VW-Tiguan und Konkurrenz: Gebraucht-Check
Gebrauchtes Glück für Familien: Kompakte SUV im Check

Viel Platz, hohe Sitzposition und familientaugliche Talente machen Kompakt-SUV zu begehrten Gebrauchten. Fünf beliebte Modelle treten zum Check an.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Familien-SUV gesucht? Bei den meisten Interessenten landet ein Modell aus der Klasse der Kompakt-SUV weit oben auf der Wunschliste. Kein Wunder, Typen wie VW Tiguan, Hyundai Tucson, Ford Kuga, Toyota RAV4 oder Mazda CX-5 werden den meisten Ansprüchen mehr als gerecht, bieten nicht nur einen erhöhten Einstieg, sondern auch gute Platzverhältnisse und vor allem ein Raumgefühl, das über dem der meisten Mittelklasse-Kombis liegt.
Hohes Gewicht, verminderter Fahrkomfort und der höhere Luftwiderstand sind nicht von der Hand zu weisen. Doch in Länge und Breite bleiben die beliebten Kompakt-SUV tatsächlich im Rahmen, von Dickschiffen kann hier nicht die Rede sein. Klarer Nachteil für Gebraucht-Käufer – zumindest am vorderen Ende der Bilanz: Sie sind beliebt, entsprechend stabil eingepreist und die Händler daher kaum verhandlungsbereit. "Der nächste Interessent wartet bereits", diese Aussage ist bei unseren Kandidaten selten bloß ein Bluff.
Doch auch Gebrauchtkäufer werden irgendwann zu Verkäufern. Und dann, in ein paar Jahren, können sie sich vermutlich darüber freuen, dass das gute Stück einen vergleichsweise geringen Wertverlust erlitten hat. Die Auswahl an möglichen Antrieben ist bei dem hier vorgestellten Quintett groß: Benziner, Diesel, Mildhybride, Vollhybride und auch Plug-in-Hybride (PHEV) finden sich unter den Hauben dieser fünf Modelle. Ob die elektrischen Reichweiten für den persönlichen Alltag Sinn ergeben, sollte man prüfen und sich bewusst machen, dass der elektrische Zusatzantrieb im Alter das Reparatur-Risiko deutlich erhöht.
Während VW den Tiguan 2 erst zur Modellpflege elektrifizierte, Hyundai sowie Ford früh auf Plug-in-Technik setzten, machte Toyota den RAV4 zum Hybrid-Spezialisten und verabschiedete sich vollständig vom Diesel. Das Gegenstück dazu bildet der Mazda CX-5: Er blieb als einziger Kandidat konsequent bei klassischen Benzin- und Dieselmotoren.
Platz 5: Ford Kuga III – der Preis-Tipp
- Bauzeitraum: seit 2019
- Leistung: 120 bis 243 PS
- Preise: ab 13.500 Euro
Der Kuga III bietet viel Platz, eine gelungene Variabilität und fährt deutlich agiler als viele Konkurrenten. Angeboten wurden EcoBoost-Benziner, EcoBlue-Diesel sowie Vollhybrid- und Plug-in-Hybrid-Versionen. Besonders erfolgreich war der Kuga PHEV mit 225 PS, der zeitweise Europas meistverkaufter Plug-in-Hybrid war. Familien schätzen die verschiebbare Rückbank und das großzügige Raumangebot. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt lockt der Kuga häufig mit deutlich besserer Ausstattung als vergleichbar teure Tiguan oder RAV4-Modelle. Genau darin liegt heute seine größte Stärke.

Der Kuga wurde sportlich abgestimmt, sein straffes und direktes Wesen gefällt nicht jedem.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Schwachstellen: Der Kuga schwächelt mehr als die übrigen Konkurrenten. Besonders die Ölzahnriemen-Motoren machen häufig Probleme: Der Riemen kann sich im Öl schleichend zersetzen, der Abrieb verstopft in der Folge den Ölkreislauf. Im schlimmsten Fall drohen Motorschäden. Doch auch, wenn es nicht so weit kommt, ist schon eine Reinigung des Ölkreislaufs eine kostspielige Angelegenheit. Betroffen sind vor allem 1.0-EcoBoost-Motoren (aber auch andere), die etwa zwischen 2012 und 2019 eingesetzt wurden. In jüngeren Motorengenerationen stellte Ford dann auf Steuerketten um. Auch frühe Plug-in-Hybride (aktueller Rückruf auch neuerer Modelle wegen Brandgefahr) sollten vor dem Kauf kritisch inspiziert werden. Hinzu kommen Schwächen bei der Verarbeitungsqualität, mitunter Elektronikprobleme sowie Ausfälle oder Tiefentladungen der 12-Volt-Batterie.

Das digitale Fahrerdisplay nervte Besitzer teils mit Flackern. Oft ein Garantiefall.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Beim TÜV schneidet der Kuga schwächer ab als Tiguan, Tucson, RAV4 oder CX-5. Im aktuellen TÜV-Report landet er bei den Zwei- und Dreijährigen auf Platz 87 von 110. Die vergleichsweise niedrigen Gebrauchtwagenpreise sind daher auch als Risiko-Puffer zu verstehen – eine Sicherheitsrücklage für eventuelle Reparaturen kann nicht schaden.
Platz 4: Hyundai Tucson NX4 – der Herausforderer
- Bauzeitraum: seit 2020
- Leistung: 115 bis 288 PS
- Preise: ab 16.500 Euro
Mit seinem ungewöhnlich modernen Design sorgt der Tucson NX4 optisch für viel Aufmerksamkeit. Gleichzeitig bietet das Südkorea-SUV eine sehr breite Antriebspalette: Turbobenziner, Mildhybride, Vollhybride und Plug-in-Hybride mit neuerdings bis zu 288 PS. Was alle eint: Es kommt stets ein 1,6 Liter großer Verbrenner zum Einsatz. Die meisten Antriebe gab es auch als Allrad. Komfortable Abstimmung, Platzangebot und ebenso die umfangreiche Ausstattung überzeugen. Im aktuellen TÜV-Report gehört der NX4 zu den besonders soliden Modellen seiner Altersklasse.

Viele gebrauchte Modelle des Tucson profitieren noch von der langen Herstellergarantie.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Schwachstellen: Selten, aber dennoch zu früh, monieren die Prüfer Ölverlust – auch bereits bei der ersten HU. Im TÜV-Report fällt der Tucson außerdem bei der Abgasuntersuchung auf, die er nach drei Jahren viermal so oft wie der Gesamtschnitt vergeigt. Häufige Kritikpunkte der Besitzer betreffen dagegen die Elektronik. Software-Fehler, eingefrorene Bildschirme oder Probleme bei Apple CarPlay und Android Auto. Zudem zählen die 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe nicht zu den verlässlichsten, Klagen über ruckelige Schaltvorgänge kennen wir nicht nur aus Foren, sondern auch aus unseren Tests.

Ordentlich gestaltetes Cockpit, Klima und Infotainment klar getrennt. Gegen Touch-Spuren helfen Display-Folien.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Rückrufe gab es wegen Bremskraftverstärkern, der ESP-Einheit und möglicher Brandgefahr durch Kurzschlüsse. Die Voll- und Plug-in-Hybridvarianten gelten als stimmige und solide Antriebe der Baureihe.
Platz 3: VW Tiguan 2 – der Klassenprimus
- Bauzeitraum: 2016 bis 2025
- Leistung: 115 bis 320 PS
- Preise: ab 13.000 Euro
Der Tiguan ist der Älteste in dieser Runde, dennoch sind selbst frühe Modelle nicht günstiger als ein Kuga von 2020. Komfort und Platz – hier zählt der VW zu den Besten. Die Motoren reichen vom 1.4 TSI über 1.5 TSI und 2.0 TSI bis zu den 2.0-TDI-Dieseln mit maximal 240 PS. Ab dem Facelift 2020 gab es außerdem einen Plug-in-Hybrid und den 320 PS starken R. Fahrdynamisch bleibt er VW-typisch: neutral, sicher, sehr gut abgestimmt und komfortabel.

Zum Facelift wurde der 240 PS starke TDI beim Tiguan aussortiert. Die Leistungsunterschiede zur 190-PS-Version (später 200/193 PS) waren kaum spürbar.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das Platzangebot überzeugt ebenso wie die anständige Verarbeitung. Wer regelmäßig Anhänger zieht, findet im Tiguan eines der stärksten Zugtiere dieser Klasse. 2,5 Tonnen darf von diesen fünf Modellen nur der Tiguan an den Haken nehmen.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Schwachstellen: Probleme rund um das DSG-Getriebe gehören zu den häufigsten Aufregern beim Tiguan. Ein Tausch des Getriebeöls sollte alle 60 000 km erfolgt sein. Ruckeln beim 1.5 TSI durch eine fehlerhafte Steuerung der Zylinderabschaltung betraf sowohl Modelle mit manueller Schaltung als auch Tiguan mit Doppelkupplung. Nicht überall wurde das Phänomen durch Software-Updates beseitigt. Bei der Probefahrt im kalten wie im warmen Zustand auf Aussetzer vor den Gangwechseln achten. Ähnlich wie bei Ford: Im TDI (EA288) treibt ein nasser Zahnriemen die Ölpumpe an. Probleme sind auch hier bekannt, jedoch in weit geringerem Ausmaß als bei Ford.
Platz 2: Mazda CX-5 – viele Nehmer-Fähigkeiten
- Bauzeitraum: 2017 bis 2025
- Leistung: 150 bis 194 PS
- Preise: ab 15.000 Euro
Weder besonders sportlich noch herausragend innovativ. Das konnte man dem CX-5 der zweiten Generation als Neuwagen stets vorwerfen. Doch weil Mazda bei seinem SUV auf einen Technik-Overkill verzichtete, wird der CX-5 als Gebrauchter plötzlich besonders sympathisch, weil einfach und unkompliziert. Zur Wahl stehen 2,0- und 2,5-Liter-Benziner sowie der bekannte 2,2-Liter-Diesel. Auf Hybrid- oder Plug-in-Technik verzichtete Mazda beim CX-5, mit Ausnahme des 24-Volt-Mildhybrid-Systems.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Auch bei den Getrieben gibt es keine Experimente: Sechsgang-Handschaltung oder Wandlerautomatik mit sechs Stufen (Serie bei den 2.5er-Benzinern). Beim TÜV schneidet der CX-5 durchwachsen ab, was vor allem an schnell verschleißenden Bremsscheiben und Fehlern an Scheinwerfern und Tagfahrlicht liegt.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Schwachstellen: Der 2,2-Liter-Diesel kann bei Kurzstreckenbetrieb durch Kraftstoffeintrag ins Öl und Verkokung zum Problem werden. Wer sich für einen Benziner entscheidet, kann diese wegen der fehlenden Aufladung als etwas schwächlich empfinden. In Fahrerforen werden außerdem Probleme mit der elektrischen Heckklappe, automatisch anklappenden Außenspiegeln und einzelnen Infotainment-Funktionen genannt. Insgesamt gehört der CX-5 dennoch zu den zuverlässigsten Gebrauchtwagen im Segment. Wer ohne Voll- oder Plug-in-Hybrid auskommt, kann mit dem Japaner nicht viel falsch machen.
Platz 1: Toyota RAV4 – der Zuverlässigkeitskönig
- Bauzeitraum: 2018 bis 2026
- Leistung: 150 bis 306 PS
- Preise: ab 20.000 Euro
Der RAV4 war einer der Begründer des SUV-Booms, die fünfte Generation zählt zu den interessantesten Gebrauchten überhaupt. Leider auch zu den teuersten. Toyota verabschiedete sich beim XA5 vollständig vom Diesel und setzte konsequent auf elektrifizierte Antriebe. Darunter ein 218 PS starker Hybrid mit Frontantrieb, ein 222-PS-Hybrid mit E-Allrad sowie seit 2020 ein Plug-in-Hybrid mit starken 306 PS Systemleistung.

Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Der RAV4 kombiniert viel Platz, hohen Alltagsnutzen und niedrige Verbrauchswerte mit einer Hybridtechnik, die als Referenz am Markt gilt. Während viele Hersteller ihre Plug-in-Hybride inzwischen mit hohen Abschlägen verkaufen müssen, bleiben die Preise für gebrauchte RAV4 bemerkenswert stabil. Für Gebrauchtwagenkäufer kurzfristig ein Minuspunkt, beim späteren Verkauf darf man sich jedoch über die japanische Wertstabilität freuen.
Schwachstellen: Die größte Schwäche des RAV4 ist tatsächlich sein Preis. Weil die Nachfrage hoch und das Vertrauen in die Technik groß ist, liegen die Gebrauchtwagenpreise deutlich über denen vergleichbarer Tucson, CX-5, Kuga oder Tiguan. Technische Schwächen gibt es vergleichsweise wenige: Ein träges Infotainment, gelegentliche Fehlermeldungen von Assistenten und Knarzgeräusche kann man dem RAV4 ankreiden, viel mehr nicht. Die Hybridtechnik gilt dagegen als ausgesprochen robust. Probleme mit DSG-Getrieben, AdBlue-Anlagen, Turboladern oder Partikelfiltern spielen beim RAV4 dafür keine Rolle.

Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Im TÜV-Report tauchte der RAV4 zuletzt 2025 auf, belegte dort mit auffallend wenigen Mängeln in allen Altersklassen die vorderen Plätze. Wer möglichst wenig Werkstattbesuche und langfristig kalkulierbare Kosten sucht, sollte tiefer in die Tasche greifen und sich mit dem RAV4 einen besonders soliden Gebrauchten sichern.
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