VW Jetta (USA): Test, Motor, Preis
Viel VW für 20.000 Dollar: Wir cruisen mit dem Jetta durch Los Angeles

Alles wird teurer. Doch der in den USA verkaufte VW Jetta bietet extrem viel Auto zum kleinen Preis. Leider nicht bei uns. Ein Fahrbericht.
Bild: Jake Stumph
Timothy aus Pasadena stoppt seinen Nissan Sentra und ruft durch das offene Fenster nur schnell, dass das Auto, das wir da fotografieren, sehr cool sei. So was passiert in Los Angeles ständig, wenn Leute sehen, dass Menschen oder Autos professionell fotografiert werden. Das genügt schon, um für einen Star gehalten zu werden.
Ein Star unter den Automobilen ist unser 2022er VW Jetta, mit dem wir in L.A. unterwegs sind, sicher nicht. Aber er hat eine Qualität, die schon immer wichtig war, in diesen Zeiten aber noch viel bedeutsamer ist – er hat ein beeindruckendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Einfacher ausgedrückt: Er ist günstig.
"Affordable" sagen sie hier. Und wo jetzt schon jeder mittelgroße Einkauf bei Aldi in L.A. schnell über 100 Dollar verschlingt, ist der neue Jetta hier ein echter Inflationsbereiniger. Kaum mehr als 20.000 Dollar (netto) kostet der Basis-Jetta S. Unser Testwagen ist ein SEL, die High-End-Version, aber auch sie bleibt unter 30.000 Dollar. Im Leasing sind Kunden mit gut 300 Dollar monatlich dabei.

Kompaktklasse in Übersee: Der Jetta bietet fünf Passagieren viel Platz. Nur überm Kopf kann's im Fond etwas knapp werden.
Bild: Jake Stumph
Das Platzangebot des Jetta ist enorm
Was sie dafür bekommen, ist verdammt viel Auto. Zwar fährt der Jetta hier offiziell in der Kompaktklasse, aber das Raumangebot innen wie im Kofferraum ist wie so vieles in Amerika: einfach eine Nummer größer. Und so haben fünf Leute bequem Platz, auch wenn es hinten überm Kopf eng wird.

Klassische Karosserie: In den USA sind Limousinen immer noch beliebt. Hier tritt der Jetta gegen Honda Civic oder Hyundai Elantra an.
Bild: Jake Stumph
Amerikaner mögen Limousinen
Die Limousine ist eine Karosserieform, die auf dem US-Markt noch immer sehr beliebt ist. Der Jetta tritt gegen Honda Civic oder Hyundai Elantra an, die man hier an jeder Straßenecke sieht. Bevor wir Platz nehmen, ein Blick in den großen Kofferraum und die Erkenntnis: Der Preis kommt nicht von ungefähr. Materialien und Verarbeitung des in Mexiko gebauten Jetta sind im Detail dürftig. Offenes Blech und scharfe Blechkanten – man darf halt nicht zu genau hingucken.
Fahrzeugdaten
Modell | VW Jetta (USA) |
|---|---|
Motor | Vierzylinder-Turbo, vorn quer |
Hubraum | 1498 cm³ |
Leistung | 116 kW (158 PS) bei 5500/min |
max. Drehmoment | 250 Nm bei 1750/min |
Antrieb | Front, Sechsganggetriebe oder Achtstufenautomatik |
Länge/Beite/Höhe | 4737/1798/1466 mm |
Leergewicht | 1420 kg |
Kofferraum | 400 l |
0–100 km/h | 7,6 s |
Vmax | 200 km/h |
Verbrauch | 7,1 l/100 km (Super) |
Preis | ab 20.365 USD* |
Also reinsetzen in das Preis-Raum-Wunder und den neuen 1,5-Liter-Vierzylinder mit seinen 158 PS anschmeißen. US-typisch legt der Jetta leise und sanft los. Die Achtstufenautomatik (in der Basis auch als Sechsgang-Schalter erhältlich) wählt die Gänge mit Bedacht. Alles ist – typisch Amerika – eher auf Komfort ausgelegt. Und so rollt der Jetta angenehm über die schlechten Straßen Kaliforniens.
Der VW ist ein Auto für kühle Rechner
Vier Fahrmodi gibt es, wobei die individualisierbare Einstellung zu empfehlen ist. Da kann der Eco-Fahrbetrieb (der hier in der Regel ausreicht) mit einer etwas direkteren Lenkung kombiniert werden. Denn der Jetta ist kein Auto für Enthusiasten, eher für kühle Rechner.

Im Jetta arbeitet ein 1,5 Liter großer Vierzylinder-Turbo mit 158 PS. Der Motor reicht locker zum Mitschwimmen.
Bild: Jake Stumph
Beim Mitschwimmen auf dem Highway bleibt der Verbrauch deutlich unter sieben Litern. Wenn er im Stadtverkehr oder in den Hügeln Hollywoods mal etwas heftiger getreten werden muss, reagiert der 1,5-Liter-Turbo ungehalten und ruppig. Die in Kalifornien so beliebte Hybridisierung oder gar Elektrifizierung bietet VW beim Jetta nicht an.
Die Ausstattung ist umfangreich
Dafür ist die Ausstattung dieses Brot-und-Butter-Autos erstaunlich. Schon der Jetta S gibt seinem Besitzer das gute Gefühl, in einem teureren Auto zu sitzen. Digital-Instrumente, volle Konnektivität mit Apple CarPlay oder Android Auto. Dazu Assistenzsysteme wie Totwinkelwarner, ACC und Spurhalteassistent sind dazubuchbar. Plus: bequeme Sitze und eine erstaunliche Übersicht.

Von wegen Verzicht: Schon in der S-Variante fährt der Jetta viel Ausstattung auf. Er wirkt viel teurer, als er tatsächlich ist.
Bild: Jake Stumph
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