Wie Schade! Wir dürfen immer noch nicht die beiden auf der Rennstrecke miteinander vergleichen. Audi sagt, das wird nichts wegen der Thermik. Wir könnten uns jedoch auch vorstellen, dass das eher innenpolitische Gründe hat. Denn nach allem, was wir im direkten Abgleich bislang herausgefahren haben, ist der S3 dem VW Golf R mindestens ebenbürtig. Zumal es für den Ingolstädter sogar einen semislickartigen Reifen als Option gibt; den Falken Azenis RS820. Na ja, wie dem auch sei: Wir gehen wieder einmal weg von der echten Rennstrecke und lassen die beiden stattdessen im Schnee gegeneinander antreten. (Alle Duelle unseres großen Wintertests.)

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Die technischen Eckdaten sind fast bis aufs Komma identisch. Der Golf hat einen etwas längeren Radstand und wiegt 60 Kilo weniger als der Audi. Beim Thema Allrad ist man sich hingegen einig. Der relativ monotone Haldex-quattro früherer Generationen wurde zum Facelift nun auch im Audi S3 gegen die neuere Variante mit Torque Splitter ersetzt. Den Allrad-Clou mit den zwei Lamellenkupplungen an der Hinterachse kennen wir bereits vom RS 3 – und unter anderem Namen natürlich auch vom VW Golf R.
VW Golf R und Audi S3 im Wintervergleich
Der Golf schiebt manchmal auf der Bremse etwas zu sehr ins Untersteuern. Quer fahren kann aber auch er auf höchstem Niveau.
Bild: Almuth Heene
Bei den Wolfsburgern nennt man den radselektiven Allrad R-Performance Torque Vectoring. An der Funktionsweise ändern die unterschiedlichen Namen natürlich nichts. Hüben wie drüben verteilt das System die Antriebskraft variabel zwischen den Achsen sowie dem linken und dem rechten Hinterrad. Im Extremfall können dem kurvenäußeren Rad bis zu 100 Prozent der am Heck verfügbaren Kraft zugeführt werden.

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Bucht man noch das R-Performance-Paket für 2410 Euro dazu, gibt es obendrein die Fahrprogramme "Drift" und "Special". Das eine zum Blödeln, das andere für die Nordschleife. Bei Audi kann man den heckbetonten Modus per "Dynamic Plus"-Taste aktivieren.
Motorbauart/Aufladung 
R4, Turbo 
R4, Turbo 
Einbaulage 
vorne quer 
vorne quer 
Hubraum 
1984 cm3 
1984 cm3 
Bohrung x Hub 
82,5 x 92,8 mm 
82,5 x 92,8 mm 
Verdichtung 
9,3:1 
9,3:1 
Leistung bei 1/min 
245 kW (333 PS)/5600-6500 
245 kW (333 PS)/5600-6500 
Literleistung 
168 PS/l 
168 PS/l 
Drehmoment bei 1/min 
420 Nm/2100-5500 
420 Nm/2100-5500 
kW (PS)/Nm E-Boost 
Getriebe 
7-Gang-Doppelkupplung 
7-Gang-Doppelkupplung 
Antriebsart 
Allrad 
Allrad 
Reifengröße 
225/40 R 18 - 225/40 R 18 
225/40 R 18 - 225/40 R 18 
Reifentyp 
Pirelli Sottozero 3 (A01)
Bridgestone Blizzak LM005
Maße L/B/H 
4352/1816/1415 mm 
4296/1789/1454 mm 
Radstand 
2618 mm 
2639 mm 
Leergewicht/Zuladung 
1610/425 kg 
1548/532 kg 
Tank-/Kofferraumvolumen 
55/325-1145 l 
55/341-1197 l 
0-100 km/h 
4,7 s 
4,6 s 
Höchstgeschwindigkeit 
250 km/h 
270 km/h 
WLTP-Verbrauch 
8,7 l Super Plus/100 km 
8,4 l Super Plus/100 km 
Grundpreis 
56.330 € 
57.950 €
Und sonst? Na ja, die Reifendimensionen sind mit 225/40 R 18 tatsächlich identisch. VW setzt jedoch auf Bridgestone-Gummis, die Ingolstädter hingegen auf Pirelli Sottozero 3 mit Audi-Kennung (A01). Und tatsächlich fühlen sich die italienischen Winterpellen hier in Livigno etwas wohler als die Japan-Gummis des Golf.
VW Golf R und Audi S3 im Wintervergleich
Im Audi lassen sich die perfekten Driftwinkel länger und verlässlicher ziehen als im Golf. Das macht den Ingolstädter am Ende richtig flott.
Bild: Almuth Heene
Zum Reifen-Poker wird die Paarung trotzdem nicht. Denn wahrscheinlich hätte der S3 diesen Vergleich auch mit den Bridgestones gewonnen. Weshalb? Weil er einfach mehr Traktion generiert als der Golf!

Perfektes Zusammenspiel im Audi

Das Zusammenspiel aus Allrad, Dynamic-Plus-Modus und den Pirelli-Winterreifen funktioniert nahezu perfekt. Normalerweise sind diese Autos eher kopflastig und untersteuernd auf solch einem Terrain. Der Golf hat damit auch an zwei Stellen etwas zu kämpfen.
Der Audi hingegen scheint die Kurven hier entweder sehr gut zu kennen, oder aber seine Systeme sind einfach einen Tick schlauer. Kurz vor der Kehre vom Gas, das Heck sanft eindrehen lassen, Lenkung mitnehmen, wieder aufs Gas, und spätestens ab Runde zwei beginnt man, sich zentimeterweise an die Schneewände heranzutasten. Der S3 tanzt regelrecht über den Schnee, schwingt sich selbstsicher von Kehre zu Kehre, während die Akrapovicˇ-Tüten jeden Lastwechsel mit einem feinen Sprotzler untermalen.
VW Golf R und Audi S3 im Wintervergleich
Bietet etwas mehr Grip und Traktion im Vergleich zu den Golf-Reifen. Pirelli Sottozero 3 samt Audi-Kennung (A01).
Bild: Almuth Heene
Nicht falsch verstehen! Der Golf fährt gewiss nicht schlecht, auch er ist am Ende weit vorne mit dabei. Doch irgendwie funktionieren Dämpfer und Torque im Special-Mode diesmal nicht ganz so perfekt wie im Audi. An manchen Stellen wedelt er so elegant wie sein Technik-Zwilling. An anderen wiederum geht ihm plötzlich das Moment an der Hinterachse aus.

Reifen und Bremsen als kleine Schwachpunkte

Der Schwung verebbt, lässt sich kurvenausgangs nicht so konstant ziehen. Auch die Bridgestones bauen weniger Seitenführung auf und haben zudem etwas mehr mit dem ABS zu kämpfen. Auf der Bremse keimt immer wieder ein kleiner Hauch Untersteuern. Doch das sind nur Nickligkeiten inmitten einer ziemlich großen Pisten-Gaudi. Und die macht in beiden – wer hätte es gedacht? – fast identisch viel Spaß.

Audi hat den Dreh raus

Wären Mitsubishi Evo und Toyota GR Yaris nicht mit am Start gewesen, der Audi hätte das Zeug zum Schneekönig gehabt. Perfektes Allrad-Handling, viel Grip und jede Menge Fahrspaß
Auch der Golf R wedelt ebenso gekonnt wie schnell übers Eis. Allrad und Reifen harmonieren jedoch nicht ganz so perfekt mit der Teststrecke wie im Falle des Audi.