Politik und Autoindustrie fordern vehement den Umstieg aufs Elektroauto. Das Problem dabei: Fast drei Viertel (74 Prozent) der deutschen Autofahrer waren laut DAT-Report 2025 noch nie elektrisch unterwegs. Es gibt also eine breite Bildungslücke beim Thema E-Auto.
Die kann der Elektromobilitäts-Experte Martin Guss (57) füllen – mit seinem Buch "Umstieg aufs Elektroauto", verlegt von der Stiftung Warentest. Darin zählt er auf, warum sich ein Antriebswechsel lohnt und was dabei zu beachten ist.

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Schon im Elektrotechnik-Studium interessierte sich Martin Guss für E-Autos, nur gab es damals noch keine leistungsfähigen Akkus. Das hat sich in den vergangenen zehn Jahren rasant geändert. Seit 2015 ist auch Guss elektrisch unterwegs, anfangs mit einem Renault Twizy. "Das hat gut funktioniert und so bin ich weiter in das Thema reingekommen", sagt er. Inzwischen fährt der gebürtige Wiener einen elektrischen Kleinwagen, den Renault Zoe (gebaut 2012 bis 2024). Aber nur für die Kurzstrecke. Für längere Touren nutzt er ein Tesla Model 3. Seine durchschnittliche Jahresfahrleistung: rund 35.000 Kilometer.

Welche Vorteile haben Elektroautos im Alltag?

Die Vorteile der E-Mobilität? "Vor allem der Komfort. Ich muss seit 2017 nicht mehr Eis kratzen, weil ich das Auto aus der Ferne aufheizen kann." Elektroautos kommen ausschließlich mit Automatik, sind daher sehr angenehm und harmonisch zu fahren.
Außerdem schätzt er die starken Motoren, das leise Antriebsgeräusch und die geringen Betriebs- und Servicekosten. Was noch? "Ich fahre günstiger, habe viel weniger Verschleißteile, brauche zum Beispiel keine ständigen Ölwechsel. Auch Kurzstrecken schaden dem Auto nicht, anders als bei einem Verbrenner-Modell", zählt Guss auf.
Renault Twizy Dauertest
Der Zweisitzer Renault Twizy mit knapp 100 km Reichweite ist an der Steckdose zu laden. Seine offene Bauweise und maximal Tempo 90 machen ihn zum Kurzstreckenfahrzeug.
Bild: AUTO BILD

Für wen lohnt sich ein E-Auto schon heute?

Ein E-Auto lohnt sich schon heute für viele Leute, sagt Guss. Ein gutes Prüfkriterium sei es, wenn man seine üblichen Fahrstrecken gut vorhersehen kann. "Für Pendler ist ein E-Auto perfekt", sagt Guss. "Eine Lademöglichkeit zu Hause oder in der Arbeit ist ein Vorteil, aber nicht zwingend notwendig."
Wer jedoch mit einem Zwei-Tonnen-Boot im Schlepptau nach Süditalien fahren wolle, der brauche derzeit noch eine Alternative – das sei dann ein Hybrid- oder Verbrenner-Auto.
Martin Guss / Stiftung Warentest
Martin Guss hat ein Ratgeber-Buch zum Elektroauto-Fahren geschrieben.
Bild: MG
Das häufig beklagte Zeitproblem beim Laden – es kann mehrere Stunden dauern – hält Guss für überbewertet: "Wenn ich nach der Ladedauer gefragt werde, antworte ich immer: zwei Minuten." Die braucht er für An- und Abstöpseln des Kabels. Während das Auto lädt, nutzt der Ingenieur die Zeit sinnvoll für Einkäufe, liest etwas oder führt Telefonate.

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Wie vermeidet man überteuerte Ladesäulen?

Stichwort öffentliches Laden: Natürlich ist der Strom an öffentlichen Säulen häufig teurer als zu Hause, das bestätigt auch der Elektroauto-Experte. Guss empfiehlt: "Man muss nicht immer die günstigste Ladesäule finden – viel wichtiger ist, die teuren zu vermeiden. Benzin und Diesel kosten ja auch nicht überall gleich viel."
Im Endeffekt sei der Umstieg auf Elektro einfacher, als viele denken: "Da ist eigentlich nur eine kleine Verhaltensänderung nötig. Als Verbrennerfahrer fährt man seinen Tank leer, dann macht man ihn wieder voll. Als E-Fahrer sollte man eben laden, wenn es geht – und nicht unbedingt erst, wenn das Auto leer ist", empfiehlt der Experte.