VW CC, Audi S4, Mercedes C 350, BMW 335i: Vergleich
Aufputschmitte
Sie verbinden die bürgerliche Mittelklasse mit ihrem sportlichen Gipfel. Mercedes C 350, VW CC V6 und Audi S4 fordern den flammneuen BMW 335i heraus. Wer kommt ihm am nächsten?
Stefan Helmreich
Die Mittelklasse ist inzwischen eine große, weite Welt. An ihrem Anfang hausen die Vernünftigen, die Lagunas und Avensis, wie sie in den schrillsten Silbergrauschattierungen auf Ämterparkplätzen stehen, Automieter enttäuschen und Mathematik-Studienräte meist stufig geschnitten und bar bezahlt durch den Ruhestand benzinern. Eine Schicht darüber schuften spritzige Dieselkombis als Kilometerfresser in den Vertreterkarawanen, transportieren Hiltis, Kinder, Kegel oder Image, wenn sie mit Großzollrädern, Sonderlacken und Sportoptikpaketen in Doppelgaragen von Neubauten schlüpfen. Und über allen schweben die Ms, RS und AMGs. Doch inzwischen entstehen innerhalb der Mittelklasse auch Zwischenwelten. Dazu zählen diese vier, die mit ihren mindestens 300 PS starken Sechszylindern nicht weit von der Sportprominenz, nur eben etwas bürgerlicher residieren.
Die C-Klasse wirkt ein bisschen wie das bequemste Auto der Welt.
Bild: Ronald Sassen
Mercedes C350: Der Mercedes C lebt auch als 350er eher ruhig, wahlweise elegant oder avantgardistisch, nicht zu modern, nicht übertrieben barock, aber in direkter Nachbarschaft zu Audi doch um einiges zurückgezogener. Anstatt seine ohnehin eher kommode Auslegung mit den strafferen Lenkungs- und Fahrwerkskennlinien des AMG-Pakets etwas anzufetten, gestatteten sie dem Testwagen noch nicht mal die optionalen Schaltpaddel. Warum er mit stumpfen Waffen antritt? Vielleicht, weil er sich selbst nicht wehtun will. Und genau das ist der Punkt: Als naturbelassener Avantgarde entfaltet sich die wahre Bestimmung der C-Klasse besser als in jeder anderen Konfiguration. Alles an ihr wirkt harmonisch, bis in den letzten Profilblock feinpoliert, restlos entschleunigend und damit – zumindest für uns, die wir meistens auf Sportfahrwerken herumholzen – ein bisschen wie das bequemste Auto der Welt.
Der CC bleibt ein Passat. Der elegantesten aller Zeiten vielleicht, aber ein Passat.
Bild: Ronald Sassen
VW CC: Der VW CC bleibt ein Passat, der eleganteste aller Zeiten vielleicht, aber ein Passat. Entsprechend warmherzig ist der Empfang. Die hohe Sitzposition drückt einen zwar ein bisschen unter die Dachschräge, integriert einen ansonsten aber hervorragend ins schlüssige Cockpit. Man kennt sich eben, schon von damals, 2008, als er kurz nach seiner Geburt gleich mal Jaguar XF und Mercedes CLS vermöbelte. Abgesehen von der üblichen Litanei an Assistenzsystemen und Infodisplays in HD, die er ebenso vom Ex-Namensvetter entlehnt wie die gestengesteuerte Heckklappe, hat sich allzu viel seither aber nicht getan. Alles liegt gewohnt locker in der Hand, reagiert gemäß der VW-Philosophie prompt, aber nicht allzu motiviert und schifft je nach Gemütslage relaxt Richtung Büros, stromt mit zwohundert-plus über linke Spuren oder treibt leger über Landstraßen.
BMW 335i: Der Reihensechser des BMW 335i hat das Maximalmoment früher beisammen als der Audi-V6, wölbt es breitflächiger übers Drehzahlband, wenn auch mit 400 Newtonmetern nicht ganz so hoch. Er legt einen Tick quirliger los, dreht insgesamt befreiter aus und fängt die 27 Mehr-PS, dank derer ihm der Audi etwas davon powert, über 174 Kilogramm Mindergewicht wieder etwas ab. Auch technologisch macht BMW beim F30 Ernst. Im Gegensatz zum Vorgänger, bei dem man Fahrwerkshärten noch über die Aufpreisliste definieren musste, lässt sich das Fahrerlebnis des Neuen nun über einen gleichnamigen Schalter vierstufig – trotz Unteroptionen jedoch nicht ganz so differenziert wie beim S4 – bedarfsjustieren. Interessant ist vor allem die Extremstufe Eco-Pro, die einem gesparten Treibstoff in Bonusreichweite umrechnet.
Über die diversen Drive-Select-Optionen lässt sich der S4 zum sportlichsten Auto seiner Liga hochstufen.
Bild: Ronald Sassen
Audi S4: Drei Vergleiche hat der Audi S4 der B8-Baureihe bislang bestreiten müssen, alle drei hat er gewonnen. Allein wie ihn seine einstellbare Lenkung in Ecken sticht, wie er die Ideallinie am Schlafittchen packt, die Fliehkraft mit seinem heckbetont balancierten Permanent-Allrad immer weiter in die Defensive drängt und das optionale Sportdifferenzial dazu nutzt, sein Heck in den Kurvenradius zu biegen, ist einfach nur grandios. Auch er wird im normalen Leben wohl eher Routen fahren als über Strecken rennen. Doch manchmal ist es halt einfach schön zu wissen, dass man es könnte. Mit seiner Einssechzehnfünf liegt er auf dem Niveau eines nicht gerade als Nuckelpinne verrufenen M5 V10. Nur zum Verständnis: Der Mercedes schlägt sich dort mit einer Bande zaghaft getunter Audi A1 herum. Vorhalten kann man dem S4 allenfalls, dass er einem die Erotik nur vorspielt. So wirkt es nicht eben antörnend zu erfahren, dass das markige Röhren, mit dem er seinen Dreiliter-Kompressor so stimmungsvoll untermalt, nicht der Motor komponiert, sondern ein Resonator an der Scheibenwurzel.
Wer das Gipfeltreffen am Ende gewinnt, erfahren Sie in der Bildergalerie.
Fazit
von
Stefan Helmreich
Sie alle entstammen einer Welt, und doch ist gerade der Audi noch mal eine ganz, ganz andere. Sein Sechszylinder ist stärker als die der Konkurrenz und dank der Kopplung ans S-Modell von vornherein schon fahraktiv verpackt – beides spielt er eiskalt aus. Beim BMW kann die tatsächliche Performance nicht ganz das halten, was einem das Handling verspricht. Er wirkt agil, bricht am Grenzbereich aber ein und muss sich somit bei seiner phänomenalen Antriebskombi bedanken, dass er im Gesamtranking dranbleiben kann. VW und Mercedes fallen dagegen vor allem querdynamisch deutlich ab. Beide sind hervorragende Autos, gehen gut, sind mit ihrer Auslegung aber einfach zu soft für die in diesem Test verlangte sportliche Härte.