VW Golf GTI 2.0 TSI DSG Facelift: Test
PS-Politur für den Kult-Kompakten: Golf GTI mit 20 Extra-PS im Test
VW Golf GTI Facelift im ersten Test
Bild: AUTO BILD
Kult werden ist nicht leicht, diesen Status zu erhalten richtig schwierig. Der Golf GTI hat das seit 1976 gut hinbekommen, aktuell sind die Aussichten für sportliche Kompakte mit Verbrennungsmotor aber trübe.
Also lässt VW seiner Ikone neben einem Facelift wie bei den Standardbrüdern noch ein bisschen Extrapflege zukommen.
Kleine Retuschen verfeinern die Optik
Am deutlichsten lässt die sich an der von 245 auf 265 PS angehobenen Leistung ablesen. Das kostet natürlich. GTI geht jetzt bei 45.655 Euro los, von den 4750 Euro Zuschlag entfallen 2250 Euro aber auf das nun serienmäßige DSG. Bleiben 2500 Euro – sind die gut angelegt?

Behutsames optisches Feintuning: Frontschürze und Tagfahrlicht sind neu gestaltet, das VW-Logo leuchtet jetzt im Dunkeln.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der GTI bleibt sich optisch treu, ist sofort erkennbar. Die Frontschürze und das Tagfahrlicht wurden neu gestaltet, das VW-Logo leuchtet im Dunkeln sehr trendy – ansonsten bleibt das meiste unverändert. Klar, auch die Rückleuchten funkeln in einem neuen Layout, und mit der Queenstown-Felge gibt es frisches Schuhwerk.
Fahrzeugdaten
Modell | VW Golf GTI 2.0 TSI |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo |
Einbaulage | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 1984 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 195 (265)/5250 |
Nm bei 1/min | 370/1600 |
Vmax | 250 km/h |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplung |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 235/35 R 19 Y |
Reifentyp | Bridgestone Potenza S005 |
Radgröße | 8 x 19" |
Abgas CO2* | 163 g/km |
Verbrauch* | 7,2 l S |
Tankinhalt | 50 l |
Kraftstoffsorte | Super |
Ottopartikelfilter | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 71 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1600/730 kg |
Stützlast | 80 kg |
Kofferraumvolumen | 374–1230 l |
Länge/Breite/Höhe | 4289/1789–2073**/1437 mm |
Radstand | 2627 mm |
Grundpreis | 45.655 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 50.180 Euro |
Die 19-Zoll-Felge kostet allerdings 1630 Euro extra und soll an die Detroit-Felgen des Golf 5 GTI erinnern, ist aber auch von der Classico-Felge aus dem Hause Alfa Romeo nicht so weit weg.
Interieur ist spürbar aufgewertet
Das Platzangebot und der Sitzkomfort bleiben unverändert gut, das Interieur zeigt sich spürbar aufgewertet. Der neue 12,9-Zoll-Berührbildschirm in der Mitte verfügt über permanent sichtbare Leisten für den Direktzugriff oben (frei konfigurierbar) und unten. Das funktioniert ganz gut, vor allem weil das MIB4-System angenehm schnell reagiert.

Den Innenraum hat VW aufgewertet und die Bedienung verbessert: Im Lenkrad gibt es echte Tasten, die Slider sind beleuchtet.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das Lenkrad trägt nun wieder echte Tasten, die leicht beherrscht werden können. Die Qualität ist okay, die Materialanmutung teils aber recht einfach – da ist noch Luft.
Noch spritziger mit 265 PS
Feinschliff an der Elektronik und 20 PS mehr lassen den neuen GTI in 5,8 Sekunden auf Tempo 100 stürmen, nach 21,3 Sekunden sind die 200 km/h geknackt. Dabei wirkt der Golf stets hellwach und sprungbereit, erst auf dem Weg zur Spitze (250 km/h) muss er sich spürbar strecken.

Geht gut: Nach 5,8 Sekunden knackt der frische GTI die 100-km/h-Marke, bereits nach 21,3 Sekunden erreicht er Tempo 200.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Auch beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven geht kaum Kraft verloren, bei entsprechender Temperatur kleben die Bridgestone Potenza S005 förmlich auf der Straße. So muss ein Untersteuern in den meisten Fällen schon mutwillig provoziert werden, wer sich mit wachen Sinnen in die Kurven wirft, sollte die Ideallinie kaum verfehlen. Der überarbeitete Fahrdynamikmanager samt elektronischer Differenzialsperre macht einfach einen noch besseren Job als bisher.
Messwerte
Modell | VW Golf GTI 2.0 TSI |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 2,5 s |
0–100 km/h | 5,8 s |
0–130 km/h | 8,8 s |
0–160 km/h | 12,9 s |
0–200 km/h | 21,3 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 2,8 s |
80–120 km/h | 3,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 1455/495 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 64/36 % |
Wendekreis links/rechts | 11,8/11,9 m |
Sitzhöhe | 515 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 34,6 m |
aus 100 km/h warm | 33,4 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 60 dB(A) |
bei 100 km/h | 67 dB(A) |
bei 130 km/h | 70 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 6,2 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 7,8 l S/100 km (+8 %) |
Sportverbrauch | 10,4 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 185 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 640 km |
Natürlich trägt auch die sauber ausbalancierte Progressivlenkung (Serie) zum hohen Fahrspaßlevel bei. Sie arbeitet ausreichend direkt, mit angenehmem Widerstand und liefert zuverlässige Rückmeldung. Auch Antriebseinflüsse lassen sich in der Lenkung nicht wirklich spüren. Ein Lob verdienen zudem die standfesten, sauber dosierbaren Bremsen.

Trittfester Dynamiker: Die Lenkung ist verbindlich und gibt gute Rückmeldung, auch die Bremsen können überzeugen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Fahrer hat zu jeder Zeit ein gutes Pedalgefühl, und wenn es drauf ankommt, steht der GTI aus Tempo 100 mit warmer Anlage nach guten 33,4 Metern. Mit kalten Scheiben braucht er für diese Übung 34,6 Meter, was immer noch voll okay ist.
Beim Komfort will der GTI ganz klar allen gefallen. Mit den Adaptivdämpfern DCC (865 Euro extra) provoziert er im Alltag keine Beschwerden, strafft sich bei Bedarf aber genug, um nicht zum Spielverderber zu werden. Und das Siebengang-DSG passt mit schneller Schaltarbeit und unauffälligen Gangwechseln ohnehin zu fast jedem Fahrertyp.
Wertung
Modell | VW Golf GTI 2.0 TSI |
|---|---|
Karosserie | Alltagstauglicher Kompakter mit guter Raumausnutzung, 1,6 t Anhängelast, Haube ohne Dämpfer. |
4/5 Punkten | |
Antrieb | Schnellster Basis-GTI bisher, spricht von unten gut an, DSG schnell und wach, Verbrauch okay. |
4,5/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Handlich und fahrsicher, gute Traktion auch aus engen Ecken, standfeste Bremsen, feine Lenkung. |
4,5/5 Punkten | |
Connected Car | Sprachbedienung gut (mit ChatGPT), Monitor scharf, Handykopplung kabellos, keine Satellitenkarte. |
4/5 Punkten | |
Umwelt | Keine Hybridisierung, Außengeräusch/Sportverbrauch hoch, Größe und Gewicht klassenüblich. |
2,5/5 Punkten | |
Komfort | Bedienung verbessert, DCC federt verbindlich, Sitze okay, Abrollgeräusch mit 19 Zoll leicht erhöht. |
4/5 Punkten | |
Kosten | Knackt schnell die 50.000-Euro-Marke, Wartung/Versicherung okay, nur zwei Jahre Garantie. |
2,5/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 2- |
Nicht emotional genug? Ja, der GTI bleibt verbindlich, klingt auch im Sportmodus eher dezent dynamisch, lässt nie den Krawallo raushängen. Doch genau das ist ja auch eine seiner größten Stärken. Er ist einfach schnell und sehr unterhaltsam, ohne peinlich aufzufallen.
An der Kasse langt VW ordentlich zu
Schon beim Grundpreis von 45.655 Euro müssen viele schlucken. Bei unserem Testwagen mit schwarzem Dach (1320 Euro), 19-Zoll-Queenstown-Rädern (1630 Euro) und einigen Annehmlichkeiten mehr stehen dann 55.175 Euro auf der Rechnung.

Teurer Kompaktsportler: Den modellgepflegten Golf 8 GTI gibt es ab 45.655 Euro, unser Testexemplar kostete stolze 55.175 Euro.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
So viel mehr kostet ein weniger alltagstauglicher, aber mit 446 PS starkem V8 gesegneter Ford Mustang auch nicht (ab 59.900 Euro). Und wie Ford belässt es VW auch beim GTI bei bescheidenen zwei Jahren Neuwagengarantie. Ein Auto mit Kultstatus dürfte da gern selbstbewusster auftreten.
Fazit
Seit fast einem halben Jahrhundert hegt und pflegt VW die drei magischen Buchstaben GTI. Und das ist auch gut so. Mit dem jüngsten Facelift und der leichten Leistungssteigerung halten sie das Interesse an ihrem Kompaktsportler hoch. Er bleibt ein schneller und fahraktiver Kompakter ohne jeden Anflug von Krawall. Andere machen vielleicht mehr Gänsehaut, aber kaum mehr Spaß. AUTO BILD-Testnote: 2-
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