Vergleichstest: Cupra Formentor vs. Cupra Leon ST
SUV oder Kombi? Zwei kompakte Cupra im Vergleich!

Zwei Cupra, ähnlich teuer, beide mit dem gleichen Motor, Getriebe, Allrad, Drift-Mode, Platz für Familie und Gepäck. So weit, so klar. Doch ist der Fahrspaß auch identisch?
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Ist ja auch kein Wunder, die Karosserie des kompakten Leon ist deutlich höher und seitlich gerader geschnitten. Der Formentor dagegen ist eher der Styler, schräger, flacheres Dach, nach hinten leicht abfallend. Dennoch geht auch bei ihm mit maximal 1475 Litern ordentlich was rein.
Allein darüber kann man also nicht klar entscheiden, welchem man den Vorzug geben sollte. Vielleicht beim Preis? Glauben wir auch nicht, denn zwischen den beiden liegen mit den Performance-Extras nur rund 5000 Euro. Rechnet man die Akrapovic-Auspuffanlage des Formentor raus, kosten beide etwas über 60.000 Euro. Das wird also auch nicht über den Kaufvertrag entscheiden. Zumindest sehen wir das so.

Am Lausitzring ist der Leon agiler und schneller. So richtig dem Formentor davonfahren kann er aber nicht; dafür ist der Performance-Abstand nicht groß genug.
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Für uns zählt der perfekte Mix aus sportlichem Handling, Emotionen, Komfort und Praktikabilität. Und genau diese Punkte wollen wir bei diesen beiden Spaniern vergleichen. Auf der Landstraße, in der Stadt, auf der Autobahn, auf der Rennstrecke, an der Tanke. Dieser Vergleich hat sich wirklich angeboten. Leon ST und Formentor gibt es beide mit dem gleichen Antrieb, 333 PS und Allrad. Genauso kann man die beiden mit Performance-orientierten Extreme-Paketen aufrüsten. Also gleiche Bremsen, Räder-Dimensionen, Verstellfahrwerke und, und, und. Bevor wir mit den beiden auf die Pisten gehen, kurzes Technik-Briefing.
Denn beide Modelle wurden kürzlich erst mit neuer Schminke und frischer Technik aufgewertet. Fangen wir vorne an. Beide sind mit der aktuellsten Hochdruckvariante des Turbo-Vierzylinders namens EA888 evo4 ausgerüstet.
333 PS und 420 Newtonmeter
1984 Liter Arbeitsvolumen, im Vergleich zu den Vorgängern neue Kraftstoffinjektoren, 350 Bar Einspritzdruck sowie Verbesserungen im Hinblick auf die innere Reibung und Akustik. Hüben wie drüben versammeln sich so 333 PS und 420 Newtonmeter. Genauso stark wie die aktuellen VW Golf R. Getriebe? Beide mit der aktuellen Ausbaustufe des bekannten Siebengang-Doppelkupplers.

Im Prinzip eins zu eins aus dem VW Golf R: der EA888-evo4-Zweiliter-Vierzylinder mit 333 PS und 420 Nm.
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Allrad? Statt der bisherigen Haldex-Kupplung mit variabler Kraftverteilung hat man nun auch hier den Gaudi-Allrad aus dem Golf-R-Regal in etwas abgeänderter Form übernommen. Sie wissen schon, das Ding mit dem Torque Splitter und der "Drift"-Taste im Fahrprogramm. Funktioniert wie? Die Antriebskraft wird nicht wie beim bisherigen Cupra-Allrad nur variabel zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt, sondern je nach Einstellung und Bedarf werden die Antriebsmomente nun auch zwischen rechtem und linkem Hinterrad verteilt – aktiv, wohlgemerkt. Ob die beiden damit wirklich querfahren können, checken wir später am Ring.
Mit 15-fach verstellbarem Adaptivfahrwerk
Fahrwerk? Beide stehen auf 19-Zöllern, der Formentor mit 245ern einen Tick breiter bereift. Der Leon auf optionalen Semislicks Bridgestone Potenza Race, der Formentor auf Goodyears neuem Eagle F1 Supersport. Dazu das serienmäßige, nun 15-fach verstellbare Adaptivfahrwerk. Hier wurden die Systemhydraulik und die Parametrierung modifiziert und an die neue Dynamik angepasst. Schön auch, dass man wie bei den Gölfen nun auch per Individual-Modus das Fahrwerk noch weicher als Komfort oder noch härter als Cupra einstellen kann.
Technische Daten: Cupra Formentor VZ 2.0 TSI 4Drive & Cupra Leon ST VZ 2.0 TSI 4Drive
FAHRZEUGDATEN | FORMENTOR | LEON ST |
|---|---|---|
Motorbauart | R4 | R4 |
Aufladung | Turbo | Turbo |
Einbaulage | vorn quer | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1984 cm³ | 1984 cm³ |
Bohrung x Hub | 82,5 x 92,8 mm | 82,5 x 92,8 mm |
Verdichtung | 9,3 : 1 | 9,3 : 1 |
kW (PS) b. 1/min | 245 (333)/5600 | 245 (333)/5600 |
Literleistung | 168 PS/l | 168 PS/l |
Nm b. 1/min | 420/2100-5500 | 420/2100-5500 |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplung | Siebengang-Doppelkupplung |
Antriebsart | Allrad | Allrad |
Bremsen vorn | 375 mm innenbelüftet/gelocht | 375 mm innenbelüftet/gelocht |
Bremsen hinten | 300 mm innenbelüftet | 310 mm innenbelüftet |
Bremsscheibenmaterial | Stahl | Stahl |
Radgröße vorn – hinten | 8 x 19" | 8 x 19" |
Reifengröße vorn – hinten | 245/40 R 19 | 235/35 R 19 |
Reifentyp | Goodyear Eagle F1 Supersport | Bridgestone Potenza Race |
Maße L/B/H | 4451/1992*/1520 mm | 4659/1992*/1438 mm |
Radstand | 2679 mm | 2683 mm |
Tank-/Kofferraumvolumen | 55/450-1475 l | 55/620-1600 l |
Normverbrauch (WLTP) • CO2 | 8,8 l SP/100 km • 199 g/km | 8,3 l SP/100 km • 190 g/km |
Abgasnorm | Euro 6e | Euro 6e |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 66.870 € | 61.625 € |
* Breite mit Außenspiegeln |
Bremsen? Hier geht man im Vergleich zu den Wolfsburgern eigene Wege. Während bei VW gelochte 357er-Vorderachs-Scheiben zum Einsatz kommen, kann man Cupra Leon und Formentor mit optionalen Akebono-Bremsen aufrüsten, die vorne gelochte 375-mm-Scheiben mit Sechskolbensätteln haben.
Genug der Daten und Fakten, Einsteigen, los geht's!
Verständliche Bedienung im Cockpit
Reinsetzen und wohlfühlen geht bei beiden. Die Sitzposition der im Extreme-Paket enthaltenen Schalensitze ist in beiden schön tief, das Gestühl gefällt mit Seitenhalt und Komfort. Die Cockpits sind etwas verständlicher zu bedienen als in den Wolfsburger Modellen, Touch & Co sind intuitiver, und in der Mittelkonsole gibt es sogar noch echte ESP-Tasten.

Gott sei Dank kein Curved Display. Alles intuitiv bedienbar im Cupra Formentor VZ 2.0 TSI 4Drive, wertige Materialien.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Auch gut: Starterknopf und Fahrmodi-Schalter am Lenkrad. Beim Anlassen springt der Leon akustisch eher zaghaft ins Leben, der Formentor meldet sich dank der Akrapovic-Rohre mit bassigem Auspuffbollern. In den Sport-Modi werden beide von Soundgeneratoren unterstützt, im Cupra-Modus ist das zu dröhnig und klingt auch ziemlich unecht.
Über Landstraßen fetzen beide sensationell. Mit ihren aktiven Fahrwerken sind beide zielstrebig und wirken bei schnellen Richtungswechseln genügend straff und agil. Hier fällt schon auf, dass sich der Leon ST weniger zur Seite neigt als der Formentor.
Längsdynamisch sind beide gleichauf
Dafür bieten beide Lenkungen viel und ehrliches Feedback. Auch die Bremse ist niemals aggressiv, im Pedal weiß man immer, was vorne los ist. Die Getriebe? Angenehm und superfix. Ab und zu gönnen sich aber beide beim Kick-down gern mal ein Gedenkmomentchen.

Die Supersport-Schalensitze bekommt man nur mit dem Extreme-Paket.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Die Schaltpaddles könnten größer sein, jammern auf hohem Niveau. Längsdynamisch sind beide gleichauf. Mit nur 17 Kilo Unterschied lassen sich Leon und Formentor in 4,8 und 4,9 Sekunden per effektiv arbeitender Launch Control auf Tempo 100 schießen.

Klarer Sieger beim Beladen ist der Kombi. Bis zu 1600 Liter sind eine echte Ansage. Dazu die tiefe Ladekante, besser geht's kaum. Übrigens: Der Golf R Variant fasst noch mal 42 Liter mehr.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Der schlechter im Wind stehende Formentor verliert bis 200 km/h 1,2 Sekunden auf den Leon ST. Autobahn, Tempo 250, geht ohne viel Anlauf. Schade: Der zum Leon baugleiche Golf R Variant darf mit Performance-Paket 270 km/h rennen.
Welcher Cupra schneidet besser auf der Strecke ab?
Rennstrecke? Beide wird man wahrscheinlich selten bis nie auf der Nordschleife oder anderen Trackdays sehen. Dennoch gut zu wissen, dass es funktionieren könnte. Der Leon ST zieht am Lausitzring eine gute Show ab. In schnellen Ecken drückt der Torque Splitter das Heck gezielt ums Eck. Fahrwerk und Bremse sind stabil, die Lenkung ist nicht zu spitz. Das alles kann der Formentor zwar auch, doch seine Vorderachse rutscht ab und zu ins Untersteuern.
Am Reifen liegt es nicht, das Gripniveau steht den Leon-Pneus in nicht viel nach. Fahrspaß bieten beide gleich viel, der Formentor untermalt die Hatz mit dem besseren Akrapovic-Sound.
Ach, Drift-Mode. Ja, man kann wirklich querfahren, vorausgesetzt, es ist nass oder rutschig. Im Trockenen fehlt beiden Power.
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