Volvo- Designer Robin Page

Volvo-Designer Robin Page: Report

Autos brauchen Geschichte(n)

Volvo-Designer Robin Page erklärt, was der neue C40 mit dem P1800 gemein hat, spricht darüber, was Sicherheit heute bedeutet, und verrät, wie es mit Volvo weitergeht.
Schöne Geschichten kann Robin Page (48) sicher viele erzählen. Der Engländer (aufgewachsen neben der Jaguar-Fabrik, fährt privat einen E-Type) war bis 2013 bei Bentley für das Interieur-Design verantwortlich – und durfte in dieser Funktion sogar die Staatslimousine der Queen einrichten. Dann ging er nach Schweden, kümmerte sich auch bei Volvo zunächst um die Innenräume, verantwortet seit 2017 das gesamte Design. Sein Vorgänger, Thomas Ingenlath – jetzt Polestar-Chef –, hat Volvo einen neuen Stil verpasst, an Page liegt es jetzt, die Marke optisch ins Elektro-Zeitalter zu überführen Sein jüngster Wurf: der E-Crossover C40.

60 Jahre liegen zwischen dem Volvo C40 (blau) und dem P1800 (rot).

©Volvo Car GmbH

Aufgabe des Designers ist es, die Geschichte nicht zu ignorieren
Und was ist jetzt mit der Geschichte? Die steckt beim C40 zum Beispiel im Dach. Die geschwungene Linie soll eine Reminiszenz an den legendären P1800 sein, der in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert. Ob das irgendein Kunde von selbst erkennt? "Wahrscheinlich nicht", gibt Page schmunzelnd zu, "aber wir können es ihm erzählen." Mit der Historie kann sich die Marke von jungen Start-ups ohne Vergangenheit abheben: "Es ist Teil unserer Aufgabe als Designer, die Geschichte nicht zu ignorieren, rote Fäden aus der Historie aufzugreifen. Aber wir dürfen nicht kopieren, wir müssen uns weiterentwickeln", sagt Page. Weiterentwickeln heißt auch, neue Geschichten zu erfinden. Zum Beispiel die von den schwedischen Bergen. Deren Topografie diente als Inspiration für die Intarsien im Armaturenbrett. Klar, jetzt wo Sie's sagen ... Ob Geschichte oder Geschichten: "Die Kunden lieben es. Vor allem in China, aber auch in Europa oder Amerika informieren sie sich mehr und mehr über ihr Auto, wollen alles wissen – und wollen es ihren Freunden erzählen." Der Kunde als Influencer, sozusagen.

Seit vier Jahren verantwortet Robin Page das Volvo-Design. Zuvor war er bei Bentley.

©Volvo Car GmbH

Das Thema Sicherheit bekommt gerade eine neue Bedeutung
Untrennbar mit Volvos Geschichte verbunden ist auch das Thema Sicherheit. Robin Page: "Safety ist ein Punkt, der gerade eine neue Bedeutung bekommt. Klar, in erster Linie geht es darum, Unfälle zu vermeiden. Inzwischen ist damit aber auch Sicherheit für unseren Planeten gemeint, also unser Nachhaltigkeitsansatz." Ein Thema, das auch bei vielen Kunden inzwischen ganz weit oben steht. Der C40 kommt zum Beispiel ohne Leder aus, Türverkleidungen und Teppiche sind aus recycelten PET-Flaschen. Nachhaltigkeit bedeutet aber auch: Das Auto soll möglichst lange attraktiv bleiben. "Software-Updates halten die Autos technisch modern, wir denken aber zum Beispiel auch über einfach austauschbare Sitze oder Karosserieteile nach – und wie wir alte Bauteile recyceln können." Also Kreislaufwirtschaft.

Typisch skandinavisch. Zukünftig soll hier noch mehr Wohnzimmeratmosphäre herrschen.

©Volvo Car GmbH

Auch zukünftig werden Klassiker einen Platz haben
Apropos alt: Haben die Autos von heute eigentlich noch das Zeug zum Oldtimer – also selbst Geschichte zu werden? Robin Page ist überzeugt: "Ich glaube an 'Iconic Cars'. Die Leute kaufen Oldtimer, weil sie sie an ihre Kindheit erinnern. So ist es bei mir mit dem E-Type, und viele Schweden kaufen alte Volvo, weil sie die von früher kennen. Ich bin sicher: Es gibt auch zukünftig einen Platz für Klassiker, die die Leute heute als Kind kennenlernen." Damit das noch lange so bleibt, legt sich Page mächtig ins Zeug – und schwärmt: "Die nächste Volvo-Generation sieht richtig gut aus. Die vollelektrischen Modelle bringen neue Proportionen mit, längeren Radstand und größere Räder. Wir legen mehr Fokus auf die Front und die Lichtsignatur am Heck. Innen gibt uns der flache Boden neue Möglichkeiten, alles geht mehr in Richtung Wohnzimmer." Und wer weiß: Wenn sich Page noch eine spannende Geschichte dazu einfallen lässt, dann bestellt bald vielleicht auch Königin Silvia bei ihm.

Autor: Michael Gebhardt

Fotos: Volvo Car GmbH

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