Ziemlich genau 75.000 Euro kostet ein VW Golf 8 R – ausgestattet mit allem, was der Konfigurator hergibt. Viel Geld für einen Golf, doch es geht noch deutlich teurer: In Großbritannien wird aktuell einer von nur 71 jemals gebauten VW Golf G60 Limited angeboten. Der frühe Vorfahre des Golf R, wenn man so will. Das in Handarbeit von VW Motorsport gebaute Sondermodell auf Basis des Golf 2 soll fast 100.000 Euro kosten!
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Während heutzutage jeder den Golf GTI kennt, ist der G60 Limited weitestgehend unbekannt. Ende der 80er-Jahre hatte Klaus-Peter Rosorius, seinerzeit Leiter von VW Motorsport, eine verrückte Idee: Er wollte einen Golf 2 bauen, der alle anderen Versionen in den Schatten stellt, aber gleichzeitig eher unauffällig daherkommt. Die Idee zum G60 Limited war geboren.

Optisch ist das Sondermodell dezent

Als Basis diente ein viertüriger Golf 2 syncro, der in Handarbeit zum G60 Limited mutierte. Dass sich VW für einen Viertürer entschied, war Kalkül, denn aufgrund der kleineren Türausschnitte war die Karosserie verwindungssteifer.
Optisch blieb der stärkste Serien-Golf-2 aller Zeiten bewusst unauffällig. Anstelle einer roten Kühlergrill-Umrandung entschied sich VW Motorsport dazu, den Grill in der Porsche-Farbe "Rivierablau" zu lackieren.
Außerdem gab es ein paar dezente Motorsport-Plaketten und zweiteilige BBS-Felgen in 15 Zoll, die es 1989 nur für den Corrado gab und erst später auch für den Golf GTI G60 angeboten wurden. Ein Detail für absolute Kenner ist die mit orangefarbenen Blinkern ausgestattete Frontstoßstange vom US-Modell.
VW Golf G60 Limited
Optisch bleibt der Golf G60 Limited dezent. Die blaue VW-Motorsport-Plakette verrät das Sondermodell.

Im Gegensatz zur dezenten Optik wurde bei der Technik richtig aufgefahren. Rosorius kombinierte den 16V-Motor mit dem G60-Lader. Heraus kam der 1,8-Liter-Vierzylinder mit dem Motorenkürzel 3G, der so nur im G60 Limited verbaut wurde.
Mit 210 PS bei 6500 U/min war das Sondermodell fast doppelt so stark wie der ursprüngliche Golf 2 GTI mit 112 PS (107 PS mit Kat) und auch deutlich stärker als Golf GTI G60 und Golf Rallye, die aus ihren 8V-Motoren 160 PS herausholten.

VW Golf G60 Limited mit 210 PS

Um den G-Lader, der ähnlich wie ein Kompressor funktioniert und per Riemen vom Motor angetrieben wird, mit dem 16V zu kombinieren, wurde beim 3G-Aggregat die Lichtmaschine nach hinten versetzt.
Mit scharfer Auslass-Nockenwelle und großer Ansaugbrücke leistete der Vierzylinder bei 0,54 Bar 210 PS und 252 Nm maximales Drehmoment.
VW Golf G60 Limited
Den 16V-G60 gab es nur im Golf G60 Limited. Statt einer Nockenwelle (wie beim 8V) sind beim G60 Limited zwei Nockenwellen verbaut.

Fahrwerk und Fünfganggetriebe sollen vom Rallye Golf der Gruppe A stammen. Dank Allradantrieb (syncro) geht der Limited in 7,4 Sekunden auf 100 km/h und soll 230 km/h schaffen – wobei es auch Gerüchte gibt, dass das Sondermodell in unter sieben Sekunden auf Landstraßentempo beschleunigt.

Für den Super-Golf gab es keine Extras

Zum ehemaligen Neupreis von 68.500 Mark gab es einen vollausgestatteten Golf G60 Limited inklusive Lederausstattung mit Sitzheizung vorne, elektrischem Schiebedach, elektrischen Fensterhebern, elektrisch einstellbaren Außenspiegeln, getönten Rückleuchten, ABS, Servo, Zentralverriegelung und "Gamma"-Radio.
Extras gab es für den Limited nicht. Kunden konnten nicht mal die Außenfarbe wählen. Alle 71 gebauten und ausgelieferten Fahrzeuge (Insider sprechen von 72 Autos) waren Linkslenker in der Außenfarbe "Brillantschwarz Metallic" (Farbcode LP9V).
Auch wenn alle produzierten Golf G60 Limited Linkslenker sind, wurden einige Exemplare nach England exportiert. Nummer 16/71 ist seit mittlerweile 15 Jahren in Großbritannien beheimatet und sucht jetzt mit 108.921 Kilometern auf dem Tacho nach einem neuen Besitzer. Verkauft wird der extrem seltene Golf vom Händler "4Star Classics", und auf den Inseratsfotos macht der Kompakte einen sehr gepflegten Eindruck.

Laut Beschreibung wurde der Golf vor einigen Jahren minutiös aufgearbeitet, sodass sich Lack und Zierteile in hervorragendem Zustand befinden. Eine Ungereimtheit gibt es hingegen bei der Farbe: Laut VW sind alle G60 Limited schwarz; der Händler schreibt jedoch, der Golf trage "Graphitgrau Metallic", und auch auf den Fotos sieht der Lack etwas heller aus. Jetzt stellt sich die Frage: Wurde der Golf mal neu lackiert, oder handelt es sich schlicht um einen Schreibfehler im Inserat?
VW Golf G60 Limited
Der Innenraum sieht eher nach 10.000 als nach 110.000 Kilometern aus – was daran liegt, dass die Sitze neu bezogen wurden.

Weniger schlimm: An der Front gibt es kleinere Steinschläge, die bei über 100.000 Kilometern trotz größter Vorsicht nicht ausbleiben. Der Innenraum sieht auf den Bildern eher nach 10.000 statt knapp 110.000 Kilometern aus, was daran liegt, dass die Sitze 2019 mit originalem Leder bezogen und aufgepolstert wurden.

Rund 94.000 Euro soll der Golf jetzt kosten

Der Golf G60 Limited befindet sich seit 2007 in aktuellem Besitz. Kurz nach dem Kauf wurde der 1,8-Liter-16V umfangreich revidiert. Bei dieser Gelegenheit gab es auch gleich einige Modifikationen, beispielsweise wurden ein größerer Lader und eine Edelstahl-Abgasanlage verbaut.
Jetzt wird der seltene Golf zum Preis von 79.995 britischen Pfund angeboten. Umgerechnet sind das gut 94.000 Euro – also rund 20.000 Euro mehr als der Preis, den VW für einen nagelneuen, vollausgestatteten Golf 8 R aufruft.