Dass die heimische Autoindustrie aktuell vor großen Herausforderungen steht, lässt sich angesichts sinkender Absatzzahlen, Stellenabbau und Werksschließungen nicht bezweifeln. Auch Volkswagen, der größte Autobauer Deutschlands, steckt mitten im Umbruch – und damit auch vor einem radikalen Kurswechsel.
Auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung gab CEO Oliver Blume bekannt, dass der Konzern seine riesige Modellpalette deutlich ausdünnen wird. Was zunächst nach Sparmaßnahme klingt, ist in Wahrheit Teil einer großen Strategie und ein klares Eingeständnis: Es gibt schlicht zu viele Modelle.

Weniger ist manchmal mehr

Der Wolfsburger Autoriese kämpft seit Jahren mit hoher Komplexität. Zu viele Baureihen, zu viele Varianten, zu viele Plattformen – das macht Entwicklung und Produktion teuer und langsam. Genau hier setzt die neue Strategie an.
Künftig will Volkswagen stärker auf Bestseller setzen und das Angebot deutlich straffen. Statt viele Nischenmodelle im Portfolio zu behalten, konzentriert sich der Konzern auf Fahrzeuge mit hohen Stückzahlen. Ziel: bessere Margen, mehr Tempo bei der Entwicklung und mehr Übersicht für Kunden.
CEO Oliver Blume
Auf der VW-Jahreshauptversammlung präsentierte CEO Oliver Blume die neue 8-Punkte-Strategie des Konzerns.
Bild: VW AG
Auch hinter den Kulissen wird kräftig ausgemistet. Heißt konkret: weniger Plattformen und Elektronik-Architekturen, um die Technik zu vereinheitlichen und Kosten zu drücken. Parallel wird das Produktionsnetz angepasst, und Überkapazitäten werden abgebaut. In seiner Rede machte Konzernchef Blume deutlich, wie ernst die Lage ist. Der Konzern verdiene trotz guter Produkte schlicht nicht genug Geld.
Sinngemäß sagt Blume, dass die jahrzehntelang erfolgreiche Konzernstrategie – Autos in Europa entwickeln, weltweit verkaufen – heute so nicht mehr funktioniere. Und das nicht zuletzt aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks – insbesondere aus China.

Große Modelloffensive trotz Kürzungen

Paradox: Während Volkswagen Modelle streichen will, läuft gleichzeitig die größte Modelloffensive der Unternehmensgeschichte. Neue Stromer wie ID.Polo, Cupra Raval oder überarbeitete Kernmodelle wie der Audi A6 allroad stehen in den Startlöchern. Doch die Devise lautet künftig: Qualität statt Quantität.
Mazda MX-5 Skyactiv-G 2.0
Auch das VW T-Roc Cabriolet wird 2027 eingestellt.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Bis 2030 will der Konzern wieder deutlich profitabler werden. Die Rendite soll auf bis zu zehn Prozent steigen – ein ambitioniertes Ziel. Dafür muss Volkswagen vor allem eines schaffen: effizienter werden. Und das bedeutet nun mal auch, sich Stück für Stück vom eigenen Modell-Dschungel zu verabschieden und sich komplett neu aufzustellen.