Gebrauchtwagen-Test VW Golf VII GTI

VW Golf VII GTI: Gebrauchtwagen-Test

Viel Spaß, wenig Nebenwirkungen

In Generation 7 ist der VW Golf GTI zur Bestform aufgelaufen. Das gilt auch für Gebrauchte. AUTO BILD macht den Gebrauchtwagen-Test.
Wer hat's erfunden? Die Italiener waren's: GTI, diese drei legendären Buchstaben klebten Anfang der 60er-Jahre erstmals am Maserati 3500, der zu Beginn nur GT hieß. Das atemberaubend schöne Sportcoupé ist preislich längst in unerreichbare Sphären abgedriftet. Anders bei unserem Gebrauchtwagen. Der VW Golf machte GTI zum Symbol für Breitensport. Der titanschwarze Viertürer gehört preislich zu den günstigeren GTI-Offerten im Netz und ist glücklicherweise frisch inseriert. "Bilder folgen" stand noch über der Anzeige, doch das taten sie nie. Als wir wenige Tage später zum Ortstermin beim Händler vor den Toren Hamburgs anrücken, ist der 220 PS starke Basis-GTI bereits verkauft. Basis deshalb, weil VW damals neben dem Performance-Modell eben auch diese nur zehn PS schwächere Version anbot, ohne Differenzialsperre und mit etwas kleineren Bremsen. Der Neupreis unseres Testwagens lag inklusive Zusatzausstattung im Juli 2014 bei 33.150 Euro. Gut 3000 Euro steckte der Erstbesitzer in Extras, den Löwenanteil machten die 19 Zoll großen Santiago-Räder aus. Relativ nackt steht unser Massensportler also da, was dem Verkauf aber nicht geschadet hat. Der Wertverlust beträgt nach viereinhalb Jahren nur 47 Prozent.

Gebrauchtwagensuche: VW Golf GTI

An der Vorderachse finden wir Billig-Schlappen

Der Testwagen ist mit unter 18.000 Euro vergleichsweise günstig. Ein gepflegter Golf I GTI aus den späten 70ern ist teurer.

Beim Check auf der Hebebühne fallen zwei Dinge auf. Erstens: Der Zustand entspricht der unterdurchschnittlichen Laufleistung, ist also überdurchschnittlich gut. Keine gebrochenen Verkleidungsteile, auch die tiefe Frontschürze und die anfälligen Alufelgen sind zu 99 Prozent intakt. Zweitens: Wie zu erwarten wurde aber auch dieser GTI nicht nur schonend durch die Kurven getragen. An der Vorderachse mussten bereits für den ersten HU-Termin neue Gummis montiert werden. Der Vorbesitzer entschied sich für ein chinesisches Fabrikat, bei dem jeder Reifen, wir haben nachgeschaut, neu nur 68 Euro kostet. Unser Reifen-Experte Henning Klipp warnt ausdrücklich vor solchen Billig-Schlappen, erst recht bei einem knapp 250 km/h schnellen Kompaktsportler. An der Hinterachse befinden sich noch die originalen Dunlop Sport Maxx. Solche Marken-Pneus kosten in diesem Format übrigens 160 Euro pro Stück.

Technische Daten: Golf GTI 2.0 TSI
Motor Vierzylinder/vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4/2
Hubraum 1984 cm³
Leistung 162 kW (220 PS) bei 4500/min
Drehmoment 350 Nm bei 1500/min
Höchstgeschwindigkeit 246 km/h
0–100 km/h 6,5 s
Tank/Kraftstoff 50 l/Super
Getriebe/Antrieb Sechsgang manuell/Vorderrad
Länge/Breite/Höhe 4268/1799/1442 mm
Kofferraumvolumen 380-1270 l
Leergewicht/Zuladung 1351/469 kg
Überblick: Alles zum VW Golf GTI

Der Zweiliter-Vierzylinder garantiert Spaß

Der Erstkäufer orderte kaum Extras: Leder, DSG oder Navi sind nicht vorhanden – tut dem Fahrspaß keinen Abbruch.

Was will man mehr, solche Gedanken schießen uns bei der Testfahrt nach wenigen Minuten durch den Kopf. Das Fahrwerk ist straff, aber nicht übertrieben hart, die Sportsitze mit dem klassischen Karomuster bieten hervorragenden Seitenhalt und verdienen das Siegel "sehr gemütlich". Größten Anteil am Fahrspaß hat der großartige Zweiliter-Vierzylinder, der sich bestens mit dem manuellen Sechsganggetriebe versteht. Die Gänge flutschen beim Schalten ohne Mühe durch die kurzen Gassen, ruckfrei einkuppeln klappt wie von selbst. Und in so gut wie jedem Drehzahlbereich wird der rechte Fuß zum Dirigenten von mächtig viel Turbo-Schub. Vollendet wird das GTI-Feeling durch die gefühlvolle und gleichzeitig direkte Lenkung. Und trotz all der Sportlichkeit bleibt der Golf VII auch als GTI ein sehr ausgewogener Alltagsbegleiter. Wovon der Fahrer nichts mitbekommt, ist die aufwendige Technik des Turbomotors. Beim zwei Liter großen Vierzylinder handelt es sich um die dritte Generation der Motorenfamilie EA888. Das Kürzel ist Kennern nicht in bester Erinnerung geblieben. Der 16-Ventiler verfügt unter anderem über variable Ventilsteuerzeiten auf der Ein- und Auslassseite, Direkt- und Saugrohreinspritzung (verringert nebenbei das Verkoken der Einlassventile), eine bedarfsgesteuerte Ölpumpe und einen elektronisch gesteuerten Turbo, der in den Krümmer integriert ist und somit vom Motorkühlkreislauf vor Überhitzung bewahrt wird.

Kosten
Unterhalt
Testverbrauch 7,9 l S/100 km
CO2 183 g/km
Inspektion 220-500 Euro
Haftpflicht (14)* 455 Euro
Teilkasko (24)* 139 Euro
Vollkasko (21)* 550 Euro
Kfz-Steuer (Euro 6) 146 Euro
Ersatzteilpreise**
Lichtmaschine (AT) 729 Euro
Anlasser 452 Euro
Wasserpumpe 367 Euro
Zahnriemen entfällt, Steuerkette
Nachschalldämpfer 419 Euro
Kotflügel vorn links, lackiert 756 Euro
Bremsscheiben und -klötze 751 Euro
*Onlinetarif der HUK24-Versicherung: Zulassung in Hamburg, Fahrer nur Versicherungsnehmer und Partner (25 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 km, Schadensfreiheitsklasse 1; **Preise inklusive Arbeitslohn und 19 Prozent Umsatzsteuer

Das Wasserpumpengehäuse aus Kunststoff macht Ärger

Schwachstellen der Vorgängerversionen wurden abgestellt. Probleme macht jetzt aber das neue Wasserpumpengehäuse aus Kunststoff, durch Risse kann Kühlmittel austreten. Metall wäre hier die bessere Lösung, was sich auch die Experten der BAR-TEK Motorsport GmbH dachten und derzeit ein Pumpengehäuse aus Alu entwickeln. NIK-Inhaber Herr Bartoszewicz hat uns eine weitere Schwachstelle verraten. Der Auffangbehälter für die Öldämpfe ist beim GTI zu klein dimensioniert. Fahrzeuge, die auf der Rundstrecke bewegt werden, bekommen schnell Probleme mit Ölverbrennung, was im schlimmsten Fall zu einem Motorschaden durch angesaugtes Motoröl führen kann. Auch hierfür hat die BAR-TEK eine Lösung parat und bietet ein Öl-Catchtanksystem von VW Racing an. Im Alltag hat man diese Nebenwirkung nicht zu befürchten. Und das ist ja die wahre Stärke des GTI.

Gebrauchtwagen-Test VW Golf VII GTI

VW Golf VII GTIVW Golf VII GTIVW Golf VII GTI

Stefan Novitski

Fazit

Viele Schwachstellen des Vorgängers sind endlich abgestellt. Allerdings muss der aufwendig konstruierte Turbomotor seine Dauerhaltbarkeit noch beweisen. Aus Sicht der Gebrauchtkäufer stört die sehr gute Wertbeständigkeit. Urteil: vier von fünf Punkten.

Stichworte:

Kompaktklasse

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