Schweden kommt wieder in Fahrt – und fährt mit dem Oberklasse-Kombi Volvo V90 frech Mercedes, Audi und BMW ans Blech. Ein exklusiver Test.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Stefan Voswinkel
Plopp! Nanu, was ist da denn los? Die Fahrertür des neuen Volvo V90 ins Schloss geworfen, und es klingt wie damals bei Mercedes, als das Zapfenschloss in Stuttgart noch das Maß aller Dinge war. Vielleicht ist das der beste Beweis für die hohen Ambitionen, die Volvo mit der neuen 90er-Reihe hat. Denn die Schweden sehen sich auf Augenhöhe mit den deutschen Premiummarken. Zu Recht? Das klärt unser exklusiver Test des Oberklasse-Kombis.
Das Blechkleid ist das aktuell modernste seiner Klasse
Markant und eigenständig: In Sachen Design setzt sich der Volvo V90 an die Spitze der Oberklasse.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Beginnen wir beim Design. Stilsicher bis in die letzte Karosseriefuge, markant und eigenständig setzt sich der Volvo an die Spitze seiner Klasse. Zugegeben zu einem günstigen Zeitpunkt: Audi A6 und BMW 5er haben ihren Zenit schon längst überschritten, die Nachfolger scharren schon mit den Rädern. Und die neue E-Klasse ist, nun ja, zumindest mutiger als ihr optisch etwas verunglückter Vorgänger. Die zurückhaltende Eleganz des Volvo erreicht der große Kombi mit dem Stern jedenfalls nicht. Ein Bild, das sich auch im Innenraum fortsetzt. Egal, wohin das Auge blickt, dieser Volvo ist in Bestform. Weiche Kunststoffe, edle Hölzer, fast schon samtiges Leder kosten zwar zum Teil heftige Aufpreise – der V90 liegt damit aber auf Mercedes-Niveau. Nur der Haptikchampion Audi spielt noch in seiner eigenen Liga.
Beim Laderaum kann der Volvo nur den Audi schlagen
Nicht unbedingt der Lademeister der Oberklasse: Der V90 verpackt 26 Wasserkisten.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Schönheit ist das eine – aber bleibt das Platzangebot auf der Strecke? Jein. Für die Passagiere bietet der Volvo fast schon unverschämt viel Platz, kein Wunder bei fast fünf Meter Außenlänge. Der Kofferraum hingegen liegt mit gut 1500 Litern gerade mal auf Kompakt-Kombi-Niveau. Das belegt auch unser Test mit den Wasserkisten: Nur der Audi A6 Avant schluckt weniger, ein Mercedes E-Klasse T-Modell fünf Kisten mehr. Kommen wir zum Fahren. Unser Testwagen trägt den Zweiliter-Einheitsmotor unter der Haube, als D4 leistet der Vierzylinder 190 PS und ist serienmäßig an eine Achtstufenautomatik gekoppelt. Ein ziemlich gemütliches Duo. In knapp neun Sekunden geht es auf 100, bei 225 km/h ist Schluss. Reicht im Alltag auf jeden Fall locker aus. Im Test verbraucht der große Volvo 6,6 Liter, ein ordentlicher Wert für einen großen, knapp 1,9 Tonnen schweren Kombi.
Sein Grundcharakter ist eher ein gemütlicher Gleiter
Der mit 20-Zöllern bestückte V90 rollt steifbeinig ab und glänzt dabei nicht unbedingt mit hoher Dynamik.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Schade, dass das Fahrwerk nicht so ganz mit dem gemütlichen Antrieb harmoniert. Die 20-Zoll-Räder jedenfalls sorgen für ein recht steifbeiniges Abrollen, eine gewisse Grundzittrigkeit fährt irgendwie stets mit. Wer jetzt denkt, dass der V90 dadurch zum Kurvenräuber taugt, wird enttäuscht. Fahrdynamik gehört nicht zu den Primärtugenden des Volvo, er mag die gemütliche Gangart. Passt auch eher zu seinem satten Grundcharakter – bequeme Sitze und die Doppelverglasung koppeln die Passagiere angenehm von der Außenwelt ab. So weit also Klassenniveau. Und der Preis? Die testrelevanten Extras treiben den Grundpreis von 45.800 Euro bei unserem Testwagen auf 62.350 Euro. Womit der Traum vom V90 für die meisten zerplatzen dürfte wie eine Seifenblase – plopp.
Fazit
von
Stefan Voswinkel
Wäre das Gefühl allein entscheidend, der neue V90 stünde ganz oben auf unserer Einkaufsliste. Stilsicher, piekfein verarbeitet und mit viel Platz ein richtig toller Oberklasse-Kombi. Der eher gemütliche Antrieb, das etwas holperige Fahrwerk und hohe Preise stören den positiven Gesamteindruck etwas. Dennoch beweist der V90 Größe.