Alle reden vom Downsizing. Die Ökos, na klar. Aber auch bei Sportlern ist Abspecken ein Dauerthema. Hier geht es jedoch nicht ums Spritparen, sondern um eine Renn-Diät. So hat VW jetzt den GTI geschrumpft, auf das Maß und die Masse des Polo – steckt in weniger Auto deshalb mehr Sportgeist? Auf jeden Fall eine Menge Technik, denn der Polo GTI greift mit 180 PS, Doppelaufladung, Siebengang-DSG und elektronischer Differenzialsperre nach der Sportler- Krone. Die lässt sich der Mini Cooper S natürlich nicht so einfach entreißen, hält nach kleiner Leistungsspritze jetzt mit 184 Turbo-Pferden dagegen. Auch der Alfa MiTo Quadrifoglio Verde zählt zur geladenen Gesellschaft, rechnet sich mit dem 170-PS-MultiAir-Triebwerk gute Chancen aus.
Das bieten sie: Alle drei verzichten auf effektheischende Kriegsbemalungen. Zum Glück. Nur die Doppelendrohre und 17-Zoll-Räder zeugen von der motorischen Potenz. Klimaanlage, elektrische Fensterheber oder Zentralverriegelung sind grundsätzlich Serie, ebenso ESP und mindestens sechs Airbags. Kritischen Blicken hält der Polo gewohnt souverän stand, er überzeugt auch als GTI mit akkurater Verarbeitung, simpler Bedienung, wohnlichem Interieur und guter Übersicht. Zudem bietet er am meisten Platz für bis zu fünf Personen. Alfa und Mini sind dagegen nur für vier zugelassen, und der enge Fond des Briten ist nur Kindern zuzumuten. Die haben zumindest Spaß an der verspielten Einrichtung, die mit Tacho im XXL-Format, unpraktischen Kippschaltern und Chrom-Tand geschmacklich zwischen Kitsch und Kult wandert.
Alfa Romeo MiTo QV
Bild: Toni Bader
Ausgerechnet der Alfa wirkt dagegen richtig seriös, wenngleich die Verarbeitung im Detail nicht so sorgfältig ausfällt. Dafür bietet der MiTo als Einziger einen vernünftigen, 270 Liter großen Kofferraum. Mini (160 Liter) und VW (185 Liter) schlucken deutlich weniger Gepäck. Das schränkt die Reisetauglichkeit des Polo GTI empfindlich ein, ansonsten wäre er mit guter Geräuschdämmung und hervorragenden Sportsitzen bestens gerüstet für den Urlaub. Im Alfa sitzt man ebenfalls bequem, vermisst aber Seitenhalt. Der Mini schließlich integriert seinen Piloten perfekt auf tief angebrachten, prima stützenden Sesseln.
So fahren sie: Nicht nur die Sitzposition des Engländers erinnert an einen Kart, sondern auch das Fahrverhalten, jedenfalls mit der optionalen Sportabstimmung des Testwagens (200 Euro). Während sich Alfa und VW fiese Attacken auf die Bandscheiben verkneifen und trotz straffer Federung zumindest grobe Stöße ganz anständig schlucken, wird die Mini-Besatzung auf Flickenteppichen heftig durchgeschüttelt. Auf glatterem Asphalt zaubert der Cooper S dem Fahrer jedoch ein Dauergrinsen ins Gesicht, sobald der sich mit der giftig ansprechenden Lenkung arrangiert hat. Keiner pfeffert so zackig um die Ecken wie der Mini, lässt sich dabei so locker auf Kurs halten. Lästiges Wanken oder Untersteuern? Gibt es nicht. Dafür ein sportlich abgestimmtes, fein regelndes ESP, das dem Piloten stets das beruhigende Gefühl vermittelt, alles unter Kontrolle zu haben. Selbst bei Lastwechseln, bei denen das Heck leicht nach außen drängt, um Könnern noch flinker um enge Kurven zu helfen.
Mini Cooper S
Bild: Toni Bader
Dazu passen die präzise Sechsgangschaltung und der 1,6-Liter-Turbomotor, der vom bissigen Antritt im Drehzahlkeller bis zur prickelnden Drehfreude alles bietet, was einen Sportler ausmacht. Und dabei im Schnitt nur 7,2 Liter Super plus nimmt – klasse! Der Polo GTI lässt sich von diesem Feuerwerk der Gefühle freilich nicht beeindrucken, kontert mit kühler Präzision. Und spurtet ganz einfach am schnellsten, spart am besten, dreht am höchsten, bremst am kürzesten, läuft am kultiviertesten ... Was wir jedoch bei aller Perfektion vermissen, ist dieser mitreißende Charme des Mini, der immer wieder zu einer flotten Feierabendrunde verführt – einfach nur so, zum Spaß. Den kann im Polo das ruckfrei schaltende Doppelkupplungsgetriebe (DSG) – eigentlich eine feine Sache – verderben. Wer das Spiel mit Gas und Kupplung als sinnlich-lustvolles Vergnügen betreibt, wird den trägen und mitunter eigenwilligen Schaltvorgängen des DSG wenig abgewinnen.
Der Polo GTI versteht sich eher als Gran Turismo, weniger als Kiste für die Piste. Wie auch der Alfa. Im Alltag durchaus flott und spaßig, verhagelt die gefühllose Lenkung dem MiTo beim Kurvenwetzen die Linie – selbst im Dynamic-Modus der drei wählbaren Fahrprogramme. Außerdem schiebt der Alfa in schnellen Ecken stur geradeaus, sein ESP bekommt das heftige Untersteuern nicht in den Griff. Besser gefällt der kultivierte und dank Start-Stopp-Systems sparsame 1,4-Liter-Turbo (7,3 l), der sich zwar eine Anfahrschwäche leistet, dann aber mit heiserem Grollen kraftvoll anschiebt.
 
Das kosten sie:
Am günstigsten ist der gut ausgestattete Alfa MiTo QV, der mit aktivem Fahrwerk auf 21.550 Euro kommt. Der nur mit Siebengang-DSG lieferbare VW Polo GTI kostet knapp einen Tausender mehr. Und der Mini Cooper S (u. a. inklusive Sportfahrwerk) hebt mit 24.360 Euro richtig ab. Unser Wunsch: Wie wär's mal mit einer Diät bei den Preisen?
Mehr zum Test der drei Kraftzwerge sehen Sie oben in der Bildergalerie! Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv .

Fazit

von

Uli Holzwarth
Nach Punkten liegt der ausgewogene VW Polo GTI deutlich vorn, er leistet sich im Alltag kaum Schwächen. Als Sportler wirkt er aber (zu) brav. Zweiter wird der kompromisslose Mini Cooper S. Er ist der Gewinner der Herzen, weil er einfach am meisten Spaß macht. Dahinter: der Alfa MiTo QV, den das träge Handling und die teigige Lenkung zurückwerfen.