Verschwörung zuungunsten des E-Autos
Behörde unterdrückt Elektroauto-Gutachten

Wann lohnt es sich, vom Verbrenner aufs Elektroauto umzusteigen? In der Schweiz gab das Bundesamt für Energie dazu eine wissenschaftliche Studie in Auftrag. Doch als sie fertig war, hielt die Behörde das Ergebnis zurück. Was gefiel den Beamten nicht?
Bild: Adobe Stock
Vielen Menschen ist der Umstieg auf die Elektromobilität nicht geheuer. Erst kürzlich trat das in einer Untersuchung zu Mythen und Verschwörungstheorien über Elektroautos zutage: Das E-Auto werde über den grünen Klee gelobt, viele Vorteile würden von interessierter Seite übertrieben dargestellt, glaubt offenbar sogar mancher Elektroauto-Fahrer.
Doch in der Realität kann es mitunter sogar andersherum gehen: Eine Schweizer Bundesbehörde hat kürzlich ein wissenschaftliches Gutachten über Vorteile der E-Mobilität unterdrückt, das sie zuvor selbst in Auftrag gab.
Hintergrund ist die – alte – Frage, wann sich der Umstieg vom Verbrenner aufs Elektroauto für die Umwelt lohnt. Bisher überwog die Einschätzung, aufgrund des hohen Energieeinsatzes bei der Fertigung eines E-Autos und des Akkus lohne es sich mehr, einen alten Verbrenner noch möglichst lange weiterzufahren. Das Schweizer Amt für Energie forderte dazu 2022 die Studie an, als Entscheidungshilfe für Autokäufer.
Fast immer lohnt sich der Umstieg aufs E-Auto
Das Ergebnis der Berechnung: Bei 90 Prozent aller Gebrauchtwagen in der Schweiz lohne sich die Verschrottung des Verbrenners und der Umstieg auf ein Elektroauto gleicher Größe. Nur bei unter sieben Prozent des Schweizer Pkw-Bestands sollte der Verbrenner weitergefahren werden, weil die Jahresfahrleistung einfach zu gering ist. Die Studie fokussiert dabei allein den Nutzen für die Umwelt, nicht die Kosten für den Halter.
Als sie auf dem Tisch lag, passte das dem Bundesamt jedoch nicht: Dem Bericht des Schweizer Magazins "Republik" zufolge distanzierte sich die Behörde vom Inhalt. Nicht, weil sie falsch wäre – aber offenbar erschien das Ergebnis dem Auftraggeber zu heikel.
In der Schweiz erlaubt das Öffentlichkeitsgesetz den Medien, auch interne Behörden-Mails zu publizieren. Die "Republik" zitierte Kommunikation innerhalb des Bundesamts für Energie, in der die Mitarbeiter befürchteten, dass die Kaufempfehlung vom Volk als "elitär" wahrgenommen würde.
Die Schlussfolgerung der Studie, man solle seinen gebrauchten Verbrenner verschrotten und ein neues Elektroauto kaufen, gehe einfach an der Realität vorbei, befürchtete das Behörden-Personal. Überdies war die Schere im Kopf tätig: Das Ergebnis widerspreche "der Stimmung auf dem Markt" und könne als "politisches Manöver" wahrgenommen werden. In der Konsequenz eine Verschwörung zuungunsten des E-Autos. Nachdem das Gutachten von dem Magazin veröffentlicht worden war, zog auch das Bundesamt für Energie damit nach.
Fazit
Es war eine gute Idee, doch dann wurde ihre Konsequenz den Auftraggebern unheimlich: Eine Schweizer Bundesbehörde hat eine Studie zurückgehalten, die sie ursprünglich selbst beauftragte. Darin wird der Frage nachgegangen, wann es sich für Umwelt und Klima lohnt, vom gebrauchten Verbrenner auf ein neues Elektroauto umzusteigen. Die Studie empfiehlt fast immer den Umstieg – allerdings rät sie auch dazu, den alten Verbrenner zu verschrotten. Das ist tatsächlich realitätsfremd, denn wer kann es sich leisten, ein gebrauchtes, wenn auch altes Auto einfach wegzuwerfen? Dennoch mutet die Entscheidung des Bundesamts für Energie, das heikle Papier einfach in der Schublade zu lassen, seltsam an. Denn letztendlich kann doch jeder selbst entscheiden, mit welchem Kraftstoff das nächste Auto fährt ... Und es besteht kein Zweifel, dass sich in Zukunft immer mehr Menschen für Strom entscheiden. Natürlich nicht allein aus Umweltgesichtspunkten.
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