Reise steht noch aus

Besonders schön ist ein Cadillac Fleetwood Brougham, der zum Verkauf steht. Anfang der 1980er-Jahre war das eine absolute Luxuslimousine. Ausgestattet mit Sitzen wie Sofas, viel Holz in der Hütte – und einer geradlinigen Karosserie mit Chrom vom Kühler bis zum Heck.
Cadillac Fleetwood Brougham von 1982: ein Wohnzimmer auf Rädern! Drei Automatikstufen, acht Zylinder, 143 PS aus sechs Liter Hubraum. Für 16.790 Euro zu haben.
Bild: Holger Karkheck / AUTO BILD

Von welchem Auto sie selbst noch träumt? "Schwer zu sagen, auf jeden Fall von einem Auto mit vielen PS. Freunde behaupten, ich fahre wie eine Wildsau", sagt Maja und lacht. Wobei sich das gerade etwas ändert. Denn seit ein paar Wochen hat Maja noch einen zweiten Job, vor und nach Feierabend.
Im Dezember hat ihre Frau, eine Grundschullehrerin, ein Kind bekommen. Und wenn das Töchterchen ein bisschen größer ist, wollen sich die beiden Frauen einen großen Traum erfüllen: endlich mal nach Amerika reisen. "Denn da war ich noch nie", sagt Maja und zuckt mit den Schultern.