Die Europäische Union (EU) verbietet neue Pkw mit Verbrennungsmotoren erst ab 2035. Was bei uns monatelange Verhandlungen und Ausnahmen für synthetischen Kraftstoff erforderte, hat ein ostafrikanisches Land jetzt sozusagen im Schnellgang beschlossen: Äthiopien, das keine eigene Automobilindustrie hat, will Importe von Fahrzeugen mit Benzin- und Dieselmotoren komplett verbieten. Und zwar offenbar nicht erst in zehn Jahren, sondern spätestens 2025.
Äthiopien ist rund dreimal so groß wie Deutschland, hat mit rund 123 Millionen aber nur wenig mehr Einwohner. Und während auf unseren Straßen mehr als 60 Millionen Autos rollen, sind es in Äthiopien nur rund 1,2 Millionen, etwa die Hälfte davon in der Hauptstadt Addis Abeba. Die meisten sind importierte Gebrauchtwagen aus Europa, dem Nahen Osten oder China.
Autofahren ist Luxus in Äthiopien, wo das Durchschnittseinkommen unter 1000 Euro pro Jahr liegt. Gebrauchte Verbrenner-Modelle sind mehr als doppelt so teuer wie in Deutschland. Die Kraftstoffpreise liegen pro Liter bei rund 1,25 Euro für Benzin und 1,35 Euro für Diesel. Seit vier Jahren gibt die Regierung deswegen Vollgas in Sachen Elektrifizierung.
Autoabgase aus einem Auspuffrohr
Schon zehn Jahre vor der EU will Äthiopien Benziner und Diesel verbieten.
Bild: DPA

E-Autos lohnen sich in Äthiopien

E-Autos sind von Einfuhr-, Luxus- und Mehrwertsteuer befreit. Eine Kilowattstunde Strom kostet in dem Land, das große Teile seiner elektrischen Energie aus Wasserkraft gewinnt und das größte Wasserkraftwerk Afrikas betreibt, Privatkunden weniger als ein Cent. Das vollelektrische Fahren ist also praktisch kostenlos.
Hauptgrund für das Verbrenner-Verbot in Äthiopien ist allerdings weniger der Umweltschutz. Das von einem Bürgerkrieg zerrissene Land mit nur begrenzter eigener Ölförderung hat vielmehr Probleme, Rohstoffe auf dem internationalen Markt einzukaufen. "Einer der Gründe für diese Entscheidung ist, dass Äthiopien es sich aufgrund der begrenzten Devisenressourcen nicht leisten kann", erklärte Premierminister Alemu Sime gegenüber der Nachrichtenagentur APA News.

Elektroautos für rund 80.000 Euro

Aktuell sind im Land etwa 7000 E-Fahrzeuge unterwegs. Zumindest in Addis Abeba (rund 5,7 Millionen Einwohner) gehören VW ID.4, Audi Q5 e-tron und Toyota bZ4X inzwischen zum Straßenbild, auch hier handelt es sich fast immer um Gebrauchtimporte. Angeboten werden sie wie in Europa auf Internetplattformen, zu Preisen von umgerechnet rund 80.000 Euro.