VW Arteon R (2020): VR6, Vierzylinder, Gründe, Vorteile, Nachteile

VW Arteon R (2020): VR6, Vierzylinder, Gründe, Vorteile, Nachteile

Darum darf der Arteon R keinen VR6-Motor haben

Anders als von vielen Fans erhofft, bekommt der Arteon R keinen VR6-Motor. AUTO BILD nennt fünf Gründe, warum der Arteon keinen VR6 haben darf.
Audi hat den Fünfzylinder, AMG seinen V8 und Volkswagen? VW hatte als Kult-Motor bis vor einigen Jahren den VR6. Zwar ist es schon einige Zeit her, das bei VW für Sport-Modelle ein Zweiliter-Vierzylinder zum Standardwerk gehörte, trotzdem geistert der VR6 bei Fans der Marke nach immer im Kopf herum. Da wundert es nicht, dass sich viele bei der Vorstellung des neuen Top-VW, dem Arteon R, fragen, weshalb nicht wenigstens hier sechs Zylinder arbeiten dürfen. Ja warum denn eigentlich nicht? AUTO BILD hat bei VW nachgefragt: Aus diesen fünf Gründen darf der Arteon keinen VR6 haben!

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1. Die Konstruktion ist zu alt

Einen VR6 wie hier im Passat R36 sucht man beim Arteon vergebens.

Ja, VW verbaut den VR6 außerhalb von Europa noch in einigen Märkten. Allerdings ist der Grundmotor eine mittlerweile sehr alte Entwicklung und müsste für Europa mit viel Ingenieursleistung wieder an den Puls der Zeit herangeführt werden. Der Motorblock besteht bislang noch aus Gusseisen, was natürlich nicht die leichteste Bauart ist. Um den VR6 auch für die nächsten Jahre zu wappnen, müsst der Block in Zukunft aus Aluminium hergestellt werden – ein riesiger Aufwand für wahrscheinlich überschaubare Verkaufszahlen. Wenn man bei VW nachfragt, liegt der Verkaufsanteil von R-Modellen beim Arteon vielleicht bei rund fünf Prozent. Viel zu wenig, um eine solche Entwicklung finanziell zu rechtfertigen.

2. Emissionsgesetzte und Verbrauch

Natürlich muss auch ein VR6-Motor aktuelle und zukünftige Abgasnormen erfüllen können. Glaubt man den Aussagen aus VW-Kreisen, wäre es durchaus möglich gewesen, aktuelle VR6-Motor konstruktiv auf Euro 6-Niveau zu bekommen. Allerdings rechnen Entwicklungsingenieure im Schnitt rund sechs Jahre in die Zukunft. Hier sieht es schon kritischer für das alte Motorenkonzept aus. Ein weiterer Punkt, der laut VW gegen einen Sechszylinder im Arteon spricht, ist der Verbrauch. Versuche haben wohl gezeigt, dass der VR6 im Durchschnitt einen Verbrauch von zehn Liter auf 100 km gehabt hätte. Ein Wert, der nichtmehr zeitgemäß ist und somit von den Ingenieuren als nicht akzeptabel angesehen wurde. Betrachtet man die Kombination aus CO2-Besteurung und hohem Verbrauch, wäre der Arteon R mit Sechszylinder außerdem auch im Unterhalt nicht besonders günstig gewesen. Mit dem Vierzylinder sparen beide Seiten: VW bei der Entwicklung und der Kunde bei den laufenden Kosten.

3. VR6-Motor ist schwer und macht den Arteon träge

Dank Torque-Vectoring soll der Arteon R besonders agil sein. Ein VR6 würde in vorne schwer machen.

Weniger Zylinder bedeutet zeitgleich auch automatisch weniger Gewicht. Das klingt danach, dass der Vierzylinder im Arteon R schon von Beginn an gesetzt war. Diese Annahme ist aber schlichtweg falsch: VW hat sehr wohl darüber nachgedacht seinem Top-Modell einen größeren Motor zu verpassen. Konkret sollte hier der 2,5-Liter-Motor aus dem aktuell in China vertriebenen Teramont dienen, allerdings in einer modifizierten Version mit Bi-Turbo-Aufladung. Auch Prototypen wurden mit diesem Set-up aufgebaut, einer soll wohl sogar noch existieren. Beste Voraussetzungen für einen stärkeres R-Modell also, allerdings machte der VR6 den VW anscheinend so träge, dass man sich auch fahrdynamisch gegen den Sechszylinder entschied. Auf gerader Strecke soll der Fahrspaß aber garantiert gewesen sein, so ein interne Quelle bei VW im Gespräch mit AUTO BILD.

4. Zu nah an Audi RS5 und Porsche Panamera

Ein weiterer Grund, der gegen einen VR6 im Arteon spricht: Er würde im Revier von Audi und Porsche wildern. Aufgeladen über zwei Turbolader hätte ein neuer VR6 vermutlich im Bereich der 400 PS gelegen. Das hätte Modellen wie dem Audi RS 5 und dem Porsche Panamera durchaus Konkurrenz machen können. Sein niedrigeres Gewicht hätte dem Arteon besonders gegenüber dem Panamera bestimmt in die Karten gespielt. Allerdings macht es für den Konzern keinen Sinn sich Konkurrenz im eigenen Haus zu schaffen, zumal VW schlichtweg auch das Image für solche Fahrzeuge fehlt. Solche Leistungswerte passen dann doch besser zu den Firmenschwestern Audi und Porsche.

5. Wieso nicht der Fünfzylinder von Audi?

Der Fünfzylinder von Audi ist auch keine Option für den VW.

Ok, der VR6 hat seine Nachteile und hätte erst neu entwickelt werden müssen, aber wie sieht es mit Audis bewährtem Fünfzylinder aus? Der Motor wäre ja vermutlich ein ordentlicher Kompromiss gewesen, oder? Nicht ganz. Auch hier stellt sich die Frage, wieso Volkswagen auf einen Motor setzten sollte, der doch eigentlich mit Audi in Verbindung gebracht wird. Der Mythos Fünfzylinder gehört nämlich zu den Ingolstädtern wie die vier Ringe. Neben der fehlenden Fünfzylinderhistorie wäre vermutlich auch der Audi Motor für den VW zu schwer. Außerdem ist der Motor quer eingebaut ein ganz schöner Brocken. Die Kurbelwelle ist sehr lang, weshalb der Motor viel Platz braucht. Auch hier stellt sich wieder die Frage nach der Fahrdynamik und den gegeben Nachteilen aufgrund des zusätzlichen Gewichts auf der Vorderachse.

Keine Argumente für den VR6

Die Argumente wiegen schwer und sprechen eine deutliche Sprache. Der Sechszylinder ist zwar der kultigere Motor und verspricht vor allem auf der Geraden ein besonderes Maß an Fahrspaß, in allen anderen Punkten ist er dem Vierzylinder aber unterlegen. Eine Neuentwicklung macht für die geschätzten Stückzahlen in Europa wenig Sinn und was die Effizienz angeht, bringen weniger Zylinder automatisch Vorteile. Ob sich der neue Vierzylinder aber wirklich so gut fährt, wie VW behauptet, wird erst der Test zeigen. Eines ist aber gewiss. So schnell werden wir in Europa wohl keinen VR6 mehr unter der Haube eines neuen VW finden. Der Arteon wird die Regel sein und nicht die Ausnahme.

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