VW T6: Probleme mit Dieselmotor
Kunden klagen an: Motorschäden auch beim neuen Bulli

AUTO BILD deckte auf: VWs Biturbo-Diesel im T5 hat einen schweren Konstruktionsfehler. Nun tauchen auch beim T6 Motorschäden auf. Das müssen Bulli-Besitzer wissen!
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- Roland Kontny
Der VW T6 von Andreas Wien ist ein echter Schluckspecht. Sein Bulli, Baujahr 2016, säuft aber keinen Sprit, sondern Motoröl: fünf Liter auf 4000 Kilometern, bei einem Kilometerstand von 122.000. Der VW-Besitzer aus Geesthacht (Schleswig-Holstein) führt auf Anraten seiner Werkstatt Buch über den Schmiermittelverlust – und macht sich Sorgen um seinen einstigen Traumwagen.
Zu Recht. Denn die Fälle von Motorschäden beim T6 mit dem Biturbo-Diesel (204 PS, Motorcode CXEB) häufen sich. Laut VW wurden weltweit 84.359 T6 der Modelljahre 2016 bis 2019 mit dem Top-Aggregat ausgeliefert.
VW T6 mit Leistungseinbußen, Kühlwasserverlust, hohem Ölverbrauch
Viele Kunden klagen über Leistungseinbußen, Kühlwasserverlust und hohen Ölverbrauch – alles Vorboten für den endgültigen Ausfall des Triebwerks. Dagegen hilft kein Öl-Tagebuch, sondern nur der Tausch des Motors und weiterer bereits beschädigter Bauteile. Und ein hartnäckiges Auftreten gegenüber dem Hersteller.

Mutmaßliche Ursache für den Ölverbrauch: Verkokungen der Feder im Ölabstreifring machen ihn unbeweglich, er liegt nicht mehr an der Zylinderwand an, Öl dringt in den Brennraum ein.
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Volkswagen ist das Problem bekannt. Auf Nachfrage spricht VW von einer Schadensrate "im niedrigen einstelligen Prozentbereich". Zu den technischen Gründen heißt es lediglich, es könne unter bestimmten Einsatzbedingungen zu einem "innermotorisch bedingten erhöhten Verschleiß" kommen.
So gibt es eine Reparaturroutine, bei der Rumpfmotor, Partikelfilter, Kat und Lambdasonde getauscht werden. Allein die Kosten für das Material belaufen sich auf etwa 12.800 Euro, die dank einer "umfangreichen Kulanzregelung" – abhängig von Fahrzeugalter und Laufleistung – nicht allein vom Kunden getragen würden.
Kunden kämpfen um Kostenbeteiligung durch VW
Ein solches Angebot ist ebenso wenig an Andreas Wien herangetragen worden wie an Christian Bender aus Blieskastel-Aßweiler (Saarland). Im Dezember 2022 fiel der Turbo seines T6 von 2018 aus, der Ölverbrauch lag da bei zwei Litern auf 1000 Kilometern – bei einem Kilometerstand von knapp 130.000. Von VW hat Bender seit März 2023 nichts gehört, eine Kostenbeteiligung ist nicht in Sicht. Inzwischen hat der VW-Fahrer einen Anwalt eingeschaltet.

Verkokte Kolben und Kolbenringe: Folgen einer mangelhaften Ölrückführung und minderer Materialqualität, vermutet Instandsetzer Richard Wild.
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Das hat auch Jürgen Eichhorn aus Nürnberg getan. Seit Ende März 2023 steht sein T6 (Baujahr 2017, 80.000 km) in der Werkstatt. Ein erster Reparaturversuch schlug fehl. Bei einer endoskopischen Untersuchung fanden sich dann Metallteile im Kraftstoff – der Motor von innen zerstört.
Am Telefon prognostizierte ihm VW Kosten in Höhe von mindestens 20.000 Euro. Das Auto und bereits getauschte Teile sind jetzt Beweismittel; gerade beauftragte das Gericht ein unabhängiges Gutachten. Für Eichhorn steht fest: "Es ist weniger die Frage, ob Probleme auftreten, sondern eher, wann."
Motorinstandsetzer bekommen Anfragen von T6-Besitzern
Das legen auch Erkenntnisse der Internetseite "motorschadenvergleich.de" nahe. Dort zählt man über die vergangenen zwölf Monate 65 Anfragen zu einem überarbeiteten CXEB-Motor. "Eine solche Häufung ist sehr ungewöhnlich. Der Motor scheint besonders anfällig für Schäden zu sein", sagt Josua Schulte, einer der Macher des Portals.
Die technischen Ursachen lassen sich bislang nicht so klar eingrenzen wie im Falle des Vorgängers VW T5, bei dem mangelhafte AGR-Kühler das Problem sind. Schulte vermutet eine konstruktive Schwäche des Ventils der Abgasrückführung (AGR) in Verbindung mit dem Software-Update im Zuge des Dieselskandals. Dies könnte die thermische Belastung im Motor erhöht haben.
Beim Instandsetzer Wild Motoren in Unterpleichfeld (Bayern) melden sich etwa 15 bis 20 T6-Besitzer im Monat. Chef Richard Wild glaubt, dass Ausführung und Materialqualität von Kolbenringen und Kolben den Anforderungen auf Dauer nicht gewachsen und somit Ursache für den Ölverbrauch sind.
Rechtsanwälte mit Spezialgebiet Bulli-Ärger
Inzwischen haben sich auch Rechtsanwälte auf Motorschäden beim T6 spezialisiert. Wie Pascal Fuest aus Meerbusch, der vor allem von thermischen Problemen und defekten AGR-Ventilen spricht. Rechtsanwalt Frederick Gisevius aus Stuttgart vertritt nach eigenen Angaben bereits 20 Geschädigte, ihn erreichen derzeit etwa fünf neue Anfragen pro Woche.
Gisevius geht von "mehreren konstruktiven Schwachstellen im Verbund mit den Update-Folgen" aus. Zudem stellt er einen "nicht unerheblichen Widerstand von VW" fest. Der Autohersteller habe von sich aus kein Interesse, "eine wirtschaftlich vernünftige Lösung für alle betroffenen T6-Fahrer anzubieten". Aus einem technischen Problem macht VW für seine enttäuschten Kunden nun auch noch ein juristisches.
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