VW Passat 2.0 TDI 4Motion: Test
Wird der VW Passat wieder zum Vertreter-Liebling?

Der VW Passat ist teuer geworden – aber auch wieder richtig gut. Ein Einzeltest zwischen Preisfrage und Langstreckenliebe.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Den Nimbus des "Vertreterlieblings" hat der VW Passat längst verloren. Dieser Rang wurde ihm von den tschechischen Konzernbrüdern mit Bravour abgerungen. Und das liegt definitiv nicht an der Technik, denn die stammt in allen Fällen aus den VW-Regalen.
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Vielmehr dürfte die unterdessen mit spitzem Bleistift rechnende Kundschaft vor allem mit dem Preis hadern.
VW verlangt einen hohen Preis
Unser Test-Passat mit dem 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel, permanentem Allradantrieb und in der Ausstattungslinie Elegance kostet in der Basis satte 61.405 Euro. Mit dem Pro-Max-Infotainment, dem Akustikpaket, dem adaptiven Fahrwerk DCC Pro sowie standesgemäßen 18-Zoll-Rädern steigt der Preis auf 64.840 Euro.

Der geht richtig ins Geld: Mit Allrad ist der VW Passat 2.0 TDI in der Ausstattungslinie "Elegance" ab 61.405 Euro zu haben.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Allerdings ist jede dieser Investitionen ihr Geld wert. Während das Akustikpaket die Außenwelt wirksam abschirmt und – je nach Gemütslage – die passenden Klänge aus der Harman/Kardon-Soundanlage kommen, genießen die Insassen dank DCC Pro und seiner 15-fachen Spreizung einen Fahrkomfort, der in seiner Bandbreite nahezu universell ist.
In Fahrt punktet der Passat ordentlich
Für den Fahrer tritt bereits auf den ersten Metern der Preis in den Hintergrund. Die Zahl verschwimmt, und ein leises "den hätte ich gern" macht sich im Hinterkopf breit. Dieses Gefühl verstärkt sich auf der Langstrecke. Bei einem von AUTO BILD ermittelten Verbrauch von exakt 6,0 Litern im Drittelmix lassen sich mit dem 66-Liter-Tank theoretisch rund 1100 Kilometer zurücklegen – nonstop.

Sportlich und sparsam: In 7,6 Sekunden ist der Passat auf Tempo 100 und erreicht laut Tacho über 240 km/h. Im Test verbrauchte er exakt 6,0 Liter Diesel auf 100 Kilometer.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Auch bei Beschleunigung und Endgeschwindigkeit muss man mit dem großen TDI keine Angst haben, auf der Strecke zu bleiben. Für den Standardsprint ermittelten wir 7,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird mit 232 km/h angegeben, bei etwas Anlauf und gutem Willen stehen über 240 km/h auf dem Tacho.
Fahrzeugdaten
Modell | VW Passat 2.0 TDI 4Motion |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo |
Einbaulage | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Zahnriemen |
Hubraum | 1968 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 142 (193)/3500 |
Nm bei 1/min | 400/1750 |
Vmax | 232 km/h |
Getriebe | 7-Gang-Doppelkupplung |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 235/45 R 18 |
Reifentyp | Goodyear Eagle F1 |
Radgröße | 8 x 18" |
Abgas CO2* | 148 g/km |
Verbrauch* | 5,7 l D/100 km |
Tankinhalt | 66 l |
Kraftstoffsorte | Diesel |
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt | S/19,5 l |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2200/750 kg |
Stützlast | 90 kg |
Kofferraumvolumen | 690–1920 l |
Länge/Breite/Höhe | 4917/1849–2090**/1521 mm |
Radstand | 2837 mm |
Grundpreis | 61.405 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 64.840 Euro |
Allerdings gibt sich der sonst gut gedämmte und laufruhige Diesel dabei akustisch weniger zurückhaltend. Unter Last grollt er seine Anstrengung mit dem typischen Selbstzünder-Sound in den Innenraum. Deshalb gilt für den 193 PS starken 2.0 TDI aus der EA288-evo-Generation: In der Ruhe liegt die Kraft.
Zügiges Dahingleiten liegt dem VW
Das zügige Dahingleiten liegt dem Wolfsburger deutlich mehr als die Hatz. Wenn Leistung gefragt ist, schieben die über das Siebengang-DSG souverän verteilten 400 Newtonmeter über alle vier Räder kräftig an. Ist sie nicht nötig, rollt man entspannt dahin und lässt die Welt vorbeiziehen.

Diesel-Sänfte: Das 15-fach verstellbare DCC Pro-Fahrwerk filtert Fahrbahnunebenheiten souverän weg. Nur bei kurzen, harten Stößen machen sich die 18-Zöller bemerkbar.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Dazu passt auch das Fahrverhalten. Der Passat liegt satt und bemerkenswert sicher auf der Straße. Lange Wellen filtert er ebenso souverän weg wie grobe Unebenheiten im Asphalt. Erst kurze, harte Stöße werden aufgrund der begrenzten Dämpfung der 18-Zoll-Räder spürbar in den Innenraum weitergegeben.
Messwerte
Modell | VW Passat 2.0 TDI 4Motion |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 2,6 s |
0–80 km/h | 5,2 s |
0–100 km/h | 7,6 s |
0–130 km/h | 12,4 s |
0–160 km/h | 19,6 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 4,2 s |
80–120 km/h | 5,4 s |
Leergewicht/Zuladung | 1779/541 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 56/44 % |
Wendekreis links/rechts | 11,8/12,0 m |
Sitzhöhe | 530 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 34,3 m |
aus 100 km/h warm | 33,4 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 57 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 4,5 l D/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 6,0 l D/100 km (+5 %) |
Sportverbrauch | 8,7 l D/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 156 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 1100 km |
Die variable Lenkung mit ihrer präzisen Übersetzung und angenehmer Servounterstützung macht es leicht, den 4,92 Meter langen Lademeister zielgenau zu dirigieren. Selbst auf schlechten Straßen wirkt der Variant nie unpräzise oder schwammig.
Solide Verarbeitung und angenehme Haptik
All das erleben die Reisenden in einem sehr gelungenen Ambiente. Der Passat verströmt im Innenraum wieder das, was lange verloren schien: solide Verarbeitung und Materialien mit angenehmer Haptik. Selbst die Türablagen sind – wie früher – gefilzt. Ein Detail, das man inzwischen selbst bei Premiumherstellern wie Mercedes oder BMW an einigen Stellen schmerzlich vermisst.

Der Innenraum glänzt mit guter Verarbeitung, ebensolchen Materialien und mutet mit dem optionalen 15-Zoll-Display und dem Ambientelicht sehr modern an.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Bis hierhin leistet sich der Passat kaum Schwächen. Erst beim bekannten "Touchscreen-Terror" rollt der Fahrer gelegentlich die Augen – die er eigentlich auf der Straße behalten soll. Denn die verschachtelten Menüs der Zentralanzeige, das suboptimal platzierte Display und die weiterhin misslungene Klimabedienung sorgen für ungewollte Ablenkung.

Unnötig kompliziert: Viele Funktionen muss man in verschachtelten Menüs suchen. Auch die Bedienung der Klimaautomatik über TFT oder Slider bleibt nervig.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Positiv überrascht dagegen die Sprachassistentin "Ida", die auf Zuruf aktiviert wird. Sie hilft beim Einstellen der Sitzheizung ebenso wie bei der Beantwortung von Alltagsfragen. Erfreulich ist zudem, dass das Infotainment mittlerweile flüssig und stabil läuft.
Bremsassistent mit Fehlalarm
Auch das bordeigene Navigationssystem überzeugt mit gut integrierter Darstellung im Fahrerdisplay, wenn auch ohne Hervorhebung freier Strecken. Alternativ lässt sich problemlos auf Apple Karten oder Google Maps ausweichen. Die Smartphone-Integration funktioniert schnell und zuverlässig.

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Gelegentlich irritieren allerdings etwas übereifrige Bremsassistenten beim Rückwärtsfahren. Hier wird mitunter Gefahr erkannt, wo keine ist. Andererseits gilt: lieber einmal zu viel eingegriffen als eine Beule im Heck.
Viel Transporttalent hinter der Heckklappe
Die Sitze nehmen Becken und Oberkörper gut auf, bieten ausreichend Halt bei dynamischer Fahrt und überzeugen über die Distanz sogar mit Massagekomfort. Auch im Fond reist man entspannt – die Platzverhältnisse wurden im Testerkreis unisono als "fürstlich" bezeichnet.

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Fürstlich fällt auch das Gepäckabteil aus. Mindestens 690 Liter Stauraum stehen zur Verfügung. Die maximale Zuladung von 541 Kilogramm geht ebenso in Ordnung wie die Anhängelast von 2,2 Tonnen. Selbst zwei E-Bikes auf der Anhängerkupplung sind bei einer Stützlast von 90 Kilogramm kein Problem.
Wertung VW Passat 2.0 TDI 4Motion
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Üppiges Platzangebot, gute Verarbeitung, riesiger Kofferraum, ACC Serie, zwei Tonnen Anhängelast. | 4,5 / 5 |
Antrieb | Solide Fahrleistung, gute Laufkultur, unauffälliges DSG, große Reichweite, geringer Verbrauch. | 4 / 5 |
Fahrdynamik | Fahrsicher und leichtfüßig, Progressivlenkung Serie, feinfühlige Bremsen, kurzer Bremsweg. | 3,5 / 5 |
Connected Car | Flüssig laufende Software, fitter Sprachassistent, Echtzeitnavigation, Bedienung befriedigend. | 3 / 5 |
Umwelt | Gewicht mit fast 1,8 Tonnen okay, konventioneller Diesel mit Euro 6e, CO2-Ausstoß im Rahmen. | 2 / 5 |
Komfort | Ausgezeichnete Sitze, mit DCC universell gefedert, gute Geräuschdämmung, Diesel brummelt ab und zu. | 4 / 5 |
Kosten | Hoher Anschaffungspreis, Wartung alle zwei Jahre, nur zwei Jahre Garantie, recht hohe Versicherung. | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,9 |
Am Ende ist unser VW Passat mit knapp 65.000 Euro wahrlich kein Schnäppchen. In seiner Gesamtheit besitzt er jedoch wieder diesen "Will haben"-Faktor, der zumindest jene erreicht, deren Budget es zulässt – oder die ihn von ihrem Arbeitgeber als Dienstwagen zur Verfügung gestellt bekommen.
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