Verbrenner oder Elektroauto? Hitziger Schlagabtausch ohne klaren Sieger
Soll sich doch jeder ein Auto mit dem Motor seiner Wahl kaufen!

Kommt der Verbrenner zurück oder feiert das E-Auto seinen Durchbruch? Beides lässt sich heute nicht sagen, stattdessen wird ein schleichender Übergang stattfinden, bis Verbrenner zu teuer werden. Ein Plädoyer gegen ideologische Zuspitzung und Verbieteritis.
Bild: AUTO BILD Montage
Kommt der Verbrenner zurück? Kann sich das E-Auto durchsetzen? Die aktuelle Diskussion um ein Comeback des Verbrennerautos, wie Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer in BILD schreibt (hinter der Bezahlschranke), oder den Streit um einen "Durchbruch fürs E-Auto" führt in meinen Augen in die Irre, denn beide Fragen sind falsch gestellt. Oder besser: Jede Antwort auf die Frage wäre falsch.
Denn es geht nicht um das Entweder-oder einer Antriebsart, sondern ein Sowohl-als-auch. Der Übergang zum Elektroauto wird naturgemäß ein fließender sein. Meine Prognose zum Verbrenner: Es findet ein Herausschleichen statt – sowohl bei Herstellern wie auch Autokäufern.
Der Grund dafür ist einfach: Das Verbrennen von fossilen Brennstoffen wird entweder zu teuer (Stichwort steigende CO2-Abgabe vor dem Hintergrund eines politischen Verbrenner-Aus durch die EU) oder der Preis für E-Fuels fällt zu hoch aus für den Alltagsbetrieb von Pkw. Wenn jemand heute noch einen Verbrenner kaufen will, bitte schön. Wie die Spritpreise und Restwerte 2030 stehen, ist heute noch nicht zu sagen. Strom dürfte mit steigender Verbreitung erneuerbarer Energie auf Dauer eher günstiger werden.
Dummerweise gibt der Austausch der jeweiligen Argumente gerade kein schönes Beispiel für Toleranz und Miteinander ab, es ist ein Streit um Extrempositionen, um das Durchsetzen einer speziellen Sichtweise. Darin liegen große Probleme. Ein versöhnliches Miteinander würde in eine bessere Zukunft führen. Warum geht das nicht?
Weil die Lauten besser durchdringen, und eine polarisierte Diskussion den Scharfmachern nützt: denjenigen, die Freude am Zündeln, am Streiten und am Teilen der Gesellschaft empfinden. Und wir Menschen lieben griffige Bilder: "Durchbruch", "Blase geplatzt", "Comeback". Dumm nur: Die Realität lässt sich damit nicht abbilden.
"Die Grünen wollen uns die Verbrenner wegnehmen"
Übelwollende Vermutungen bringen auch nicht weiter. Wollen die Grünen uns die Verbrenner wegnehmen? Kann man sie ja mal fragen, ich vermute eher, die Partei ist von Sorge um die Zukunft unserer Kinder und Enkel getrieben, und mit der Sorge geht die Idee einher, wie man den Ausstoß von CO2 in die Atmosphäre verringern kann. Eine im Übrigen sehr konservative Sichtweise, ganz im Sinn des Bewahrens der Welt. Wer würde es abstreiten: Das Verbrennen von fossilen Treibstoffen erwärmt das Klima, und solange wir das tun, wird sich das Klima erwärmen.

Ist tonnenschwer und verbraucht viel: Audi SQ7. Geschmack des Autor? Nein. Aber sollte man den Verkauf verbieten? Keineswegs!
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Ich halte aber wenig von Verbieteritis, denn mit dem Verlust der Wahlfreiheit verlieren wir auch ein zentrales Gut unserer freien Gesellschaft. Und es weiß auch jeder, dass wir beim Fahren nicht von heute auf morgen umschwenken können.
Soll sich jeder das Auto kaufen, das er will
Also überlassen wir den Autokauf jedem Einzelnen. Ich setze darauf, dass demnächst ein günstiges gebrauchtes E-Auto in meine Richtung kommt. Den Autoherstellern bleibt die Entscheidung, wann der letzte Verbrenner gebaut wird (jüngstes Beispiel für lautes Nachdenken: Mercedes).
Es ist beim Autofahren ein wenig so wie mit der Meinungsfreiheit: Es gibt Autos, deren Verbrauch und gefahrenes Tempo ich nicht gutheiße, aber die Freiheit der Entscheidung, welches Auto jemand fährt, bin ich bereit zu verteidigen. Denn es geht um die Freiheit der individuellen Mobilität. Und für die stehen wir alle ein, denke ich.
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