Ja, so langsam kriegen wir angesichts des flauen Sommers 2012 die Krise. Statt Sonne satt folgte bisher ein Regenschauer dem nächsten, ein Tiefdruckgebiet jagte das andere. Puh. Gut, dass Volkswagen in diesen Wochen das perfekte Antidepressivum an den Start rollt: Kurz bevor Golf Nummer sieben Anfang September vorfährt, kombinieren die Niedersachsen erstmals GTI und Cabrio – noch im alten Blechkleid. Ein Sommerauto im Herbst seines Lebens. Hm. Ist der offene GTI bloß eine Marketing-Idee, um den Absatz des Auslaufmodells anzukurbeln? Oder kommt hier nach mehr als 35 Jahren zusammen, was schon immer zusammengehörte?

Überblick: Alle News und Tests zum VW Golf GTI

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Video: Audi A3, BMW 125i, Golf GTI

Kompakte Sonnenanbeter

Schließlich bringt der GTI zwar 50 PS mehr mit, trägt aber nur ein bisschen Schminke gegenüber dem bekannten Golf Cabrio mit 160-PS-Motor. Der Vergleich mit den deutschen Beach Boys Audi A3 Cabrio und BMW 125i Cabrio zeigt, was das GTI Cabrio als Aufheller draufhat. Er ist Wolfsburgs Volksheld, ohne Zweifel. Einen Paradiesvogel wie ihn braucht VW, diese durch und durch ernste Firma, die sonst millionenfach dunkelgraue Passat Variant auf unsere Straßen entlässt. Der tornadorote GTI ist das perfekte Alternativprogramm – riesige Lufteinlässe, unterarmdicke Auspuff-Endrohre. Steht dem Cabrio aber ausgezeichnet. Als GTI wirkt es einen Hauch weniger pummelig als die reguläre Offen-Version. Ganz im Gegensatz zum Konzernbruder Audi A3. Der war nie ein Auto, das Sehnsüchte weckte – und wirkt im Vergleich gedrungen und bieder. 

Überblick: Alle News und Tests zum BMW 1er

BMW 1er
Stürmischer Bayer: Im offenen BMW 1er weht den Passagieren der Wind am stärksten um die Nase.
Anders der BMW, der nicht wie VW und Audi auf einem Schrägheckmodell basiert, sondern vom klassischen Stufenheck-Coupé abstammt. Von allen BMW 1er ist der offene wohl die optisch am gelungenste Variante. Schlechtes Wetter hin oder her, wir wollen wissen, was unsere Testkandidaten als Cabrio draufhaben. VW, Audi und BMW setzen auf Stoffdächer – Blechklapp-Konstruktionen à la Peugeot 308 CC und Renault Mégane Cabrio, die einen dicken Hintern zum Verstauen des Faltdachs fordern und die Form verderben, hatten keine Chance. Gut so. Denn die heutigen Stoffmützen haben eine Festigkeit erreicht, die Hardtops überflüssig macht. VW und Audi setzen auf ein Dach mit Z-Faltung; es sitzt ebenso sicher und sturmfest wie das 1er-Top, das wie früher beim 3er im Stil eines Regenschirms gespannt wird ("Übertotpunkt-Kinematik"). Also Dach zurück und ab auf die Landstraße. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede. Der BMW will ein waschechtes Cabrio sein, lässt mehr Fahrtwind um die A-Säule wehen als Audi und VW, die ihre Passagiere mit flachen Windschutzscheiben und hohen Seitenwänden besser abschotten. Weitere Details zu den drei offenen Kompakten gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten können Sie sich im Artikelarchiv herunterladen.

Fazit

von

Stefan Voswinkel
Der ausgewogene Golf liegt am Ende vorn. Er gefällt mit kräftigem Turbomotor und fein abgestimmtem Fahrwerk. Trotzdem ist es der teure BMW, der durch seinen brillanten Sechszylinder am meisten begeistert. Obwohl der Audi auf der gleichen Plattform wie der Golf basiert, kann er nicht mehr begeistern.

Von

Stefan Voswinkel