VW ID.7: Test
Die E-Klasse von VW: neuer ID.7 überzeugt im ersten Test
VW ID.7 im ersten Test
Ist der noch Wolfsburg oder schon Stuttgart? VWs Elektro-Flaggschiff ID.7 glänzt mit stattlichen Maßen, viel Technik und hohem Komfortanspruch. Erster Test.
Bild: AUTO BILD
Die Eckdaten säuseln sanft Oberklasse: Fast fünf Meter pure Eleganz, 286 PS lässige Kraft und versprochene 599 Kilometer Reichweite erzählen leise vom entspannten Gleiten in den Urlaub. Da, ganz zart wispert es letztlich aus dem Prospekt: Merceeedeessss …
Das Auto selbst erzählt aber gerade etwas ganz anderes. Es raschelt hier und knistert da, die Reifen rauschen mit hörbarem Abroll-Rock über Asphaltflicken. Sagen wir es so: Akustisch ist hier ein ganz normales Elektroauto am Start. Okay, das klingt jetzt ketzerisch, ist aber gar nicht böse gemeint.
Im Testtrimm fast 65.000 Euro teuer
Im ersten Test mit dem neuen ID.7 stellen wir fest: VWs Elektro-Flaggschiff fährt mit hohem Anspruch vor, hält das meiste auch souverän ein, zeigt aber kleine Unpässlichkeiten. Die wir eigentlich gar nicht so hoch aufhängen würden, wenn der Testwagen nicht fast 65.000 Euro teuer wäre. Aber schön der Reihe nach.

Lang und Fließend: neue VW-Limousine mit Schrägheck, streckt sich auf 4.96 Meter Außenmaß. Unser Testexemplar kostete 64.490 Euro.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Als ID.7 Pro mit 77 kWh großem Akkubündel kostet der stattliche VW ab 56.995 Euro. Hier sind dann empfehlenswerte Extras wie die reichweitenoptimierende Wärmepumpe, Ergo-Sitze oder das herausragende LED-Licht noch gar nicht enthalten.
Fahrzeugdaten
Modell | VW ID.7 |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | hinten |
Spitzenleistung | 210 kW (286 PS) |
Dauerleistung | 89 kW (121 PS) |
maximales Drehmoment | 545 Nm |
Vmax | 180 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Hinterradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Trommel |
Testwagenbereifung | v. 235/45 R 20, h. 255/40 R 20 T |
Reifentyp | Bridgestone Potenza Sport |
Radgröße | v. 8,5 x 20",h. 9,5 x 20" |
Reichweite* | 599 km |
Verbrauch* | 14,7 kWh |
Batterieart | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität (netto) | 77 kWh |
Ladeleistung (AC/DC) | 11/175 kW |
Ladezeit (DC-Laden; 10-80 %) | 28 Minuten |
Ladeanschluss | hinten rechts |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1000/750 kg |
Stützlast | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 532–1586 l |
Länge/Breite/Höhe | 4961/1862–2141**/1536 mm |
Radstand | 2971 mm |
Grundpreis | 56.995 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 64.490 Euro |
Bedienstruktur hat sich verbessert
Trost: Nahezu vollumfänglich stattet VW den ID.7 mit Fahr- und Komfortassistenz aus, auch das Multimediasystem mit auffassungsschneller Sprachsteuerung fährt im größten ID serienmäßig mit.

Reduziert: vor dem Faher nur eine sehr kleine Anzeige, Bedienung vorrangig über Berührbildschirm. Das klappt besser als bei anderen ID-Modellen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Eine echte Verbesserung sehen wir zudem in der Gestaltung der Bedienstruktur (im Vergleich zu anderen ID-Modellen). So liest der Fahrer alle wichtigen Infos vorrangig über das klar gezeichnete Head-up-Display ab, die Schieberegler für Klima und Audio sind leicht zu finden, Fahrzeugfunktionen lassen sich über Abkürzungen und grafische Aufarbeitung leicht ansteuern.
Wechselstrom-Laden dauert ewig
Weniger modern geht es in der Kupferseele des ID vor sich. Zwar darf der Pro mit bis zu 175 kW Leistung Strom an Express-Säulen zapfen. Doch an Wechselstrom-Stationen wie daheim an der Wallbox zieht der VW nur mit maximal 11 kW Saft aus dem Versorgungsnetz.

An Schnelladern ist bis zu 175 kW Ladeleistung möglich. An der Wallbox mit Wechselstrom allerdings nur 11 kW – und dann wird's zäh.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Heißt: Den zur Klasse passenden 28 Minuten DC-Ladezeit (von 10 bis 80 Prozent Batteriefüllung) stehen lahme acht Stunden AC-Ladedauer zur Seite. Unnötig: Der Ladesteckdose fehlt ein Entriegelungsknopf, Zapfvorgänge müssen immer an der Säule gestoppt werden.
Messwerte
Modell | VW ID.7 |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 2,8 s |
0–100 km/h | 6,5 s |
0–130 km/h | 10,3 s |
0–160 km/h | 15,9 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 3,1 s |
80–120 km/h | 4,1 s |
Leergewicht/Zuladung | 2205/425 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 48/52 % |
Wendekreis links/rechts | 10,7/10,7 m |
Sitzhöhe | 585 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 36,6 m |
aus 100 km/h warm | 34,9 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 63 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 16,6 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 21,6 kWh/100 km (+47 %) |
Sportverbrauch | 25,5 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 356 km |
Analog zum mittelmäßigen Ladekapitel verhält sich der ID.7 auch in Sachen Reichweite. Von den versprochenen 599 Kilometern verbleiben nach unserer Verbrauchsprüfung – bei zusätzlich hemmenden –2 Grad Celsius Außentemperatur zum Messzeitpunkt – nur 356 Kilometer Aktionsradius.
Autobahnfahren liegt dem ID.7
Nochmals weniger wird es, wenn man dem Auto abfordert, was mächtig Spaß bereitet und was der ID.7 besonders gut kann: Mit deutlich mehr als Richtgeschwindigkeit die Autobahn entlangzuschnüren, auch mal bis zu den (abgeregelten) maximalen 180 km/h Spitze durchzuziehen, das Auto sauber mit den Fingerspitzen mittig in der Spur zu führen. Der ID.7 wäre ein hervorragender Schnell-, Viel- und Lässigfahr-Bolide.

Die Akkus sind weit unten im Wagen eingesetzt, die Abstimmung ist universell – der ID.7 fühlt sich fahraktiv und komfortabel an.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Dazu trägt auch der hohe Fahrkomfort bei. Außer gelegentliche Stößchen über die harten Reifenflanken der 20 Zoll großen Räder dringt nichts Unangenehmes in den Innenraum. Die Federung spricht über lange Wege an, die Stoßdämpfung arbeitet (auf die zarteste der fünfzehn Stufen gestellt) wunderbar feinfühlig. So kann der schwere VW lässig über Buckel schwingen, Kanten wegfiltern und auch dicke Wellen auswiegen, ohne schwammig zu reagieren. Fühlt sich sicher, gut aufgefangen und gut aufgehoben an.
Fahrleistungen passen zum Charakter
Überhaupt ist das sichere Fahrgefühl in Verbindung mit der gut fühlbaren Progressivlenkung ein dickes Pfund im Fahrerlebnis des ID.7. Trotz Hinterradantrieb und satten 545 Newtonmeter Dampf im Antrieb erschreckt der ID nie über ein auskeilendes Heck, Ausweichen meistert er lässig, das ESP reagiert feinfühlig und blitzschnell auf Ansätze von durchdrehenden Rädern.

Ordentlich: Der ID.7 sprintet in 6,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und schafft maximal 180 km/h. Das reicht im Alltag locker.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Auch die Fahrleistungen stimmen: Den Sprint auf Tempo 100 bringt der VW in 6,5 Sekunden hinter sich. Zusammenfassung an dieser Stelle: Der ID.7 fährt tadellos, eine Portion Oberklasse gleitet mit, VW hat das Auto bestens abgesichert und genügend Tempo eingebaut.
Wertung
Modell | VW ID.7 |
|---|---|
Karosserie | Praktisches Fließheck, viel Platz, eine Tonne Anhängelast, nach hinten unübersichtlich. |
4/5 Punkten | |
Antrieb | Nicht berauschend spurtstark, dafür fließend gleichförmig, 180 km/h Spitze. |
3,5/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Spurtreu, fahrstabil, vom erstklassigen ESP auf Kurs getrimmt. Das Gewicht schiebt bei Nässe. |
4/5 Punkten | |
Connected Car | Schon ab Werk mit guten Lösungen präpariert. Augmented Reality (Navi) auf hohem Niveau. |
4,5/5 Punkten | |
Umwelt | Üppige Grundfläche, kein Leichtgewicht, One-Pedal-Fahrmodus nicht möglich. Verbrauch passabel. |
4/5 Punkten | |
Komfort | Federungskomfort hoch, Geräuschniveau niedrig. Reifen prallen härter gegen Kanten. |
4,5/5 Punkten | |
Kosten | Mit relevanten Extras (Top-Sitze, Lärmschutzglas) schnell an der 60.000-Euro-Grenze. |
3,5/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 2 |
Und dann steckt ja noch ein äußerst funktionales Auto im Flaggschiff. Der ID bietet (abgesehen vom schmalen Sitz hinten mittig) für alle Passagiere gute Platzverhältnisse. Ungewöhnlich: Die Fondpassagiere sitzen hoch, schauen fast über die vorderen Kopfstützen hinweg auf die Straße. Einsteigen fällt leicht, trotz starrer Fondsitze passen Neigung der Lehne und Länge der Sitzfläche. So finden auch 1,80-Meter-Menschen eine gute, vor allem entspannte Haltung.
Der Kofferraum fasst bis 1586 Liter Gepäck und lässt sich einfach beladen – nach Fließheck-Art schwenkt der bis ins Dach reichende Deckel angenehm weit nach oben. So was hat Mercedes nicht.
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