Knaus Tourer Van 500 MQ: Dauertest
Kompakter Teilintegrierter auf T6.1-Basis mit Pkw-Qualitäten

Vorn Campingbus, hinten Wohnmobil: Mit dem Knaus Tourer Van trat der erste Teilintegrierte auf dem VW T6.1 zum harten Dauertest an.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Endlich ein Bulle! Den hatten wir von AUTO BILD REISEMOBIL uns schon lange für unseren Dauertestfuhrpark gewünscht. Die gute Fee spielte in diesem Fall aber nicht VW selbst, sondern die Firma Knaus. Mit dem damals gerade frisch vorgestellten innovativen Tourer Van 500 MQ trauten sich die Jandelsbrunner den Härtetest unserer Redaktion zu. Zuletzt gab es das Gespann aus Bulli und teilintegriertem Aufbau 1991 bei Knaus als Modell Traveller auf Basis des damals noch jungen VW T4.
Die Vorteile dieser Liaison liegen, damals wie heute, auf der Hand: Die kompakten Maße und Eigenschaften eines modernen, automotiven Vans verschmelzen mit den Wohnqualitäten eines vollwertigen Reisemobils.

Ein Pkw als Reisemobil: Der Bulli punktete mit seinen Fahreigenschaften
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Mit gerade einmal 5,89 Meter Länge und 2,17 Meter Breite ist unser moderner Bulli-Womo-Mix tatsächlich ein sehr kompakter Vertreter seiner Art. Doch genau in der ungewöhnlichen Paarung, die man – im Gegensatz zu Zeiten von VW T3 und T4 – selten bis gar nicht auf dem Reisemobilmarkt sieht, liegen auch die Schwächen des Tourer Van.
Nachgerüstete Vollluftfederung sorgt für mehr Stabilität
Bereits im ersten Fahrtest auf unserer abgesperrten Strecke fällt uns das Überbremsen der Vorderachse bei schnellen Spurwechseln auf. Dass das Chassis mit dem hohen Schwerpunkt und Gewicht des Aufbaus an seine Grenzen geht, zeigt sich auch auf der ersten längeren Autobahnfahrt von Hamburg ins verschneite Österreich. Bei mittelstarken Windböen geriet der Knaus Tourer Van immer wieder ins Wanken, sodass schon auf gerader Fahrbahn ohne Spurwechsel oder Kurven mehrfach das ESP auslöste, um den Camper wieder einzufangen.
Das gibt natürlich zu denken. Allerdings scheint das ein reines Federungsproblem zu sein. Nachdem der Knaus bei der Firma VB Airsuspension eine Vollluftfederung nachgerüstet bekam (AUTO BILD REISEMOBIL 9/2024), schwärmten unsere Tester plötzlich von der angenehmen Spurstabilität, die der Tourer Van nun an den Tag legte.

Kurzer Stopp in kleiner Gasse: kein Problem für den kompakten Tourer Van.
Bild: AUTO BILD
Hinzu kommt der wenig windschnittige Aufbau, der für sehr laute Windgeräusche im Bereich der Einstiegstür und einen recht hohen Verbrauch von zwölf Litern auf 100 Kilometern sorgt.
Die Frage, die sich jedoch am Ende die meisten Camper stellen werden: Wie alltagstauglich ist der innovative Ausbau mit dem faltbaren Badezimmer? Eine ganz eindeutige Antwort gibt es darauf nicht. Die Idee ist durchaus gut. Schließlich braucht kein Camper dauerhaft eine Dusche.
Die Tatsache, dass man einen Teil des Bettes zur Seite schaffen muss, um die Dusche origamimäßig auszuklappen, stieß aber nicht überall auf Begeisterung. Zudem besteht das Heckbett aus verschiedenen Matratzenteilen, die teilweise durch Kanten eingerahmt werden. Eine gewisse Unzufriedenheit über den Liegekomfort zieht sich wie ein roter Faden durch das Testtagebuch.

Bei einer so kompakten Küche ist Chaos programmiert.
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Hinzu kommen die im Laufe des Dauertests recht hakelig gewordenen Bedienelemente des Badezimmers. So lässt sich am Ende die Arretierung für das Ausklappen der Dusche nur noch sehr schwergängig bedienen. Durch eine Fehlkonstruktion will außerdem das Wasser im Badezimmerwaschbecken nicht richtig ablaufen. Wir vermuten allerdings, dass diese Ärgernisse eher damit zusammenhängen, dass es sich bei unserem Dauertestmobil um ein Vorserienmodell handelt.
Für Verwunderung sorgte auch die unterdimensionierte und gleichzeitig überentwickelte Trittstufe zum Bett. Wie das geht? Nun, zum einen ist der Tritt einfach viel zu schmal, um bequem und galant in die Schlafstatt kriechen zu können. Zum anderen wird ebendiese Stufe von einer viel zu starken Gasdruckfeder gehalten, die den Tritt deshalb nur in Zeitlupentempo herablässt.

Die Trittstufe zum Bett erwies sich als zu klein und overengineered.
Bild: AUTO BILD
Wo der Bulli hingegen ordentlich Punkte sammeln konnte: in Sachen Assistenzsysteme, Getriebe, Kompaktheit und Raumgefühl. Für einen so kleinen Teilintegrierten bietet der Knaus Tourer Van nämlich erstaunlich viel Platz, auch wenn der Innenraum durch zahlreiche Stufen recht verschachtelt ist. Vier Erwachsene finden im Knaus einen Schlafplatz, denn unser Testwagen kam mit dem optionalen Hubbett über dem Fahrerhaus, das sich (passend zum Origami-Konzept) ausklappen und -schieben lässt.
Der Knaus Tourer Van 500 MQ besteht den Wintertest
Allerdings nur, wenn die Besatzung kein Problem mit körperlicher Nähe hat. Und aus Sicht der meisten Testcamper auch nur übergangsweise. Kollege Matthias Moetsch probierte die Doppelbelegung beim Wintertest mit seinen erwachsenen Kindern aus. Sein Fazit: Obwohl man sich beim Schlafen schon sehr nah kommt in den beiden Betten, lassen sich sowohl Badezimmer als auch Dinette noch nutzen. Erstaunlich für einen solch kompakten Camper.

Winter am Meer. Der Knaus an der Ostsee bei Stralsund.
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Seine Winterqualitäten musste der Knaus Tourer Van mehrfach unter Beweis stellen. Redakteurin Jenny Zeume scheuchte den Bulli gleich zu Testbeginn an die winterliche und knackig kalte Ostseeküste in ihrer Heimatstadt Stralsund. Die Kompaktheit des Tourer Van zeigte auch hier einen großen Vorteil. Die Truma-Combi-4D-Dieselheizung hatte nämlich keinerlei Mühe, den gut isolierten Knaus aufzuwärmen. Allein im Bereich der Aufbautür scheint es eine Kältebrücke zu geben, denn bei besonders windigem Wetter zogen kühle Luftströme von hier durch den Eingangsbereich.
Was am Ende bleibt, ist ein wenig Ratlosigkeit, ob der Knaus Tourer Van 500 MQ nun ein genialer Wurf oder ein verkopftes Konzept ist. In unserer Redaktion gibt es beide Meinungen. Seine Liebhaber wird er garantiert finden. Ob es ein Campingfahrzeug für die große Masse wird, bleibt allerdings fraglich. Das liegt nicht zuletzt auch an dem hohen Einstiegspreis, für den der VW T6.1 und seine aufpreispflichtigen Assistenzsysteme verantwortlich sind. Trotzdem: Hut ab, Knaus, für so viel Innovationsgeist.
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