VW Golf VII: Kaufberatung
Gesucht: der beste Golf

Seit fast 40 Jahren verkauft sich der Begründer der nach ihm getauften Klasse phänomenal. Mehr als 30 Millionen Exemplare liefen bisher insgesamt von den Bändern. Welcher Golf ist für Sie der beste?
- Peter Löschinger
Am Anfang schuf der Autogott … den Golf? Nein, auch wenn sich nun jüngere Leser irritiert die Augen reiben mögen, da gab es Unzählige vor ihm. Und auch Millionenschlager wie Ford T-Modell und VW Käfer hatte die Welt bereits gesehen. Doch versteht es der Global Player aus der niedersächsischen Provinz wie kaum ein zweiter Hersteller, sein wichtigstes Erzeugnis derart konsequent weiterzuentwickeln – ohne die empfindliche Volksseele mit Design-Mätzchen oder größeren technischen Reinfällen zu verschrecken. Wie sein Konzernbruder A3 baut auch der Golf seit September 2012 auf dem modularen Querbaukasten auf, der nach und nach bei über vierzig Konzernmodellen zum Einsatz gelangen soll und so die Fertigungskosten senkt. Bei seiner Premiere kostete der neue daher nicht mehr als sein Vorgänger. Mittlerweile startet er allerdings bei 17.175 Euro.
Video: VW Golf VII
Pro- und Contra-Check
Im Überblick: Alle Tests zum VW Golf

3,2 Liter Normverbrauch: Der BlueMotion ist der sparsamste Golf im Programm.
Bild: Werk
Und das ist heutzutage selbst in der Kompaktklasse keine Selbstverständlichkeit mehr. Hier profitiert der Golf von der Abwesenheit allzu modischen Designs sowie der Bevorzugung gerader Linien und großer Fensterflächen. Dank serienmäßiger Einstiegshilfe, welche die Frontsitze im Dreitürer nach vorn und wieder zurück in die Ausgangsposition bringt, entern auch ausgewachsene Mitreisende den Fond problemlos. Sogar hinter einem Fahrer um die 1,90 Meter sitzt sein Zwilling noch bequem, wenn er die Beine spreizt. An Kopffreiheit mangelt es den Insassen ebenfalls nicht. Die noch recht niedrige Schulterlinie und große Scheiben bieten hier den Mitreisenden eine gute Aussicht. Das gleiche Bild zeigt sich natürlich auch im Fünftürer und in den Sport- und Sparversionen. Das Raumangebot in Front und Fond fällt identisch aus, was vor allem GTI und GTD keinen Praxisnachteil verschafft, sondern sie zu echten Familiensportlern werden lässt.
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Sportlicher Klassiker: Den GTI gibt es mit 220 PS oder als GTI Performance mit 230 PS.
Bild: Sven Krieger
Die Lenkung empfinden wir als nahezu perfekt: Sie arbeitet direkt, aber auch bei hohem Tempo nicht nervös. Windgeräusche treten zwar ab etwa 130 km/h auf – wahrnehmbar, aber noch nicht störend. Das Standardfahrwerk schluckt auch grobe Ungehobeltheiten im Asphalt mit Bravour. Es zeigt dabei einen gelungenen Mix aus Komfort und sportlicher Knackigkeit. Je nach Bereifung dringen Querfugen vor allem akustisch schon mal in den Innenraum. Sollten Sie mit Vorliebe dynamisch unterwegs sein wollen, greifen Sie zum Sportfahrwerk mit 15 Millimeter Tieferlegung (ab Comfortline, 240 Euro). Wer lieber möglichst flexibel bleiben will, wählt die adaptive Fahrwerksregelung DCC (nicht für TSI mit 85 und 105 PS), die Abstimmungen von komfortabel bis sportlich zulässt. Die Fahrprofilauswahl passt darüber hinaus diverse Systeme wie Lenkung und Gasannahme in den Modi Comfort, Normal, Sport, Eco und Individual an. Bis 105 PS verbaut VW eine Verbundlenkerachse, die das Auto sicher und komfortabel in der Spur hält. Beim Spurwechsel mit voller Zuladung etwa bremst das ESC aber kräftiger ein. Die aufwendigere Mehrlenkerachse ab 122 PS kann alles etwas besser.
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Stärkster Diesel: Der GTD kommt fast an die Fahrleistung des GTI heran, ist dabei deutlich sparsamer.
Bild: Angelika Emmerling
Verglichen mit dem ersten Golf von 1974 ist selbst die billigste Basis ein feudal ausstaffiertes, technisches Wunderwerk. Gegenüber Konkurrenten aus Asien zeigt sich Trendline (15 Prozent Anteil) eher zweckmäßig. Immerhin: Manuelle Klimaanlage, höheneinstellbarer Fahrersitz, TFT-Touchscreen und Start-Stopp-System sowie Rückgewinnung der Bremsenergie (BlueMotion Technology) sind an Bord. Ein Radio indes kostet ab 410 Euro extra. Das tut bei einem Grundpreis von 17.175 Euro nicht nur psychologisch weh – genauso wie Fußmatten für 100 oder das Reserverad für 76 Euro anstelle des Reifenfüllmittels ab Werk. Auch Aluräder fehlen noch. Es sei denn, die Wahl fällt auf BlueMotion, GTI oder GTD. Da sind sie inklusive, wie auch das Sportfahrwerk. GTI und GTD laufen als eigene, gut bestückte Linien. Den BlueMotion kann man als Trend- und Comfortline konfigurieren. An Sicherheit mangelt es auch der Basis nicht, wie unter anderem die Airbag-Armada, Multikollisionsbremse und das Fahrstabilitätsprogramm ESC (mit elektronischer Sperre XDS) zeigen. Zudem müssen die treffliche Verarbeitungs- und Materialqualität ins Kalkül gezogen werden. Allein die Standardsitze dürften etwas mehr Seitenhalt vermitteln. Für 340 Euro Aufpreis machen Sportsitze dieses Manko wett.
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Gute Verarbeitung bietet schon die Basis – wirklichen Komfort gibt es erst ab Ausstattung "Comfortline".
Bild: Werk
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