Vier Spaß-Roadster im Vergleich
So schmeckt der Sommer

Sonne, leere Straßen und ein Roadster-Quartett vom Feinsten. Autor Jörg Maltzan nimmt uns mit auf eine rasante Frischlufttour – bei der schnell klar wird: Fahrspaß ist keine Frage des Geldes.
- Jörg Maltzan
Es gibt sie, diese unbeschwerten Tage, an denen einfach alles stimmt. Sommer, Sonne und eine wenig befahrene Nebenstraße irgendwo im Grünen. Herz, was willst du mehr? Einen Roadster natürlich! Und damit fangen die Probleme an. Welcher darf es denn sein? Klar, wir reden hier über Luxusfragen und spannen den Bogen zwischen realistischem Wunsch und dem für die meisten unerfüllbaren Autotraum. Das Segment der offenen Zweisitzer spreizt sich vom puristischen Mazda MX-5 bis zum protzigen Porsche Boxster S. Zwei Antipode: Der Deutsche ist fast doppelt so teuer wie der Japaner. Preislich dazwischen liegen BMW Z4 sowie Opel GT und führen damit schnurstracks zu der Frage: Wie viel Roadster braucht der Mensch? Alle vier eint das Streben nach maximaler Fahrfreude. Der von jedem einzelnen Kandidaten erzielte Lustgewinn ist zum Glück keine Frage von Cent und Euro. Denn obwohl alle vier konstruktiv und preislich unterschiedlich sind, ähnelt sich ihr Offenfahr-Vergnügen. Den besten Beweis dafür liefert Mazdas MX-5. Nachahmer wie Fiat Barchetta und MG TF hat er überlebt und surft weiter äußerst erfolgreich auf einer Welle der Sympathie. Im ersten Halbjahr 2007 kauften rund 3700 Frischluftfans einen MX-5. Kein anderer Roadster ist im Volk beliebter. Logisch: 24.400 Euro für 160 PS – das ist ein Wort. Zwar kommt die dritte MX-5-Generation nicht mehr ganz so unbekümmert rüber wie die ersten beiden Modellauflagen, doch noch immer folgt er seinem Lotus-Elan-Vorbild aus den 60er Jahren konsequent.
Für ein breites Grinsen im Gesicht

Furiose Fahrmaschine für Profis

Auch im öffentlichen Verkehr überzeugt der Z4 mit seiner drehfreudigen Kraftquelle. Überholvorgänge erledigt er blitzartig. Allerdings sind die Schaltwege länger und das Einlenkverhalten träger als im Mazda. Trotz 58 Mehr-PS wirkt er schwerfälliger. Aber auch gemütlicher. Türen, Frontscheibe und Überrollbügel umschmiegen die Insassen derart geschickt, dass ein behagliches Offenfahr-Gefühl entsteht. So lassen sich selbst lange Strecken auf der Autobahn bei geöffnetem Verdeck ohne Ohrensausen bewältigen. Da zudem zwei mittlere Reisetaschen unter die Heckklappe passen, kann man mit dem Z4 sorgenfrei in Urlaub fahren. Im MX-5 wird es bei 150 Liter Stauvolumen knapp. Ein Versager auf diesem Gebiet ist leider der Opel GT. Kofferraum? Gibt es nicht. Nur Kulturbeutel und Schlafanzug passen bei offenem Verdeck unter die Heckklappe. Die mangelnde Alltagstauglichkeit degradiert Opels US-Import somit zum Zweitwagen. Mehr als ein Kurzausflug ist nicht drin.
Ein echter Kopfverdreher

Nur geradeaus ist wunderbar
Der Z4 schafft mit 46 PS weniger 240 km/h. Wenigstens von der Ampel geht es flott und sehr turbomäßig los: einkuppeln, warten bis der Lader Druck aufbaut, und dann springt der GT schlagartig in 6,3 Sekunden auf Tempo 100. Zügige Fahrt klappt ohne Gangwechsel. Schon bei 2000/min liegen 353 Newtonmeter an und schieben den einzigen Hecktriebler in der Opel-Palette bullig nach vorn. Milde weht die Sommerluft durchs breite Cockpit mit dem riesigen Kardantunnel. Solange es geradeaus geht, ist alles wunderbar. Erst bei engagierter Kurvenfahrt wird klar, dass der Opel eigentlich ein Ami ist. Brems- und Lenkungsgefühl sind für einen Sportwagen zu weich. Die sehr kurzen Schaltwege gehen in Ordnung, auch wenn es manchmal hakelt.
Wie Bedienkräfte definiert sein sollten, zeigt am besten der Porsche. Ob Kupplungsgefühl, Lenk- und Schaltpräzision oder Bremsdruckpunkt – der Boxster begeistert mit perfekter Rückmeldung und feinen Reaktionen. Der Sitzkomfort ist ebenso erstklassig wie die Verarbeitung. Kein Klappern, kein Zittern – nichts kann die supersteife Karosserie aus der Ruhe bringen. Nicht nur preislich hat der Boxster eine Sonderstellung. Nach der reinen Lehre ist er ein Spyder und kein Roadster. Denn sein Motor steht nicht in Reihe, sondern ist ein Boxer, und er sitzt nicht hinter der Vorder-, sondern vor der Hinterachse. Das schafft Platz für zwei Kofferräume mit 280 Liter Volumen. Damit ist er reisetauglich und durch den Mittelmotor extrem agil. Traktion und Beschleunigung sind konkurrenzlos. Sein 295 PS starkes Hochdrehzahltriebwerk macht süchtig. Jenseits von 5000/min kreischt es hysterisch auf und schiebt den Porsche offen wie geschlossen auf über 270 km/h. Wer ihn so bewegt, fährt in einer eigenen Liga. Beim Kurvenschmusen durchs Grüne aber ist er MX-5, Z4 und GT ganz nah. Der Porsche-Pilot sitzt tief in seiner hochtechnisierten Frischluft-Rakete und genießt das Panorama. Obwohl so verschieden, schmeckt der Sommer in allen vier Autos doch ähnlich lecker.
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